Romantik (Musik)

    Aus WISSEN-digital.de


    Ein zentrales Wesensmerkmal der musikalischen Romantik besteht in der Hinwendung zu ganz bestimmten, von Traum- und Fantasiewelten geprägten Themenkreisen, die vor allem durch die Vertonung von Dichtung im Kunstlied sowie in den märchenhaften Welten, Naturstimmungen und Sagenkreisen zahlreicher Opernlibretti während des 19. Jh.s ihren Ausdruck fanden. Die Assoziationsfähigkeit der romantischen Musik mit Bildern sowie die literarischen Grundlagen legen den im Keim bereits früher vorhandenen und durch R. Wagner klar formulierten und verwirklichten Gedanken des Gesamtkunstwerks nahe. Jedoch war es die Instrumentalmusik der Wiener Klassik, die E.T.A. Hoffmann wegen ihrer imaginären Sprachfähigkeit als die "romantischste" aller Künste ansah.


    Romantische Komponisten setzten sich intensiv mit der romantischen Dichtung, der Philosophie und den politischen Ideen von Vordenkern wie etwa Heinrich Heine auseinander. Außerdem existierte das rein musikalische Problem, in der Person und dem Werk L. van Beethovens eine unüberwindliche Größe vor sich zu haben. Erstmals wuchs zu Beginn des 19. Jh.s eine Komponistengeneration auf, die einen Konzertbetrieb erlebte bzw. selbst ins Leben rief sowie Werke älterer Tonsetzer neben zeitgenössischen Werken aufführte und somit ein erwachendes Geschichtsbewusstsein demonstrierte.

    Es schien zunächst unmöglich, die Größe des Werks von Beethoven zu übertreffen. Deshalb begann eine verstärkte Bemühung um kurze Klavierstücke wie beispielsweise lyrische Charakterstücke, Impromptus, Moments musicaux, Lieder ohne Worte usw. F. Schuberts über 600 Lieder dürfen ebenfalls in diesem Zusammenhang gesehen werden. Schuberts Werke wurden zum großen Teil erst nach seinem frühen Tod unter anderem von R. Schumann (1810-56) und F. Mendelssohn Bartholdy (1809-47) uraufgeführt. Schumann kann wohl als der belesenste der romantischen Komponisten gelten; der Sohn eines Buchhändlers wollte in seiner Jugend selbst Dichter werden. Ähnlich wie Schubert pflegten Schumann und Mendelssohn das lyrische Charakterstück und auch die Symphonie. Beide sind in ihrem Werk unverkennbar von J.S. Bach beeinflusst, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

    Mendelssohn führte 1829 die "Matthäuspassion" von J.S. Bach erstmals wieder auf und schuf selbst Oratorien wie den "Elias". Schumann hingegen verklausulierte den Bachschen Kontrapunkt in einem filigranen Klaviersatz und einer raffinierten Symphonik. Aber gelegentlich ließ auch Schumann das Vorbild deutlicher durchklingen, besonders in seinen Chorälen. Seine Klavierstücke fasste Schumann oft zu ganzen Zyklen zusammen, einer Entsprechung zum romantischen Liederzyklus.

    Noch markanter als bei Schubert und Schumann trat in der Klaviermusik von F. Chopin (1810-49) das einsätzige Charakterstück hervor. Chopin, der v.a. Klaviermusik komponierte, entwickelte einen neuen, nur in wenigen Werken Beethovens, Schuberts, Webers und Mendelssohns vorgezeichneten Klaviersatz, der Melodie und Begleitung eng verwebt und zahllose, bisher unentdeckte Klangmöglichkeiten des Klaviers ausnützt.

    In Frankreich stellte unterdessen H. Berlioz die literarische Idee in den Dienst der Symphonik. In seiner "Symphonie fantastique" zeichnete Berlioz in fünf Sätzen eine außermusikalische Handlung nach: Er schrieb Programmmusik. Heinrich Heine berichtete darüber enthusiastisch aus Paris und in Deutschland ließen sich viele Komponisten davon anstecken, so auch F. Liszt (1811-86). Dieser begründete mit seinen Orchesterwerken die Symphonische Dichtung, eine Gattung, die noch im 20. Jh. von Komponisten wie R. Strauss (1864-1949) als ein zentrales Schaffensfeld angesehen wurde.

