Johann Gottlieb Fichte

    Aus WISSEN-digital.de

    deutscher Philosoph; * 19. Mai 1762 in Rammau, Oberlausitz, † 29. Januar 1814 in Berlin

    Datei:Fichte j.jpg
    Johann Gottlieb Fichte; Porträt

    knüpfte an Kants "kategorischen Imperativ" an, führte in seiner "Wissenschaftslehre" alles Seiende auf die Selbstentfaltung des (nichtindividuellen, absoluten) "Ich" in sittlicher Tathandlung zurück und stellte als politischer Denker demgemäß den Pflichtbegriff über die Glückseligkeit.

    Fichtes erste Schrift, "Versuch einer Kritik aller Offenbarung", die anonym erschien und die man zuerst Kant zuschrieb, machte ihn berühmt. Seine wichtigsten Werke sind die "Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre" und das "System der Sittenlehre".

    Fichtes Lehre wird als subjektiver Idealismus bezeichnet.

    Drei Überlegungen bilden die Grundlage:

    1. Wir können nicht denken, ohne das Ich mitzudenken.

    2. Es ist unmöglich, zu denken, ohne etwas zu denken. Es steht also dem Ich immer ein Nicht-Ich entgegen.

    3. Daraus folgt, dass jeder Denkakt ein erkennendes Subjekt und ein erkanntes Objekt vereinigt.

    Aus diesen Tatsachen leitete Fichte die ersten Sätze seiner "Wissenschaftslehre" ab: Das "Ich" setzt sich selbst. Unter diesem Ich versteht er die schöpferisch-ethische Aktivität der Persönlichkeit: Geist, Wille, Sittlichkeit. Das einzig Tätige, Handelnde ist das Ich. Das Ich ist keine Tatsache, sondern eine Tathandlung. Das Ich setzt das Nicht-Ich. Die dingliche Welt außer uns ist nichts weiter als das Produkt unserer Tathandlungen. Wie Gott nicht etwa eine Welt vorfand, die er bloß geformt hätte, sondern das Sein aus dem Nichts erschuf, so erzeugt auch das Ich den Gegenstand seiner Tat. Deswegen ist Fichte von der Freiheit des menschlichen Willens zutiefst überzeugt. Nicht die Dinge bestimmen das Ich, sondern umgekehrt: Das Ich schafft und bestimmt die Dinge. In der Setzung des Nicht-Ich entsteht dem Ich eine selbst geschaffene Hemmung: Der Mensch stellt sich in die Welt, wirkt aktiv auf sie ein und wird schließlich von seiner eigenen Tathandlung begrenzt.

    Fichte verfocht die Prinzipien der Französischen Revolution, er war liberaler Demokrat und Republikaner und verband extremen Patriotismus mit humanistischem Weltbürgertum; in seinen wirkungsvollen "Reden an die deutsche Nation" von 1807 und 1808 rief er zum Kampf gegen Napoleon auf und forderte eine deutsche Nationalerziehung über alle Standesschranken hinweg. Als einer der ersten Staatssozialisten wandte er sich in seiner Schrift "Der geschlossene Handelsstaat" (1800) gegen das liberale Konkurrenzsystem, trat für Autarkie ein und entwarf das Bild einer Planwirtschaft mit Vollbeschäftigung; Fichtes Gedanken wirkten im 19. Jahrhundert in verschiedenen Richtungen stark nach, besonders bei Hegel, Feuerbach, Marx.

    Zitat
    J.G.Fichte: Der Mensch ist bestimmt, in der Gesellschaft zu leben. Er soll in der Gesellschaft leben. Er ist kein ganz vollendeter Mensch und widerspricht sich selbst, wenn er isoliert lebt.

    KALENDERBLATT - 25. September

    1513 Entdeckung des Pazifiks durch eine Gruppe von Spaniern unter Führung von Vasco Núñez de Balboa.
    1792 Polen wird durch die Zweite Polnische Teilung zwischen Preußen und Russland aufgeteilt und auf einen kaum lebensfähigen Rest reduziert.
    1894 Gerhart Hauptmanns Schauspiel "Die Weber" wird in Berlin zum ersten Mal öffentlich aufgeführt, nachdem es von den preußischen Zensurbehörden freigegeben worden ist.



    Das große Tier-Quiz

    Etwa eine Trillion Tierarten gibt es. Sie kennen nicht alle? Macht nichts, vielleicht knacken Sie auch so den Highscore ...
    Jetzt quizzen!