Novelle (Literatur)

    Aus WISSEN-digital.de

    (von lateinisch: novus, "neu")

    im 14. Jh. (seit Boccaccio) begründete Form der Prosaliteratur. Die Novelle gehört zu den epischen Gattungen. Der Begriff wurde durch Lessing, Wieland und Goethe in die deutsche Literatur eingeführt.


    Wie bei kaum einer anderen Gattung hat sich die Literaturwissenschaft schwer getan, exakte Gattungskriterien zu ermitteln, die die Novelle charakterisieren. Die bisher verwendeten Kriterien sind äußerst problematisch. Sie sind teilweise von den Schriftstellern der Klassik und Romantik (z.B. Goethe und Tieck) relativ unreflektiert für die wissenschaftliche Gattungsbestimmung übernommen worden.

    Als ein solches Gattungskriterium gilt das so genannte Dingsymbol (auch "Falke" genannt). Als Beleg wird gerne Annette von Droste-Hülshoffs Erzählung "Die Judenbuche" angeführt, in der die Buche die Rolle des Dingsymbols spielen soll.

    Bereits Theodor Storm hat darauf hingewiesen, dass in seinen Novellen das Dingsymbol allenfalls zufällig vorkommt. Auch in vielen anderen Novellen lässt es sich nur schwer nachweisen. Ebenso problematisch ist das Kriterium der "unerhörten Begebenheit" und die Annahme, dass es in jeder Novelle einen zentralen Wendepunkt gibt.

    Die außerordentliche inhaltliche Vielfältigkeit von Texten, die der Gattung Novelle zugeschrieben werden, legt es nahe, auf inhaltliche Kriterien für die Bestimmung der Novelle zu verzichten und vor allem formale Kriterien heranzuziehen. Hier wäre nicht zuletzt die Länge des Textes zu nennen: Novellen sind normalerweise wesentlich weniger umfangreich als Romane und länger als eine Kurzgeschichte.

    Der begrenzte Umfang der Novelle bedingt eine Beschränkung auf einen oder allenfalls wenige Handlungsstränge. Man spricht deshalb auch von der Konzentrierung des Erzählten. Dies hat gewisse Darstellungstechniken zur Folge. In Novellen werden häufig nur szenische Ausschnitte aneinandergefügt, der Zeitraum der erzählten Handlung wird dann nur in Form von einigen zentralen Szenen dargestellt. Grundsätzlich ist aber eine genaue Bestimmung von exakten Gattungskriterien, die Roman, Novelle und Erzählung von einander abgrenzen, eine noch ausstehende Aufgabe der Literaturwissenschaft.

    Die Novelle etablierte sich in der deutschen Literatur im ausgehenden 18. Jh. Besonders die Romantiker Tieck und E.T.A. Hoffmann verfassten bekannte Novellen. Von Goethe liegt mit den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" einer der bedeutendsten Novellenzyklen der deutschen Literatur vor. Die eigentliche Blütezeit der Novelle war der Realismus in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s. Die Novellen Theodor Storms, Gottfried Kellers, Conrad Ferdinand Meyers und Adalbert Stifters sind hier besonders hervorzuheben.

    Im 20. Jh. entstand eine Vielzahl von bedeutenden Novellen. Als Beispiele wären etwa Franz Kafkas "Das Urteil" oder Martin Walsers "Ein fliehendes Pferd" anzuführen.

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