    Die klanglichen Mittel dieser Strömung, die den feinen Instrumentationskünsten eines Mendelssohn widersprechen, machte sich eine Komponistengruppe, die so genannten "Neudeutschen", zu Eigen, deren herausragendste Vertreter neben Liszt A. Bruckner (1824-96) und R. Wagner (1813-83) sind. Bruckner ist v.a. als Symphoniker bekannt, dessen Symphonien im Geiste Beethovens und Schuberts v.a. durch Monumentalismen der Besetzung und des Umfanges zu einer neuen Mystik streben.

    Demgegenüber ist das Werk von J. Brahms an der Tradition Schumanns orientiert. Neu ist die Wiederbelebung einer an Bach anknüpfenden Variationsform und ein Beethovens Technik übersteigendes Verfahren, thematisches Material aus Vorangegangenem abzuleiten.

    Als einer der ersten Komponisten (von Bach abgesehen) bearbeitete Brahms ein musikalisches Feld überhaupt nicht: die Oper. Diese beschritt in der Romantik einen eigenen Weg, der in Deutschland zuerst von C.M. v. Weber eingeschlagen wurde. Weber ging vom Singspiel aus, wie es von Mozart u.a. hinterlassen worden war, und machte sich das Melodram, seit Beethovens "Fidelio" in der deutschen Oper vorzufinden, zu Nutze. In Anlehnung an die Opernreform Glucks hatte Weber dabei im Auge, die deutsche Oper von den stark verzierten Melodien, wie sie aus der italienischen Oper beliebt waren, zu befreien und deutsches, volksliedhaftes Material aufzunehmen. Sein "Freischütz" schafft diese Synthese auf bis heute beeindruckende Art und Weise und markiert den Beginn einer wirklich deutsch-romantischen Operntradition.

    Nach einer Reihe von anderen Opernkomponisten (unter anderem Schumann, Marschner) griff Wagner die deutsche Oper auf, bereicherte sie mit Werken wie "Der fliegende Holländer" oder "Lohengrin" und wandelte sie, begleitet von vielen theoretischen Schriften, zum Musikdrama um. So wie Brahms keinerlei Musik für die Opernbühne geschaffen hat, ist Wagners Orchester- und Kammermusik auf einige wenige, zum Teil verschollene Werke beschränkt. Obwohl sich Wagner zeitlebens gegen Nachahmer wehrte und seine Leitmotivtechnik für sich behalten wollte, wurde er zu einer die ganze Moderne im 20. Jh. prägenden Figur. Kaum ein Opernkomponist machte vor der Leitmotivtechnik Wagners Halt.

    Mit Wagners Bühnenwerken kann im heutigen Opernbetrieb nur noch die Italienische Oper konkurrieren, die im 19. Jh. eigene Wege ging und, ausgehend von der Opera buffa, mit G. Rossini ihren Wegbereiter fand. Neben vielen anderen italienischen Komponisten (G. Donizetti, V. Bellini) repräsentiert v.a. G. Verdi (1813-1901) die italienische Oper.

    Zur französischen Oper, vertreten durch die "Grand Opéra", "Opéra comique" und das "Drame lyrique", gehören Werke von C. Gounod (1818-93) und G. Bizet (1838-75). Auf den Spielplänen behaupten konnten sich die Werke der Russen M. Mussorgsky (1835-81) und P.I. Tschaikowsky (1840-93) sowie die der Tschechen A. Dvorák und B. Smetana. In Deutschland und Österreich, ebenso wie in Frankreich, entstand parallel zur Entwicklung der verschiedenen Operntypen die Operette, komponiert von bekannten Vertretern wie J. Strauß (1825-99) oder J. Offenbach (1819-80). Doch ist die Operette kaum noch zur Romantik zu zählen und mit den in der zweiten Jahrhunderthälfte geborenen Komponisten wie G. Mahler (1860-1911) und besonders A. Schönberg (1874-1951) begann die Moderne.

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