Positivismus

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    erkenntnistheoretische philosophische Richtung (Hauptvertreter Auguste Comte, 1798-1875), die sich unter Ablehnung metaphysischer, idealistischer Gedankengänge (Ausschluss alles Imaginären) auf das "Positive", das tatsächlich Gegebene, beschränkt, nach dem Vorbild der exakten Wissenschaften.

    Anwendung positivistischer Grundsätze auf die einzelnen Wissenschaften: positivistische Geschichtswissenschaft; Positivismus in der Rechtswissenschaft, der z.B. naturrechtliche Gedankengänge ausschließt; Positivismus in der protestantischen Theologie beschränkt sich auf den durch die Bibel gegebenen Offenbarungsglauben.

    Auguste Comte zufolge müssen die Philosophie und alle Wissenschaften vom "Positiven" ausgehen, und dieses allein Unbezweifelbare liegt in der Wahrnehmung und Erfahrung. Alle metaphysischen Erörterungen sind nicht nur theoretisch unmöglich, sondern auch praktisch nutzlos. Eine Frage, auf die es keine empirisch nachprüfbare Antwort gibt, nennt Comte eine Scheinfrage. Probleme der Metaphysik, wie etwa die Existenz Gottes, sind Scheinprobleme. Mit Comte bricht (ihm zufolge) das positive Zeitalter an. Voraus gingen das theologische und das metaphysische. In der vom Mythos gekennzeichneten theologischen Phase erklärte der Mensch die Erscheinungen der Natur mit Hilfe übernatürlicher Wesen; im metaphysischen Zeitalter versuchten die Philosophen das Geschehen von abstrahierten Ideen und Kräften herzuleiten. In der positiven Endphase begnügt sich der Mensch, durch Beobachtung und Experiment die Erscheinungen beschreibend zu erfassen und konstante Zusammenhänge in Gesetzen zu formulieren.

    Eine wesentliche Weiterentwicklung erfuhr die positivistische Strömung mit dem englischen Mathematiker und Philosophen Bertrand Russell (1872-1970), der die Forderung Comtes, die Philosophie aller spekulativen Fragestellungen zu entkleiden und sie als Wegbereiterin der Naturwissenschaften zu nutzen, in die Tat umsetzte; zusammen mit Alfred N. Whitehead erarbeitete er eine philosophische Grundlegung der Mathematik ("Principia mathematica") und umgekehrt eine mathematische Grundlegung der Philosophie ("Einführung in die mathematische Philosophie").

    Russells Arbeiten wurden zu einer wichtigen Quelle für den Neopositivismus, einer sich nach 1918 formierenden Richtung naturwissenschaftlich orientierter Philosophen, die die Philosophie nur noch als Hilfswissenschaft der Naturwissenschaften gelten lassen wollten; aus Philosophen wurden "Wissenschaftstheoretiker". Die wichtigsten Neopositivisten fanden sich im Wiener Kreis zusammen (Carnap, Schlick, Wittgenstein); sein Anliegen war, zu untersuchen, wie mit den Mitteln formaler Logik auf exakter, erkenntnistheoretischer Grundlage wahre Aussagen über die Wirklichkeit getroffen werden könnten.

    Eine Variante zu diesem Thema bot Karl Popper mit seinem 1935 begründeten kritischen Rationalismus an, der die "wahre Aussage" nicht durch (positiven) Wahrheitsnachweis (Verifikation) begründet, sondern durch Falschheitsnachweis (Falsifikation) aller anderen möglichen Aussagen. Da für die Aufgabenstellung der Wissenschaftstheoretiker die Verständigung über eine gemeinsame Wissenschaftssprache wesentlich war, befasste sich der Wiener Kreis auch intensiv mit Sprachphilosophie.

    Pionierarbeit leistete der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889-1951), der in seinem "Tractatus logico-philosophicus" die bloße Werkzeugfunktion der Sprache betont und ihr eine erkenntnisfördernde Funktion abspricht; logische Ableitungen lässt er nur aus den Tatsachen gelten; Worte führen Wittgenstein zufolge nur immer wieder zu reinen Tautologien (Wiederholungsformeln). Von einigen wurde Wittgensteins Gedanken als das Ende aller Philosophie gedeutet (der "Tractatus" schließt mit dem Satz: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"). Von anderen wird sein Beitrag eher konstruktiv gesehen: Wie Kant das Wissen kritisch hinterfragte, um Raum für den Glauben zu schaffen, wollte Wittgenstein das Scheinwissen aufheben, um Platz für das einzig "wahre", das naturwissenschaftliche Wissen nämlich, zu schaffen.


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