Geschichte: Verbindungen zum Ausland

    Aus WISSEN-digital.de


    Innere Zerfallserscheinungen und die äußere Bedrohung durch Polen, das seit der Heirat des bis dahin heidnischen Litauer Fürsten Wladislaw Jagiello mit der polnischen Thronerbin Hedwig im Jahre 1386 zu neuer Machtentfaltung gelangte, führten zum Niedergang des Deutschen Ritterordens. 1410 wurde sein Heer bei Tannenberg geschlagen; seit 1466 (zweiter Friede von Thorn) blieb ihm nur Ostpreußen als polnisches Kronlehen, während sein Herzstück, das Bistum Ermland, und Westpreußen an Polen fielen. Der gänzliche Zusammenbruch der Ordensherrschaft wurde schließlich nur noch durch Umwandlung des Staats in ein protestantisches hohenzollernsches Herzogtum verhindert (1525), dessen Grenze gegenüber dem russischen und polnischen Machtbereich 400 Jahre lang alle Wirren überdauerte. Preußen und Kurland blieben auch unter polnischer Lehnshoheit deutsch und evangelisch, ebenso die autonomen Städte Danzig und Riga, Elbing und Thorn. 1569 wurden Westpreußen und Livland Teil des polnisch-litauischen Staats. Polentum und Katholizismus drängten hier das evangelische Deutschtum zurück.

    An der Südostgrenze des Reichs konnte nach der endgültigen Beseitigung der Ungarngefahr durch die Schlacht am Lechfeld (955) unter Otto I. und nach dem Sesshaftwerden und der Bekehrung der Ungarn unter ihrem König Stephan I. (997-1038) gleichfalls ein neuer Abschnitt der Ostkolonisation beginnen, deren erste Anfänge bis in die Zeit Karls des Großen zurückreichen. Otto I. begründete die bayerische Ostmark neu; 976-1246 wurden die Babenberger ihre Herren. Von hier aus wurde die Siedlungsgrenze gegenüber Ungarn langsam vorgeschoben; im 11. Jahrhundert gelangten bayerische, fränkische und niedersächsische Siedler sogar bis ins ungarische Kernland. 1156 erhob das Privilegium minus die Ostmark, inzwischen Österreich genannt, zum selbstständigen, von Bayern unabhängigen Herzogtum. Im 12. Jahrhundert wurde die Ostmark völlig eingedeutscht; die Steiermark wurde als Herzogtum selbstständig. Es entstanden in diesem Raum Bauernsiedlungen und Städte; der Babenberger Hof in Wien wurde zu einem Mittelpunkt deutscher ritterlicher Kultur.

    Die Herrschaft des Przemysliden Ottokar II. (1253-1278) über Österreich war nur ein Zwischenspiel. Rudolf von Habsburg gewann das Reichslehen der Babenberger 1278 wieder zurück. Er legte auch den Grundstein für die spätere habsburgische Hausmacht durch die Verbindung Österreichs, der Steiermark und der Mark Krain im Jahre 1282. Von 1282 bis 1918 waren die Habsburger Herren in Österreich, das sie zum Mittelpunkt ihres Großreichs machten.

    Freilich schien im 14. Jahrhundert die europäische Stellung Habsburgs noch einmal durch die machtvolle Entwicklung Böhmens unter Kaiser Karl IV. (1346-1378) bedroht, der als Kandidat der Luxemburger und des Papsts gegen Ludwig den Bayern als Gegenkönig den Thron bestiegen hatte. Karl IV., Sohn einer Przemyslidin (der Tochter König Wenzels II. von Böhmen) und des Königs Johann von Böhmen (der luxemburger Herkunft war), dem Aussehen nach Tscheche, in Paris umfassend gebildet, hat für das deutsche politische und geistige Leben Entscheidendes geleistet. Eine geschlossene Hausmachtstellung im Osten des Reichs, die Beherrschung der Mark Brandenburg, Schlesiens und der Lausitz, der Lebensadern Oder und Elbe machte Prag zum glänzenden Mittelpunkt des Imperiums. Eine Universität nach dem Muster der Sorbonne entstand. 1409 wurde sie tschechisch, und die deutschen Professoren und Studenten mussten vor dem wachsenden hussitischen Nationalismus der Tschechen nach Leipzig abziehen. Als Kaiser Sigismund 1415 Brandenburg den Hohenzollern gab und seinem Schwiegersohn Albrecht die Ansprüche auf die Krone Böhmens und die Stephanskrone Ungarns vererbte, begründete er Mächte, die in den folgenden Jahrhunderten das Schicksal des Reichs von innen her bestimmen sollten.

