Epos

    Aus WISSEN-digital.de

    (griechisch "das Gesagte")

    Allgemeines

    Das Epos ist eine meist Helden- oder Göttersagen erzählende Dichtung in Versform. Es gehört zu den epischen Gattungen. Normalerweise verwendet ein Epos gleichartige Verse oder Strophen. Charakteristisch für das Epos sind die Verwendung von formelhaften Fügungen und eine künstlerische Strukturierung des dargebotenen Stoffes. Das Epos gilt als Gattung, die vor allem in bestimmten vorindustriellen, festen Gesellschaftsordnungen (z.B. Feudalismus) ausgebildet wird, Alfred Döblins Epos "Manas" ist aber ein Beleg dafür, dass das Epos auch als Darstellungsform für Problemstellungen einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft dienen kann.

    Die Antike

    Die ältesten auf einen Mythos verweisenden Epen wie das babylonische Gilgamesch-Epos (2. Jahrtausend v.Chr.) oder das indische "Ramajana" finden sich im außereuropäischen Kulturkreis. Für das europäische Epos gelten Homers "Ilias" und "Odyssee" (9. und 8. Jh. v.Chr.) sowie Vergils "Äneis" (Ende des 1. Jh.s v.Chr.) als unübertreffliche Meisterwerke.

    Das Mittelalter

    Im Mittelalter entwickeln sich zwei große Formen des Epos: der höfische Roman (oder höfisches Epos) und das Heldenepos. Daneben kann man noch das christliche Lesedrama als Form des Epos nennen, z.B. der altsächsische "Heliand". Das Heldenepos unterscheidet sich durch verschiedene Aspekte vom höfischen Roman: Im höfischen Roman nennt sich der Verfasser mit Namen, der Verfasser eines Heldenepos bleibt anonym. Heldenepen sind überwiegend in einer charakteristischen Strophenform abgefasst, die höfischen Epen sind fast alle in Reimpaarversen geschrieben. Die Heldenepen beziehen ihren Sagenstoff vorwiegend aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern und aus dem nordischen Sagenkreis, während der höfische Roman vor allem auf keltisches Sagengut zurückgreift, in dessen Mittelpunkt der legendäre König Artus steht. Die höfischen Epen sind einem ritterlichem Lebensideal nach französischem Vorbild verpflichtet, während die Heldenepen eher archaische Gesellschafts- und Lebensformen abbilden.

    Die Epen des Franzosen Chrétien de Troyes (Artusepen) lieferten den Stoff für Werke fast aller mittelhochdeutschen Verfasser höfischer Epen. Die bedeutendsten mittelhochdeutschen Ependichter sind: Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg. Die wichtigsten Heldenepen sind das Nibelungenlied und das Kudrunepos. Die vielen erhaltenen Heldenepen aus dem Sagenkreis über Dietrich von Bern sind von eher geringer literarischer Qualität, erfreuten sich aber offenkundig großer Beliebtheit im Mittelalter.

    Die frühe Neuzeit

    Die Epen der frühen Neuzeit und der Neuzeit haben mit den mittelalterlichen Heldenepen und höfischen Epen wenig gemeinsam. Herausragende Epen schufen z.B. Dante Alighieri ("Divina Commedia"), Torquato Tasso ("Befreites Jerusalem"), John Milton ("Das verlorene Paradies") und Johann Wolfgang von Goethe ("Hermann und Dorothea"). Der neuzeitliche Prosaroman löste das Epos weitgehend ab. Trotzdem gab es auch im 19. und 20. Jh. Versuche, die Tradition des Epos fortzusetzen, z.B. Döblins "Manas".

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