Oper

    Aus WISSEN-digital.de


    (italienisch)

    Eine Oper ist ein musikalisch (mit Gesang und Orchester) gestaltetes Bühnenstück, bei dem der Text (Libretto) und die Komposition sich in hohem Grad wechselseitig beeinflussen.

    Die Anfänge gehen auf das späte 16. und frühe 17. Jh. zurück. Als Vorläufer dienten die musikalischen Renaissancedarbietungen wie Intermezzi, Masques und Madrigal-Komödien.


    Einige Intellektuelle sowie Musiker, die sich zur Gruppe der Florentinischen "Camerata" zusammengeschlossen hatten, entwickelten in Florenz die Oper. Ihre Intention galt der Verbindung von Musik und Text, wobei die Texte in der Tradition des antiken Dramas stehen sollten. Die Mitglieder der Camerata entwickelten einen einfachen Gesangsstil, die Monodie. I. Peri entwickelte 1597 die erste Oper überhaupt: "Daphne". Gemeinsam mit seinem Kollegen G. Caccini entstand die Oper "Euridice", die 1600 in Florenz Premiere feierte. Inhaltliche Schwerpunkte der frühen Opern waren antike Stoffe.

    C. Monteverdi führte mit "L'Orfeo" (1607) erstmals die ausdrucksstarke Arie (Sologesang) ein. Monteverdi galt als Begründer der Venezianischen Oper, die sich Mitte des 17. Jh.s. in ganz Italien einer großen Beliebtheit erfreute. Zentren waren Rom und Venedig.

    Die Inszenierungen wurden immer opulenter; so wurden z.B. Wetterstürme und Seeschlachten szenisch dargestellt. Wichtige Vertreter der venezianischen Oper sind: F. Cavalli, A. Stradella, A. Cesti und A. Caldara.

    Anfang des 18. Jh.s. löste die Neapolitanische Schule die Venezianische Oper ab. Die Melodien wurden klangvoller, heiterer und unterhaltsamer. Es folgte die klare formale Trennung von Rezitativ und Arie.

    In der Hamburger Oper am Gänsemarkt wurde 1727 die erste deutsche Oper uraufgeführt: "Dafne" von H. Schütz (verloren). Die wichtigsten deutschen Opernkomponisten dieser Zeit waren R. Keiser, G.F. Händel und G.P. Telemann. Zu dieser Zeit feierte die Oper auch in England ihren Siegeszug. Es entstanden J. Blows "Venus and Adonis" oder H. Purcells "King Arthur" (1691) und "The Indian Queen" (1695). G.F. Händel hatte von 1720 bis 1730 in England mit ca. 40 Opern große Erfolge.

    C.W. Gluck ("Orfeo ed Euridice", 1762; "Alceste", 1767) setzte neue, reformerische Akzente in der Oper, indem er sich der Heldengeschichten bediente. Es entwickelten sich, von Italien ausgehend, unterschiedlichste Operngattungen: v.a. die ernste, getragene Opera seria (ital.: "ernste Oper", seit 1650) und die komische, musikalisch aufgelockerte in der Tradition der italienischen Commedia dell'arte stehende Opera buffa (ital.: "komische Oper", seit 1730) erfreuten sich großer Beliebtheit.

    In Frankreich entwickelten sich die Opéra comique und als Pendant dazu in Deutschland das Singspiel. Hier ist zwischen den musikalischen Nummern an Stelle eines Rezitativs gesprochener Dialog eingefügt.

    Für Aufsehen sorgte W.A. Mozart, der sich virtuos aller Genres bediente. So sind sein frühes Werk "La finta giardiniera" (1775) der Opera buffa, "Idomeneo" (1781) der Opera seria und seine 1782 entstandene Oper "Die Entführung aus dem Serail" dem Singspiel zuzuordnen. Eine Zusammenführung aller Gattungen bilden Mozarts späte Opern, z.B. "Die Hochzeit des Figaro" (1786), "Cosi fan tutte" (1790) und "Die Zauberflöte" (1791). "Don Giovanni" (1787) nennt Mozart dramma giocoso, was die Vermischung der bekannten Operntypen schon andeutet: Trotz weitläufigen Buffocharakters beginnt hier die Oper mit einem Mord. Librettist der letzten drei italienischen Buffoopern ist L. da Ponte.

    Romantische Einflüsse zeigten sich in der ersten Hälfte des 19. Jh.s. v.a. in Frankreich, Deutschland und Italien. Kombiniert wurden Elemente aus Theater und Ballett. Hinzu kamen aufwändig inszenierte Massenszenen, wie in der französischen Grand Opéra. Zentrum war Paris. Herausragende Repräsentanten waren der Franzose D.F.E. Auber ("La muette de Portici", 1828) und der Italiener G. Spontini ("La Vestale" 1807).

    C. Gounod adaptierte 1859 Johann Wolfgang von Goethes "Faust" (auch unter dem Titel "Margarethe" bekannt), ein zentrales Werk der französischen Opéra lyrique.

    Mit "Fidelio" wurde die erste große deutsche Oper des 19. Jh.s. von L. van Beethoven geschaffen, die in insgesamt drei Versionen (1805, 1806, 1814) existiert. Als deutsche Nationaloper ging C.M. v. Webers "Der Freischütz" (1821) in die Musikgeschichte ein. Weitere Vertreter der romantischen Oper in Deutschland waren E.T.A. Hoffmann ("Undine", 1816) und A. Lortzing , der v.a. viele Spielopern schuf (u.a. "Zar und Zimmermann", 1837).

