Psychoanalyse

    Aus WISSEN-digital.de

    Allgemeines

    Psychoanalyse ist ein Verfahren zur Heilung seelischer Störungen durch Aufdeckung der ins Unbewusste verdrängten Ursachen (Komplexe). Es handelt sich um eine durch Sigmund Freud eingeführte Methode zur Heilung von Neurosen, Fehlhaltungen und -leistungen im seelischen Bereich, die ihren Ursprung in frühkindlichen Störungen haben. In dieser Zeit kann es zu triebhaften Verhalten des Kindes kommen, das im Konflikt mit der Umwelt verdrängt werden muss. Die Psychoanalyse ist aber auch eine Theorie, die psychopathologische und allgemein psychologische Erscheinungen erklärt. Sie beinhaltet außerdem Theorien zu Kultur und Persönlichkeit, in denen Freud den ständigen Gegensatz zwischen Gesellschaft und biologischer Natur des Menschen aufzeichnet.

    Theorie

    Unangenehme, dem Triebleben entgegenstehende Erlebnisse werden ins Unbewusste "verdrängt" und bilden unter der Oberfläche des Bewusstseins "Komplexe", die zu schwerer Beeinträchtigung der Lebenstüchtigkeit führen können. Die "Analyse" forscht nun nach der Entwicklung des Triebes, um den Automatismus in der Triebentwicklung zu erkennen. Sie ist bestrebt, die durch Triebverdrängung entstandenen Komplexe und Neurosen wieder in das Bewusstsein zu bringen, um sie als Störfaktor auszuschalten. Sie benutzt dazu hauptsächlich die Träume des zu Analysierenden, deren Symbolgehalt weitgehend durch Erfahrung festgelegt ist (Schlange = Phallus, Geld = Potenz usw.), und das Gespräch. In diesen Gesprächen soll der Patient die Erfahrungen und Einstellungen aus der Kindheit auf den Therapeuten übertragen und Widerstand gegen dessen Aufdeckungsarbeit leisten (Psychotherapie). Fehlhandlungen wie Versprechen, Verschreiben u.a. werden der scheinbaren Zufälligkeit entkleidet und als sinnweisend entlarvt.

    Libido und Sublimierung

    Als stärkster Motor im Seelischen wird das sexuelle Lustprinzip, die "Libido" angesehen. Freud entwickelte ein derart strukturiertes Modell, bei dem die Triebe in den Bereiche des Es fallen, das Über-Ich als moralische Instanz fungiert und das Ich die integrierende Stelle zwischen diesen beiden Positionen ist. Spätere Arbeiten rückten die Bedeutung der Libido so in den Vordergrund, als ob Sexuallust als Triebfeder die Verhaltensweise der Menschen allein bestimmte (Pansexualismus). Neben den Verdrängungen von unliebsamen Erlebnissen, die zu Ersatzhandlungen und einer Ersatzbefriedigung (z.B. Perversionen) führen, spielt bei Freud auch die "Sublimierung" eine Rolle, die unauslebbare Triebe ins Geistige erhebt und veredelt. So seien alle Leistungen einer Kultur auf die Sublimation, also auf die Umwandlung sexueller Antriebskraft in Arbeit, zurückzuführen.

    Nachwirkung und Weiterentwicklung

    Alfred Adler, der den Machttrieb an die Stelle der Libido setzte, und Carl Gustav Jung mit einer neuen Typenlehre haben Freuds Werk modifiziert, entsexualisiert und dabei eigenständige Weiterentwicklungen vorgenommen. Dies gilt auch für Freuds pessimistische Kulturtheorie. In den englischsprachigen Ländern hat die Psychoanalyse weite Verbreitung in der Medizin und Literatur gefunden. Besonders in den USA hält man eine psychoanalytische Mitbehandlung in vielen Fällen für unerlässlich.


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