Russland (Literatur)

    Aus WISSEN-digital.de

    Die schriftlich fixierte russischen Literatur beginnt um 1000 im Zuge der Christianisierung mit Übersetzungen sakraler Texte ("Ostromir-Evangeliar" um 1050), wie zum Beispiel Schriften der Kirchenväter, Heiligenlegenden, Apokryphen, Pilgerberichte und weltlicher Texte, unter anderem Chroniken ("Nestorchronik") und Epen ("Igorlied"). Im 14. Jh. wurde Moskau das Zentrum literarischen Wirkens, das weiterhin hauptsächlich aus Übersetzungen und Geschichtsschreibung bestand. Der Tatareneinfall brachte eine Stockung und erst die Epoche Iwans IV. wieder einen Aufschwung.

    Mit Peter dem Großen kam auch für die russische Literatur eine neue Zeit. M. Lomonossow schuf eine russische Literatursprache. Begründer des russischen Dramas ist Sumarokow. A. Puschkin leitete die große Zeit der russische Literatur ein, die von Gogol zu einem Höhepunkt gebracht wurde. Lermontow war Lyriker und Begründer des psychologischen Romans.

    Die zweite Hälfte des 19. Jh.s war eine Epoche der Anklage gegen politische und soziale Zustände. Bedeutendster Bühnendichter war A. Ostrowskij. Erste Schöpfer des großen russischen Romans wurden Gontscharow und Turgenjew. Gleichzeitig arbeiteten die großen russischen Dichter Tolstoi und Dostojewskij, Tschechow und Gorki.

    In der russischen Literatur schlossen sich 1912 an den Symbolismus der Akmeismus und der Futurismus (W. Majakowski) an. Der Avantgardismus erstreckte sich nach der Oktoberrevolution und der Errichtung des Sowjetstaates noch bis weit in die 1920er Jahre, musste sich dann aber mehr und mehr politischen Forderungen beugen, die auf eine klassenbewusste proletarische Literatur drangen.

    Nach der Revolution war eine beschränkte Meinungsfreiheit noch gestattet, unter Stalin wurde sie völlig unterbunden. Die Schriftsteller gingen entweder in die Emigration, so Bunin, Nabokov und Solschenizyn, der 1974 ausgebürgert wurde, sie passten sich an, oder sie durften nicht mehr veröffentlichen. 1932 wurden alle literarischen Gruppen aufgelöst, 1934 erklärte der 1. Sowjetische Schriftstellerkongress den sozialistischen Realismus zum alleingültigen künstlerischen Prinzip.

    Liberalisierungen während des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit des "Tauwetters" nach Stalins Tod 1953 gaben individuelleren Leistungen Raum. 1958 jedoch machten die Auseinandersetzungen um die Nobelpreisverleihung an B. Pasternak die Grenzen freier literarischer Tätigkeit deutlich.

    Das Spannungsverhältnis zwischen künstlerischer Freiheit und Forderungen von Staat und Partei blieb bestimmend für die russische Literatur bis zum Zusammenbruch des Sowjetregimes 1990/91, wobei die Welt hauptsächlich die Werke der Emigrierten oder der als "Dissidenten" in der Sowjetunion Verfolgten zur Kenntnis nahm (L. Kopelew). Einen vielversprechenden Einstieg in die Erneuerung der dramatischen russischen Literatur bietet das Werk von A. Schipenko.



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