Zeitgeschichte

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    auch: Neueste Geschichte;

    Bezeichnung für Geschichte der eigenen, unmittelbar vergangenen Zeit und für den Bereich der Geschichtswissenschaft, der sie erforscht. In Deutschland etablierte sich Begriff und Forschungsbereich Zeitgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Begriff wurde von Hans Rothfels als die "Geschichte der Mitlebenden und ihre wissenschaftliche Behandlung" definiert. Als Zweig der Geschichtswissenschaft erforscht die wissenschaftliche Disziplin "Zeitgeschichte" die jüngste Phase der Neuzeit.

    Zeitliche Abgrenzung

    Der Begriff "Zeitgeschichte" bezeichnet auch die untersuchte historische Epoche, deren Beginn in Deutschland mit dem Jahr 1917 (Oktoberrevolution in Russland; Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg) angesetzt wurde. Beide Ereignisse waren für den Aufstieg zweier neuer Weltmächte - der USA und der Sowjetunion - bestimmend und brachten nicht nur das Ende Europas als weltpolitisches Zentrum, sondern auch den Anfang einer ideologischen Blockbildung (West gegen Ost). Angesichts des Übergangs zum 21. Jahrhundert wird in der Fortschung darüber diskutiert, die Epochengrenze anders zu definieren und den Beginn der Zeitgeschichte mit der Mitte des Jahrhunderts (Ende des Zweiten Weltkriegs, Kalter Krieg, Entkolonialisierung) anzusetzen.

    Der Terminus "Zeitgeschichte" hat sich auch in Frankreich als "histoire contemporaine" und in England als "contemporary history" eingebürgert, umfasst jedoch dort andere Zeiträume. Er bezieht seinen Sinn aus den verschiedenen nationalhistorischen Kontexten: In Frankreich gilt die Revolution (1789) als wichtige Epochenzäsur; in England war die Parlamentsreform (1832) der ausschlaggebende Einschnitt.

    Forschungsgegenstand und Methodologie

    Gegenstand der Zeitgeschichte ist die Deutung aller Zusammenhänge und Grundformen der gegenwärtigen Situation. Die deutsche Zeitgeschichtsforschung beschäftigte sich von ihren Anfangsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Siebziger-Jahre hinein hauptsächlich mit der Geschichte des Nationalsozialismus, dessen Vorgeschichte in der Weimarer Republik und seinen unmittelbaren Folgen. Erst dann begann man, sich auch mit der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und des Kalten Krieges auseinander zu setzen.

    Eine wichtige Quelle der zeitgeschichtlichen Forschung sind die Aussagen von Zeitzeugen, weil der Zugang zum Aktenmaterial (aus Gründen der Geheimhaltung) oft nicht möglich ist. Zudem finden manche Vorgänge keinen schriftlichen Niederschlag, was durch die modernen Kommunikationsmittel erheblich gefördert wird. Andererseits sind Zeitzeugen eine umstrittenen Quelle, weil sich ihre Erinnerungen im Laufe der Jahre verändert haben mögen.

    Heute stellt sich für die Zeitgeschichte die Frage, ob die jüngsten Entwicklungen seit Mitte der 80er Jahre mit denselben Erklärungsmustern, die für die vorangegangene Zeit zutreffend waren, gedeutet werden können. In "unserer Zeit" hat sich ein deutlicher Wandel bemerkbar gemacht: die Überlagerung und Ablösung des Ost-West-Konflikts durch die Nord-Süd-Problematik, die ökologischen Krisen, die gleichzeitige Revolution im Bereich der Informationstechnologie, die Massenarbeitslosigkeit, die Migrationsbewegungen und die Erkenntnis von den "Grenzen des Wachstums" (Club of Rome 1972) stellen die Menschheit vor ganz neue Probleme und Perspektiven.

    KALENDERBLATT - 26. Juni

    1945 Die Charta der Vereinten Nationen (UNO) und das Statut für einen Internationalen Gerichtshof wird verkündet.
    1948 Die Luftbrücke nach Westberlin wird eröffnet, um die von den Sowjets eingeschlossene Stadt aus der Luft mit Nahrungsmittel zu versorgen. Sie dauert bis zum 16. April 1949.
    1963 Der amerikanische Präsident John F. Kennedy besucht Berlin und hält seine berühmt gewordene Rede, die er mit dem Satz: "Ich bin ein Berliner!" beendet.



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