Theater

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    (von griechisch: theatron, "Schauplatz")

    Wurde vor dem 19. Jahrhundert vornehmlich der Theaterbau bzw. seit dem 17. Jahrhundert das Dramenstück mit dem Begriff Theater benannt, umfasst seit dem 19. Jahrhundert der Begriff Theater das Theaterwesen in seiner Gesamtheit. Darin enthalten sind neben dem Theatergebäude und den Werken auch der Theaterbetrieb, das Theaterspiel und die theatrale Bühnenaufführung.


    Einteilung

    Schon immer verbanden sich im Theater verschiedene Künste miteinander, sei es in der Bühnenausstattung, dem Bühnenbild, den Kostümen, den Masken usw., sei es im Theaterwerk selbst, das oft gleichermaßen Tanz-, Sprach- und Musikelemente enthielt. Grundsätzlich unterscheidet man drei Sparten im Theater: Musiktheater (Oper, Musical, Operette, Musikdrama), Tanztheater (Ballett, Pantomine, Ausdruckstanz) und Sprechtheater (Schauspiel), wobei jedoch insbesondere das Tanz- und das Musiktheater Elemente der anderen Disziplinen aufweisen.

    Besondere Formen des Theaterspiels sind das Puppentheater, das Kinder- und Jugendtheater und außereuropäische Theaterformen wie das asiatische Schattenspiel, die japanischen Theaterformen , Bunraku und Kabuki und die chinesische Peking-Oper.

    Theaterbetrieb

    Theater sind kleine Kosmen in sich. Am deutlichsten wird dies, wenn man sich den Aufbau heutiger Theater vor Augen führt. Der größte Teil der Arbeit findet hinter den Kulissen statt.

    Das Theater ist in drei große Bereiche geteilt: in den künstlerische Bereich, den Verwaltungssektor und den Technischen Bereich. Der Technische Bereich ist in den Bühnenbetrieb (Beleuchter, Requisite, Ton u.a.), die Theaterwerkstätten (Schreinerei, Malersaal u.a.) und die Kostümabteilung (Fundus, Schuster, Ankleidedienst u.a.) unterteilt.

    Der Verwaltungssektor ist für alle Verwaltungsbelange des Hauses, wie Kartenverkauf, Pförtner, Garderobe, verantwortlich. Dem künstlerischen Bereich gehören zumeist als Festangestellte der Disponent, der Dramaturg, der Theaterarchivar, der Theaterfotograf, der Inspizient, die Souffleusen, die Statisterie-Leitung, im Musik- und Tanztheater das Orchester und der Chor bzw. das Ballettkorps an.

    Meist für die Dauer einer Produktion sind am Theaterhaus der Regisseur und die Regieassistenten, die Bühnen- und Kostümbildner, der Choreograf, die Schauspieler bzw. Solotänzer und -sänger engagiert. Dem gesamten Theaterbetrieb steht der Intendant vor.

    Die Theaterleiter und -arbeitnehmer haben sich zu verschiedenen Vereinigungen wie dem Deutschen Bühnenverein, der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger und der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft zusammengeschlossen.

    Geschichte

    Ursprünge

    Vorformen theatralen Spiels finden sich in sehr früher Zeit, Aufschlüsse darüber liefern verschiedene archäologische Funde. Der Ursprung des Theaters wird in kultischen und religiösen Zeremonien vermutet, wie sie bei fast allen Völker vorzufinden sind. Die von theatralen Handlungen begleiteten Feste zur Verehrung des ägyptischen Totengottes Osiris im 2. Jahrtausend v.Chr. sind als nur ein Beispiel unter vielen zu nennen.

    Antike

    Auch das europäische Theater entwickelte sich aus einem Kult. Das antike Theater entsprang, den griechischen Festen zu Ehren des Fruchbarkeitsgottes Dionysos. Wichtiger Bestandteil der mehrere Tage dauernden Dionysien, die seit dem 6. Jahrhundert v.Chr. belegt sind und südlich der Akropolis stattfanden (Dionysostheater), war der Agon, ein Dichterwettstreit. Aus ihm gingen die Theaterformen Komödie und Tragödie hervor. Preisträger waren u.a. die Dichter Aischylos, Sophokles und Euripides. Eine bauliche Besonderheit ist das Amphitheater als rein römische Theaterbauform.