    Die geschichtlichen Vorgänge im skandinavischen Raum und in Russland gewannen erst im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit Einfluss auf Deutschland. In Schweden, Norwegen und Dänemark war der staatliche Zusammenschluss um 900 erreicht. Das Reich Knuts des Großen (1016-1035), das Dänemark, Norwegen und England vereinte, blieb nur ein Zwischenspiel. Bremen widmete sich der Mission im skandinavischen Raum, die zu Beginn des 11. Jahrhunderts abgeschlossen war. 1227 war die Eidergrenze durch den deutschen Sieg bei Bornhöved über die Dänen erneut gesichert. Die inneren Wirren des Nordens ermöglichten schließlich der Hanse ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss geltend zu machen. Zur Zeit des Niedergangs der Hanse gegen Ende des Mittelalters war die skandinavische Welt im Aufstieg. Von 1397 bis 1523 bestand - mit gelegentlichen Unterbrechungen - die Kalmarer Union der drei nordischen Reiche. Die Stände von Schleswig und Holstein aber wählten 1460 nach dem Aussterben der Schauenburger Christian von Oldenburg, der zugleich Dänenkönig war, zum Landesherrn und brachten so die Nordmark unter dänischen Einfluss. Erst 1864 wurde dieser Zustand im deutsch-dänischen Krieg zu Gunsten Deutschlands geändert.

    Russland, dessen staatliche Anfänge auf schwedische Wikinger zurückgehen - Nowgorod wurde im 9. Jahrhundert an der Handelsstraße von der Ostsee zum Schwarzen Meer von den Warägern (auch Rus genannt) als Staatswesen begründet, später folgte Kiew im Süden -, geriet im 13. Jahrhundert unter mongolische Herrschaft. Die Kultur Altrusslands wurde von den Mongolen ebenso vernichtet wie die hellenistisch-arabische Kultur Vorderasiens, aus deren Tradition die Türken nur den Islam in die spätere Entwicklung hinüberretteten.

    In dem um 1150 gegründeten Moskau regierten im Auftrag des Mongolenkhans die Großfürsten, denen die allmähliche Ausbreitung ihrer Macht über das europäische Russland gelang. Iwan III. von Moskau eroberte 1477 die Handelsrepublik Nowgorod und beseitigte 1480 die Oberhoheit der Tataren. Er vollendete die Staatsgründung Russlands, das sich auf Kosten Polens und Litauens alsbald nach Westen auszudehnen begann. Erst unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533-1584), dem Begründer des russischen Absolutismus (Titel: Zar), trat Russland aktiv in die europäische Geschichte ein.

    KALENDERBLATT - 22. Januar

    1949 Mao-Truppen besetzen Peking.
    1972 Die Europäische Gemeinschaft (EG) wird erweitert: Großbritannien, Irland und Dänemark unterzeichnen die Urkunden zum EG-Beitritt.
    1975 Der amerikanische Präsident Gerald Ford unterzeichnet Verträge zur Beschränkung von B- und C-Waffen.



    Afrika - der schwarze Kontinent

    Afrika galt lange Zeit als eine Metapher für unerforschte und geheimnisvolle Welten. Wie sieht es bei Ihnen aus: Kennen Sie Afrika?
    Jetzt quizzen!