Sozialismus

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    1. Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der die Produktionsmittel aus Privat- in Gemeineigentum überführt werden und die Produktion unter Ausschaltung der freien Konkurrenz und des Profits für den Einzelnen gemeinwirtschaftlich betrieben wird (sozialistische Planwirtschaft).
    2. weltanschauliches System, das diese Ordnung ethisch rechtfertigt und geschichtsphilosophisch, national-ökonomisch usw. begründet. Der Ausdruck Sozialismus tauchte erstmals 1832 in einer französischen Zeitschrift auf. Doch sind im allgemeinen Sprachgebrauch des 19. Jh.s Sozialismus und Kommunismus häufig identisch verwendete Begriffe, erst später setzte sich in der politischen Praxis die Unterscheidung durch (Kommunismus; nach der marxistisch-leninistischen Theorie ist der Sozialismus die Vorstufe zum Kommunismus).
    3. Ideologie der sozialistischen Bewegung. ===Geschichte===

    Sozialistische (kommunistische) Gedankengänge lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen (Platons Idealstaat), sie äußern sich in rein literarischen Utopien, die meist aus dem ethischen Protest gegen die Mängel der bestehenden Gesellschaftsordnung hervorgingen und trotz praktischer Bedeutungslosigkeit noch ins 19. Jh. nachwirkten.

    Berühmte Utopien: 1516 "Utopia" von Thomas Morus, 1620 "Civitas Solis" (Sonnenstaat) von Campanella, 1656 "Oceana" von Harrington, 1753 "Code de la nature" von Morelli, 1840 "Reise nach Ikarien" von Cabet, der bereits die praktische Verwirklichung seiner Ideale versuchte.

    Wissenschaft und Praxis verbanden sich in unterschiedlichem Verhältnis im Wirken der Franzosen Comte, St. Simon, Enfantin, Fourier, Considerant, Proudhon, Blanc u.a. sowie des Engländers Owen; in Deutschland vertrat Fichte sozialistische Ideale (1800 "Der geschlossene Handelsstaat"), nachhaltiger wirkte Rodbertus (um 1850) mit dem Versuch einer Synthese aus preußischem Konservatismus und Sozialismus.

    Der moderne Sozialismus als politische Massenbewegung als Gegenpol zum Kapitalismus übernahm das von Karl Marx und Friedrich Engels geschaffene System, den Marxismus ("wissenschaftlicher Sozialismus"), als ideologische Grundlage. Politisch führend wurde in Deutschland die Sozialdemokratie unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht als die bis in den Ersten Weltkrieg "klassische" Sozialistische Arbeiterpartei (nachdem die Lehren Ferdinand Lassalles als "Staatssozialismus" verworfen wurden).

    Den Internationalen Sozialismus begleiteten als Nebenströmungen der Anarchismus und der Syndikalismus. Einen eigenen Weg ging die britische Labour Party, deren nichtrevolutionärer "Reformismus" von orthodox-marxistischen Sozialisten ebenso scharf abgelehnt wird wie der "Revisionismus" innerhalb des marxistischen Sozialismus. Nach dem Ersten Weltkrieg schieden sich in vielen Ländern die "Mehrheitssozialisten" als Vertreter des "demokratischen Sozialismus" von den Kommunisten.

    In den 1960er Jahren entwickelt sich unter Einfluss des Neomarxismus die so genannte neue Linke, die die Ziele der "alten Linken" (besonders der sozialdemokratischen Parteien) in Frage stellt und um die Entwicklung neuer Strategien im Kampf gegen die "kapitalistische Konsumgesellschaft" bemüht ist. Aus dieser Haltung entsteht in den 1970er und 80er Jahren eine politische Ökologiebewegung, die Lösungen für Umweltprobleme ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. In der Tschechoslowakei mündet die Auseinandersetzung mit Ideologie und Praxis des Marxismus 1968 während des Prager Frühlings in die Forderung nach einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Die Reformbewegung wird von der UdSSR mit Waffengewalt unterdrückt; eine Neuinterpretation der politischen Ideologie findet in der UdSSR im Rahmen des unter Michail Gorbatschow eingeleiteten "Umbaus" (Perestroika) in den 1980er Jahren statt. Ende der 80er Jahre führten der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaftssysteme und die darauf folgenden politischen Umstrukturierungsprozesse in vielen ehemaligen Ostblockländern zu einer Krise des Sozialismus.

    Gegen Ende der 1990er Jahre wurde in der Sozialdemokratie das Modell eines "Dritten Weges" diskutiert, der vor allem den Individualismus und die zunehmende Abneigung gegenüber kollektivistischen Tendenzen stärker berücksichtigt.

    In außereuropäischen Ländern spielte der Sozialismus insbesondere für die postkoloniale Phase eine bedeutende Rolle; in Lateinamerika, Afrika und Asien entstanden revolutionäre Guerillabewegungen, die die Umsetzung sozialistischer Ideen zum Ziel haben; einflussreich sind hier sozialrevolutionäre Theoretiker wie Ernesto "Che" Guevara, F. Fanon und Mao Zedong.



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