Geschichte: Der Weg in den Ersten Weltkrieg

    Aus WISSEN-digital.de


    Die imperialistischen Rivalitäten der Großmächte, die Nationalismen der kleineren Völker besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, aber auch der harte Wettbewerb zwischen den Industrieländern führten in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu vielfachen Spannungen und Krisen im Weltstaatensystem.

    Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares am 28. Juni 1914 in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo durch serbische Nationalisten näherte sich die Entwicklung der Krise, da sich Österreich-Ungarn in seiner staatlichen Existenz durch die von Serbien unterstützten Aktivitäten der südslawischen Nationalisten bedroht sah, bei deren Unterdrückung aber unweigerlich in Konflikt mit Russland geraten musste. Deutschland, im Zweibund mit Österreich alliiert, ließ keinen Zweifel daran, dass es ohne Einschränkungen zu seinen Bündnisverpflichtungen stehen werde. Die deutsche Regierung stehe auf dem Standpunkt, telegrafierte der österreichische Botschafter in Berlin am 6. Juli nach Wien, "daß wir beurteilen müssten, was zu geschehen hätte ... Wir könnten hierbei, wie auch immer die Entscheidung ausfallen möge, mit Sicherheit darauf rechnen, daß Deutschland als Bundesgenosse und Freund der Monarchie hinter ihr stehe".

    Gestützt auf diesen "Blankoscheck" Deutschlands stellte Österreich-Ungarn an Serbien ein Ultimatum, das absichtlich so harte, die serbische Souveränität einschränkende Bedingungen enthielt, dass mit seiner Annahme nicht zu rechnen war. In Wien nämlich hatten sich die Anhänger der vom Chef des Generalstabs, Conrad von Hötzendorf, geführten Kriegspartei durchgesetzt. Diese forderte ein militärisches Vorgehen gegen Serbien, da sie sich von einem siegreich geführten begrenzten Krieg günstige Auswirkungen auf die inneren Probleme der k. u. k.-Monarchie, vor allem eine Eindämmung des den Vielvölkerstaat bedrohenden slawischen Nationalismus versprach.

    Wie zu erwarten, konnte Serbien das Wiener Ultimatum nicht bedingungslos akzeptieren. Doch war seine Antwort so geschickt abgefasst, dass selbst Wilhelm II., zuvor noch der Meinung: "Mit den Serben muss aufgeräumt werden", jetzt "keinen Grund zum Kriege" mehr sah.

    Natürlich konnte Serbien den Konflikt mit Österreich nur riskieren, wenn es der russischen Rückendeckung sicher war. Russland seinerseits hielt engen Kontakt mit dem verbündeten Frankreich. Die französische Versicherung, "alle Verpflichtungen des Bündnisses zu erfüllen", gab dem Zaren freie Hand gegen Österreich.

    Trotzdem wollte Österreich-Ungarn auf eine militärische Machtdemonstration gegenüber Serbien nicht verzichten, wohl in der Hoffnung, durch eine schnelle Akt vollendete Tatsachen zu schaffen. Der von England angeregten Vermittlung kam es durch die Kriegserklärung an Serbien am 28. Juli 1914 zuvor. Zwei Tage später wurde dem deutschen Botschafter in London bedeutet, dass Großbritannien im aufziehenden Konflikt auf Seiten Russlands und Frankreichs stehen werde. Gleichzeitig unterstrich London seine Entschlossenheit durch die Teilmobilisierung der Royal Navy.

    Jetzt, in letzter Stunde, versuchte Deutschland mäßigend auf Österreich einzuwirken: Besonders die Verweigerung jedes Meinungsaustausches mit Russland sei ein schwerer Fehler. "Wir sind zwar bereit, unsere Bündnispflicht zu erfüllen, müssen es aber ablehnen, uns von Wien leichtfertig und ohne Beachtung unserer Ratschläge in einen Weltbrand hineinziehen zu lassen ... Bitte sich gegen Graf Berchtold (österreichischer Außenminister) sofort mit allem Nachdruck und großem Ernst aussprechen", telegrafierte Reichskanzler Bethmann Hollweg am 30. Juli nach Wien.

    Doch für eine solche Politik war es bereits zu spät. Mit der russischen Teilmobilmachung vom 29. Juli lief der Automatismus der Militärmaschine an, der Europa fast zwangsläufig in den großen Krieg trieb. Durch seine Mittellage bedingt befand sich Deutschland strategisch in einer prekären Situation. Seit der Reichsgründung hatte deshalb das Problem eines möglichen Zweifrontenkrieges sowohl die politische wie die militärische Führung beschäftigt. Während Moltke, der Sieger von 1866 und 1870/71, noch die Ansicht vertreten hatte, man müsse zuerst im Osten und dann im Westen die Entscheidung suchen, wurde unter Alfred Graf von Schlieffen, 1891 bis 1905 Chef des Generalstabs der Armee, der umgekehrte Weg beschritten. Entsprechend dem 1905 entwickelten "Schlieffenplan" sollte die Masse des deutschen Heeres zuerst in einer schnellen Umfassungsschlacht das Gros der französischen Armee vernichten und dann, den Vorteil der inneren Linie wahrnehmend, der "russischen Dampfwalze" im Osten entgegentreten.

    An der Westfront sollte der rechte Flügel den entscheidenden Schlag führen: "Das Wesentliche für den gesamten Verlauf der Operationen ist, einen starken rechten Flügel zu bilden, mit dessen Hilfe die Schlachten zu gewinnen und in unausgesetzter Verfolgung den Feind mit eben diesem starken Flügel immer wieder zum Weichen zu bringen." Aber Schlieffen verkannte auch nicht das hohe Risiko seiner Strategie und warnte: "Wir werden die Erfahrung aller früheren Eroberer bestätigt finden, dass der Angriffskrieg sehr viele Kräfte erfordert und sehr viele verbraucht, dass diese ebenso beständig abnehmen, wie diejenigen des Verteidigers zunehmen, und alles dies ganz besonders in einem Land (wie Frankreich), das von Festungen starrt."

    Auf Anregung Ludendorffs hin änderte Helmuth von Moltke, Neffe des älteren Moltke und Nachfolger Schlieffens, das im Schlieffenplan vorgesehene Stärkeverhältnis rechter Flügel - linker Flügel von 7:1 auf 3:1. Mit Recht befürchtete Ludendorff, dass bei einem zu schwachen linken Flügel "der Franzose in Lothringen mit überlegenen Kräften viel eher im Rücken unseres Heeres" stehen werde "als wir bei unserem Durchmarsch durch Belgien in seinem". Doch an der Grundkonzeption des Schlieffenplans, Frankreich in kürzester Zeit in einem "Über-Cannae" vernichtend zu schlagen, änderte sich nichts.

    Der Eigendynamik dieses Schlieffenplans zufolge musste Deutschland nach der österreichischen Kriegserklärung an Serbien und der ihr folgenden russischen Teilmobilmachung umgehend die Initiative ergreifen und ebenfalls mobil machen - gegen Frankreich, das notfalls durch ein unannehmbares Ultimatum zum Krieg gezwungen werden sollte.

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