Philosophie

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    (von griechisch: philo, sophia, "Liebe zur Weisheit")

    Im Gegensatz zu den Fachwissenschaften hat die Philosophie keinen fest umrissenen Gegenstand als Kern ihrer Forschung: Ihr liegt das Erkenntnisstreben nach Anfängen, Ursachen und Elementen aller Dinge und nach den letzten Zielen des Handelns zugrunde. Sie untersucht folglich das Sein und seine allgemeinen Grundsätze (Ontologie), die Grundlagen der Erkenntnis (Erkenntnistheorie), die Gesetzmäßigkeit des Wahren in der Logik, des Guten in der Ethik und des Schönen in der Ästhetik.


    Teilgebiete

    Die ursprüngliche Einteilung der Philosophie nach Platon unterschied Logik, Ethik und Ästhetik. Aristoteles differenzierte theoretische Philosophie (Metaphysik, Mathematik, Physik), praktische Philosophie (Ethik, Ökonomik, Politik) und Schaffenswissenschaften (Poetik, Rhetorik).

    Im Mittelalter befasste sich die Scholastik mit den Gebieten Metaphysik (Ontologie, Theologie), Physik (Kosmologie, Psychologie) und Ethik (Politik).

    Seit dem 18. Jahrhundert wird die Philosophie eingeteilt in Metaphysik, Logik, Ethik, Ästhetik, Erkenntnistheorie und die inzwischen allgemein als Einzelwissenschaft angesehene Psychologie. Als unabhängige Disziplinen entwickelten sich zudem im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Geisteswissenschaften (Soziologie, Kunstwissenschaft, Pädagogik u.a.).

    Geschichte

    Eine von der abendländischen Philosophie unabhängige Entwicklung fand in der arabischen, chinesischen, indischen und jüdischen Philosophie statt.

    Antike

    Die Ursprünge der abendländischen Philosophie liegen in der griechischen Antike (seit ca. 600 v.Chr.). Schon bei Heraklit findet der Begriff Philosophie Verwendung. Die Naturphilosophen (Thales, Anaximander, Anaximenes) beschäftigten sich zunächst mit der Frage nach dem Urstoff der Welt. Die von Pythagoras in Kroton begründete Schule der Pythagoreer stellte die Mathematik in den Vordergrund und beschäftigte sich mit der Seele des Menschen. Die Atomisten (Demokrit) vertraten ein materialistisches Weltbild; nach ihrer Vorstellung bestand jedes Ding aus kleinsten Teilchen; auch das menschliche Denken wurde physikalisch erklärt.

    Die Sophisten wurden mit der Behauptung bekannt, dass weder objektive Erkenntnis noch allgemein gültige ethische Regeln möglich seien; jeder Mensch habe für sich allein zu entscheiden.

    Sokrates vertrat vor allem die Form des philosophischen Lehrdialogs, davon ausgehend, dass jeder Mensch die Wahrheit in sich trägt und sie mithilfe eines Frage-Antwort-Spiels erkennen kann. Sein Schüler Platon, der Begründer der Akademie, setzte Tugend und Weisheit gleich. Platons Ideen- und Formenlehre geht davon aus, dass das Sichtbare nur ein unvollkommenes Abbild der Idee sei. Der Platonschüler Aristoteles begründete mit dem Peripatos eine der bedeutendsten Philosophenschulen Griechenlands. Aristoteles arbeitete mit der Methode der Syllogismen und entwickelte bedeutende philosophische Modelle zur Natur, Ethik, Politik, Erkenntnis und Kunst.

    In Rom war vor allem die Philosophie der Epikureer verbreitet, die die unerschütterliche Ruhe der Seele - auf der Grundlage der Ethik - als wichtigstes Lebensziel vertraten. Die Anhänger der Stoa (Stoiker) dagegen forderten einen Verzicht auf irdischen Wohlstand; den Menschen sahen sie als Teil Gottes (Zenon von Kition, Epiktet, Mark Aurel). Am Ende der antiken Philosophie steht der Neuplatonismus (Plotin), der vor allem von Erlösungshoffnung geprägt war.