    Mittelalter

    Im Theater des Mittelalters dominierten die geistlichen Spielarten (Osterspiel, Passionsspiel). Die Aufführungen fanden überwiegend auf öffentlichen Plätzen statt und wurden meist von Laienspielern ausgeführt. Erst im Spätmittelalter entstanden weltliche Spielformen, wie das deutsche Fastnachtspiel oder die englischen Morality-Plays.

    In der italienischen Renaissance wurde der feste Theaterraum wieder aufgenommen, wobei Theatersäle in erster Linie in Palästen eingerichtet wurden. Schlossbau und beginnende Barockoper des 17. Jahrhunderts läuteten dann die große Zeit des Theaters ein, das allerdings noch wesentlich Sache der Fürsten war. Das italienische Stegreiftheater, die Commedia dell'arte mit ihren typischen Situationen, Themen und Figuren, verband das höfische Renaissancetheater und das volkstümliche Straßentheater.

    Das Renaissancetheater in England erreichte einen Höhepunkt mit dem Elisabethanischen Theater unter Elisabeth I. (1533-1603). Die Werke seines berühmtesten Vertreters William Shakespeare fehlen noch heute auf kaum einem Spielplan. In Frankreich entstanden die Werke der berühmten französischen Dichter Pierre Corneille, Jean-Baptiste Racine und Molière.

    frühe Neuzeit

    Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein war das italienische Theater für ganz Europa prägend. Die Epoche des Klassizismus brachte für das Theater entscheidende Veränderungen. Das Bürgertum, das sich im fürstlichen Barocktheater mit bescheidenen Plätzen begnügen musste, hielt jetzt Einzug ins Theater, das bürgerliche Trauerspiel (Lessing, Schiller) entstand.

    Von dem französischen Nationaltheater (Comédie-France) ausgehend, entstanden nun auch in Deutschland Nationaltheater. Sollte Theater in der Zeit der Aufklärung vor allem eine moralische Wirkung ausüben, wurde damit im Sturm und Drang (Schiller, Goethe) gebrochen. Die individuelle Figur rückte in den Vordergrund.

    19. Jahrhundert

    Das Theater des 19. Jahrhunderts war vornehmlich ein Theater des Bürgertums und der gehobenen Mittel- und Oberschicht. Es diente vorwiegend der Erbauung, Bildung und Unterhaltung. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Operette (Jacques Offenbach), die sich bald in ganz Europa größter Beliebtheit erfreute. Der Starkult entstand, und berühmte Schauspieler wie Sarah Bernhardt oder Eleonore Duse beeindruckten europaweit mit ihrer Spielkunst.

    Ende des 19. Jahrhunderts wurde das bürgerliche Theater immer mehr von gesellschafts- und sozialkritischen, antibürgerlichen Theatertendenzen verdrängt. Zwei der wichtigsten Vertreter des sich im späten 19. Jahrhundert ausbildenden Naturalismus waren Henrik Ibsen und Gerhard Hauptmann.

    20. Jahrhundert

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schufen vor allem Adolphe Appia, Edward Gordon Craig und Otto Brahm in Deutschland, in Russland Konstantin Sergejewitsch Stanislawski und in Frankreich André Antoine die theoretischen Grundlagen für das Regietheater, das in die Praxis endgültig durch Regisseure wie Max Reinhardt, Wsewolod Meyerhold, Erwin Piscator, Peter Zadek oder Peter Stein umgesetzt wurde.

    Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Theaterentwicklung durch eine Vielfalt von Theaterkonzepten und -richtungen gekennzeichnet. Bertold Brechts episches Theater und Erwin Piscators Agitationstheater sind politisch ausgerichtet. Das absurde Theater Samuel Becketts und Eugène Ionescos zeigt durch absurde Handlungen und Dialoge die Sprachlosigkeit und Sinnentfremdung des heutigen Menschen.

    Mit dem Thema der individuellen menschlichen Existenz befassen sich die Theaterstücke der Existenzialisten Albert Camus und Jean-Paul Sartre. Weitere neue Formen sind das Dokumentartheater (P. Weiss) und das sprachexperimentelle Theater.


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