    Die Hauptwerke der romantischen Oper in Deutschland schuf jedoch R. Wagner, dessen musikalisches Œuvre durch eine eindrucksvolle Dramatik gekennzeichnet ist. Opern wie "Der fliegende Holländer" (1843), "Tannhäuser" (1845) und "Lohengrin" (1850) zählen zu den wichtigen Vertretern der Epoche. Der Bruch zwischen "Lohengrin" und "Das Rheingold" markiert zugleich den Übergang von der romantischen Oper zum Musikdrama. Die dafür entwickelte Leitmotivtechnik setzte Wagner unter anderem in "Tristan und Isolde" (1865), "Der Ring des Nibelungen" (1852-1874) oder "Parsifal" (1882) ein. 1876 wurde das Bayreuther Festspielhaus eröffnet, in dem Wagner seine Bühnenwerke in einem geeigneten Rahmen präsentieren konnte.

    Die nachfolgenden Generationen (nicht nur in Deutschland) standen fortan unter dem Einfluss der Wagner-Epen, und obwohl Wagner selbst keine Nachfolger wünschte, wurde seine Leitmotivtechnik weiterbenutzt, aber auch in Gegenentwürfen modifiziert, wie später z.B. bei C. Debussy ("Pelléas et Mélisande", 1902).

    Eine neue Blüte erlebte die Oper Italiens im 19. Jh. durch aufgelockerte Arien und Rezitativelemente. G. Rossini komponierte Opern im Geiste des von ihm so bewunderten Mozart, später sorgten v.a. G. Verdis Werke wie "Nabucco" (1842), "Rigoletto" (1851) oder "Aida" (1871) für große Erfolge. Thematisch standen Darstellungen persönlicher Schicksale im Mittelpunkt der Opernhandlungen. Außerdem bediente sich Verdi sämtlicher Mittel der Operndramaturgie.

    Auch in Russland entwickelte sich um die Jahrhundertwende eine eindrucksvolle Opernkultur. N. Rimskij-Korsakow schuf 1909 "Der goldene Hahn", und P.l. Tschaikowsky trat mit seinen Opern "Eugen Onegin" (1879) und "Pique-dame" (1890) hervor.

    Ende des 19. Jh.s schufen die französischen Opernkomponisten C. Saint-Saëns und G. Bizet ihre Meisterwerke. Bizets "Carmen" (1875) galt als die Oper Frankreichs des 19. Jh.s. überhaupt.

    In Italien startete eine Gegenbewegung zu den Wagner-Opern. Naturalistisch geprägte Opern wie Giacomo Puccinis "La Bohème" (1893), "Tosca" (1900) oder "Madame Butterfly" (1904) fanden großen Anklang. Parallel zu dieser Entwicklung entstanden die Opern des Verismus, z.B. P. Mascagnis "Cavalleria rusticana" (1890).

    Deutschlands Opernkomponisten standen ganz in der Tradition Richard Wagners, wie die Werke von E. Humperdinck ("Hänsel und Gretel", 1893) und R. Strauss ("Salome", 1905, "Elektra", 1909) eindeutig belegen.

    In Mittel- und Osteuropa etablierten sich entsprechend der Nationalstile Opern wie B. Smetanas "Die verkaufte Braut" (1866), A. Dvoráks "Rusalka" (1900), L. Janáceks "Jenufa" (1904) oder B. Bartóks "Herzog Blaubarts Burg" (1918).

    Nach dem Ersten Weltkrieg nahm das Interesse an der Oper ab. Gefragt waren einfachere, weniger opulente Formen wie das Musiktheater, das den Begriff Oper ersetzte. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Zeit zählen der Russe S. Prokofjew ("Liebe zu den drei Orangen", 1921) oder I. Strawinsky ("The Rake's Progress", 1951).

    In Frankreich traten A. Honegger ("Johanna auf dem Scheiterhaufen", 1938) oder M. Ravel ("L'heure espagnole", 1911) hervor. Das Musiktheater in Deutschland prägten C. Orffs "Carmina burana" (1937) und "Die Dreigroschenoper" von K. Weill aus dem Jahre 1928, (Text von B. Brecht), P. Hindemith ("Mathis der Maler", 1938) und A. Berg ("Wozzeck", 1925).

    Zu den herausragenden Vertretern des zeitgenössischen internationalen Musiktheaters nach 1945 zählen Namen wie B. Britten ("Peter Grimes", 1945), K. Stockhausen, L. Bernstein ("West Side Story", 1957) oder G. Ligeti ("Le grand Macabre", 1978)

    KALENDERBLATT - 26. Juni

    1945 Die Charta der Vereinten Nationen (UNO) und das Statut für einen Internationalen Gerichtshof wird verkündet.
    1948 Die Luftbrücke nach Westberlin wird eröffnet, um die von den Sowjets eingeschlossene Stadt aus der Luft mit Nahrungsmittel zu versorgen. Sie dauert bis zum 16. April 1949.
    1963 Der amerikanische Präsident John F. Kennedy besucht Berlin und hält seine berühmt gewordene Rede, die er mit dem Satz: "Ich bin ein Berliner!" beendet.



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