Motette

    Aus WISSEN-digital.de

    (lateinisch-italienisch)

    Eine Motette ist eine mehrstimmige (geistliche) Vokalkomposition. Der Begriff leitet sich von "motetus" ab, einer im Mittelalter zu dem Gregorianischer Choral hinzutretenden zweiten, anders textierten Stimme. Diese konnte auch weltlich und volkssprachlich, bisweilen sogar erotischen Inhalts sein.

    Entwicklung

    Die Motette entstand um 1200 in Frankreich und war eine der wichtigsten Neuentwicklungen im Bereich der mehrstimmigen Komposition. Der Motette liegt immer ein Cantus firmus zu Grunde, der im Tenor erklingt und der gesamten Motette als Gerüst dient. Der Cantus firmus stammt in aller Regel aus den als Gregorianischer Choral bekannten Melodien. Zu diesem treten dann ein bis drei neu komponierte Stimmen (Discantus, Contratenor altus, Contratenor bassus).

    In der Ars nova wurden kontrapunktisch komplexe Strukturen in die Motette integriert (Isorhythmie), so etwa von Ph. de Vitry oder G. de Machaut. Das 15. Jh. brachte eine Entwicklung zum so genannten Kantilenensatz und damit ein stärkeres Gewicht auf dem Diskant und der Kantabilität (G. Dufay).

    Nachdem die Motette zwischenzeitlich mehrere Texte, geistliche und weltliche, teilweise sogar in verschiedenen Sprachen, innerhalb einer Komposition haben konnte, festigte sie sich in der Renaissance endgültig als ein Stück geistlicher Vokalmusik.

    Im 16. Jh. prägte vor allem O. di Lasso das Motettenschaffen, unter anderem mit der Entwicklung der Liedmotette, in der ein Lied das Grundmaterial für den polyphonen Satz darstellt. Das englische Pendant zur Motette wurde in dieser Zeit das Anthem. In Deutschland entstanden, ausgehend von der Liedmotette, ein protestantischer Motettentyp mit deutschem Text, so etwa bei S. Scheidt oder H. Schütz, und die Chormotette. Ausgehend von Italien, mit L. Viadanas "Cento concerti ecclesiastic", passte sich die Motette im Barock der Allgegenwart des Generalbasses an.

    Das 17. Jahrhundert brachte einen großen Stilpluralismus in der Gattung der Motette hervor, auch wenn die nun bereits als historisch angesehene Blüte der klassischen Vokalpolyphonie als Leitideal der mehrstimmigen A-cappella-Motette von der katholischen Kirche bis ins 20. Jahrhundert propagiert wurde. In Frankreich entstanden sogar Motetten mit nur einer solistischen Stimme und Basso continuo. Sechs der letzten großen Chormotetten der protestantischen Kirchenmusik in Deutschland komponierte J.S. Bach,der übrigens seine Kirchenkantaten teilweise ebenfalls als Motetten bezeichnete. W.A. Mozarts Motette für Sopran und Orchester (KV 165) knüpft an die italienische Tradition der Solomotette an.

    Durch alle Jahrhunderte hindurch galt ein instrumentales "colla parte" Begleiten der Singstimmen als legitime Option. Im 19. Jh. wurde jedoch zunehmend eine A-cappella-Wiedergabe als stilistisch richtig empfunden, und die neu komponierten Motetten waren ebenfalls für einen unbegleiteten Chor gedacht (z.B. bei F. Mendelssohn oder J. Brahms).

    Im 20. Jahrhundert wurde die Motette zwar von einigen Komponisten, z.T. aus dem Kreis der Jugendmusikbewegung und im Zuge von kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegungen beider großer Konfessionen noch gepflegt (H. Distler, E. Krenek), ihre Blütezeit war jedoch vorüber.


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