Lied

    Aus WISSEN-digital.de

    Zunächst Bezeichnung für althochdeutsche und mittelhochdeutsche Versepen.

    Ein- oder mehrstrophiger Text, dem eine Melodie zum Gesangsvortrag hinzugefügt wurde. Der Liedgesang kann instrumental begleitet, solistisch oder im ein- oder mehrstimmigen Chorgesang ausgeführt werden.

    Während das Kunstlied zwingend in musikalischer Notation festgehalten ist, jeweils einem bestimmten Komponisten zugeordnet werden kann und für ausgebildete Stimmen und Konzertvortrag bestimmt ist, liegt die Entstehung von Volksliedern, die parallel zu ihrer späteren schriftlichen Fixierung auch immer mündlich tradiert wurden, häufig im Dunkel. Volkslieder gehören dem Bereich des Laienmusizierens an und speisen sich in ihrer Thematik vom Brauchtum, von gesellschaftlichen Gruppen, wie Handwerkern, Militär usw., vom Jahreskreis sowie aus geistlichen Themen. Im Sprachgebrauch werden jedoch häufig komponierte Lieder als Volkslieder bezeichnet, die aufgrund großer Popularität und von Laien bewältigbarer Melodiegebung Eingang in das Volksliedrepertoire gefunden haben (z.B. „Der Mond ist aufgegangen“, 1782). Aus dem Volkslied entwickelte sich der Gassenhauer und später der Schlager.

    Liedformen des Mittelalters waren die geistlichen Formen der Sequenz, des Hymnus und des Conductus. Weltliche Liedformen waren Chanson, Chanson des geste, Air, Vaudeville, Romanze, Kanzone, Frottola, Lauda und Villanella. Aus dem einstimmigen Lied entwickelten sich das Tenorlied (im Cantus-firmus-Satz; H. Isaac, Adam von Fulda, Caspar Othmayr), das Generalbasslied des 17. Jahrhunderts (J.H. Schein, Thomas Selle, Paul Gerhardt, Johann Staden, Erasmus Kindermann) sowie in der Ersten Berliner Liederschule (C.P.E. Bach) das volkstümliche Kunstlied mit Klavierbegleitung und das deutsche Kunstlied bei F. Schubert. Größere Liedersammlungen veröffentlichten im 18. Jahrhundert V. Rathgeber ("Augsburger Tafel-Confect", 1733-46) und Sperontes ("Singende Muse an der Pleiße", 1736-45). Über das Singspiel gelangte die strophische Liedform in die Oper. J. G. Herder engagierte sich für die Wiederentdeckung des Eigenwerts des Volksliedes. Parallel zur Zweiten Berliner Liederschule (F. Zelter u.a.) bildete sich das romantische Kunstlied (L. van Beethoven, F. Schubert) aus. Im 19. Jahrhundert komponierten vor allem C.M. von Weber, F. Mendelssohn Bartholdy, R. Schumann und J. Brahms Lieder, die sie immer wieder auch in zusammenhängenden Gruppen als Liederzyklen herausgaben (Schubert: "Die schöne Müllerin", "Winterreise"; Schumann: "Dichterliebe"; Brahms: "Magelone"). Für den im 19. Jahrhundert stark anwachsenden bereich des Laiengesangs in Liedertafeln und Liederkränzen sowie in Gesangsvereinen schufen v.a. F. Silcher und J. Brahms entsprechende (mehrstimmige) Lieder für den Chorgesang. Orchesterbegleitete Lieder schufen H. Berlioz ("Les nuits d’été"), G.  Mahler ("Lied von der Erde", "Lieder eines fahrenden Gesellen"). Die Liedkomposition breitete sich in den europäischen nationalen Schulen mit Deutschland als Vorbiold schnell aus. Im 20. Jahrhundert war es vor allem die Zweite Wiener Schule, die dem Kunstlied neue satztechnische Impulse und Herangehensweisen an die Textvertonung verliehen hat (Schönberg: "Georgelieder", op. 15; Berg und Webern, frühe Lieder).

    KALENDERBLATT - 17. September

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