    Mittelalter

    Der Kirchenvater Augustinus (5. Jh. n.Chr.) verband zum ersten Mal die griechischen Lehren der Philosophie mit christlichen Vorstellungen - Glaube und Philosophie ergänzen sich nach seiner Meinung.

    Die Scholastik im 9. Jahrhundert brachte im wesentlichen keine neuen Erkenntnisse in der Philosophie; sie versuchte die christlichen Offenbarungslehre mit philosophischem Denken in Einklang zu bringen. Kennzeichnend für die Scholastik ist die Autorität der Bibel. Die wichtigsten Vertreter sind Petrus Damiani und Anselm von Canterbury. In der Hochscholastik gewannen vor allem Franziskaner und Dominikaner an Bedeutung. Den wichtigsten Beitrag leistete Thomas von Aquin, der ein grundlegendes philosophisches System auf Aristoteles und Augustinus aufbaute.

    Neuzeit

    Neue Entdeckungen und wissenschaftliche Erkenntnisse (heliozentrisches Weltbild) führten im 15. und 16. Jahrhundert zu einer Ausweitung der philosophischen Untersuchungen.

    Der Mechanismus ersetzte die Vorstellung einer von Gott geschaffenen Welt durch das Bild von der Welt als Maschine mit physikalischen Gesetzen (Francis Bacon); der Mathematiker und Philosoph Réné Descartes ("Ich denke, also bin ich") wandte im 17. Jahrhundert die Methoden der Mathematik auf die Philosophie an.

    Von Thomas Hobbes, John Locke und David Hume wurde der Empirismus begründet, der die Erfahrung als die einzige Grundlage der Erkenntnis ansah. Im Gegensatz dazu stand der Idealismus (G. W. Leibniz). Den Höhepunkt der Philosophie des 18. Jh.s bildete Immanuel Kant, er entwickelte gegen Empirismus und Rationalismus sein System des Kritizismus (1781 "Kritik der reinen Vernunft").

    In Frankreich entwickelte in der Aufklärung Voltaire den Deismus weiter; Rousseau war mit seiner Zivilisationskritik ein wichtiger Vorläufer der Romantik.

    19. Jahrhundert

    In der deutschen Philosophie beeinflusste der Idealismus in der Nachfolge Kants die kulturelle Entwicklung von Klassik und Romantik: Für J.G. Fichte war der Wille des Menschen die letzte Realität (absoluter Idealismus). G.W.F. Hegel hielt den Geist für den Ursprung aller Dinge, der sich in drei Schritten der Wirklichkeit entwickelt (These, Antithese, Synthese).

    Im Gegensatz zu Hegels Fortschrittsglauben war A. Schopenhauers Lehre von Atheismus und Pessimismus geprägt ("Die Welt als Wille und Vorstellung", 1819).

    K. Marx und F. Engels setzten mit dem dialektischen Materialismus die Materie an die Stelle des Geistes. F. Nietzsche hielt den Willen zur Macht für den Ursprung allen Seins und befürwortete eine Abkehr von der religiösen Ethik.

    20. Jahrhundert

    Vor allem die Zunahme des Wissens auf dem Gebiet der Physik, aber auch der Psychoanalyse warf im 20. Jh. neue Fragen in der Philosophie auf.

    Die um 1900 begründete Phänomenologie (E. Husserl) befasst sich mit der Entstehung der Erscheinungen im Bewusstsein des Menschen. Von Ludwig Wittgenstein wurden entscheidende Impulse für die Ausbildung der Sprachphilosophie gegeben.

    Neue Schwerpunkte setzte seit den 1920er Jahren die Existenzphilosophie (M. Heidegger, Karl Jaspers), anknüpfend an die Philosophie der individuellen Existenz von S. Kierkegaard. Hauptvertreter des französischen Existenzialismus war J.P. Sartre.

    B. Russell befasste sich mit der Logik und ihren Verbindungen zur Mathematik; H. Bergson führte die Lebensphilosophie weiter. Die marxistisch orientierte Frankfurter Schule (M. Horkheimer, T. W. Adorno) widmete sich in erster Linie der Gesellschaftskritik. Das Verstehen von Sinnzusammenhängen ist Schwerpunkt der Hermeneutik; ihr wichtigster Vertreter ist H.G. Gadamer.

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