Geschichte: Die Welt heute

    Aus WISSEN-digital.de


    Der Sieg der Freiheit als Ergebnis des Kalten Krieges und die damit verbundene Eindämmung der unmittelbaren Gefahr eines heißen atomaren Weltkrieges erfolgte "fünf vor Zwölf". Die Menschheit braucht dringender als je zuvor ihre ganze Vernunft, um die existenzbedrohenden Probleme zu meistern, die sie sich durch ihren verantwortungslosen Umgang mit ihrer natürlichen Umwelt selbst geschaffen hat.

    Die Weltbevölkerung hat sich innerhalb der letzten 50 Jahre von 2,5 Milliarden auf über sechs Milliarden vergrößert und wird sich in den nächsten 50 Jahren um weitere drei Milliarden vermehren. Weit größere Probleme als die zu erwartenden Armutswanderungen und Fluchtbewegungen werden das Mehr an Nahrung sein, das die Menschheit erzeugen muss, das Mehr an Energie, die sie verbrauchen wird, und das Mehr an Schadstoffen, das sie produzieren wird. Es ist wahrscheinlich schon später als fünf vor Zwölf, um eine globale Politik für den Erhalt des "Ökosystems Erde" zu beginnen, endlich Konzepte zur Eindämmung schleichender oder rapide fortschreitender Katastrophen wie der "Klimawende", der durch den Treibhauseffekt verursachten Erwärmung der Erde, der spätestens seit dem schweren Reaktorunfall im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl evidenten weltweiten GAU (= "größter anzunehmender Unfall")-Gefahren und der raumgreifenden und irreparablen Abholzung der tropischen Regenwälder in Angriff zu nehmen.

    Aufgrund der globalen Zusammenhänge werden sich weder die Industriestaaten noch die Entwicklungsländer aus der Verantwortung für die eine Welt stehlen können, in der Kriege weltweite Auswirkungen haben, Raubbau an den Tropenwäldern das Klima überall verändern wird, Flüchtlingsströme und Rauschgiftkriminalität nicht an Grenzen halt machen. Eine weltweit koordinierte Armutsbekämpfung tut not. Armut wiederum ist eine der entscheidenden Ursachen für die Umweltzerstörung in den armen Ländern des Südens. Armut ist aber auch vielfach die Folge von Umweltschäden, wie etwa der Erosion fruchtbarer Ackerböden. Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für alle und die Bekämpfung der Armut sind untrennbar miteinander verbunden. Armutsbekämpfung ist ein entscheidender Beitrag im Kampf gegen das Rauschgift. Nur wenn den Drogenbauern wirtschaftliche Alternativen in der landwirtschaftlichen Produktion eröffnet werden, werden sie ihre Produktion umstellen.

    "Wir sind reich an Wissen, aber arm an Weisheit, und wir suchen nach dem Schlüssel zum Überleben", schrieb der "Club of Rome", die renommierte Gruppe internationaler Wissenschaftler und Ökonomen, am Ende seines Umweltberichts 1991. Auf eine erste Suche nach diesem Schlüssel machten sich im Juni 1992 in Rio de Janeiro auf der "UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung" Tausende von Diplomaten und Umweltspezialisten aus über 170 Staaten. Das gleiche Interesse leitete die Delegierten auf der Weltklimakonferenz in Kyoto 1997 und beim "Nachhaltigkeits-Gipfel" von Johannesburg 2002.

    Als der Club of Rome 1972 auf "die Grenzen des Wachstums" aufmerksam gemacht hatte, wurde das Problem des Raubbaus der Menschen an der Natur, z.B. für die Energiegewinnung, noch als ein rein mengenmäßiges angesehen; inzwischen hat das "Problem" längst eine "qualitative Dimension" bekommen. Die Wissenschaftler der Weltmeteorologen-Organisation (WMO) und des Umweltprogramms der UNO (UNEP) lassen keinen Zweifel daran, dass die Treibhausgase Kohlendioxid, FCKW, Stickoxide und Methan für die zunehmende Erwärmung der Erde sowie den dramatischen Abbau der Ozonschicht über den Polen verantwortlich sind. Der grundlegende Unterschied zu jedem natürlichen Klimawechsel der Erdgeschichte ist die Geschwindigkeit, mit der er vonstatten geht. Vom Plankton in den Meeren bis zu den Eisbären in der Arktis ist jede Lebensform betroffen.

    Neben den wenigen "Gewinnern" gibt es vor allem große "Verlierer" und einer von ihnen ist die gesamte Menschheit selbst. Absehbare Folgen des Ozonlochs und der Klimawende sind neben der steigenden Krebsgefahr aufgrund des abnehmenden Schutzes vor ultravioletter Strahlung die zunehmende Windenergie, der stetig steigende Meeresspiegel, die Austrocknung weiter Flachlandgebiete unter anderem in Europa, Wirbelstürme, Dürreperioden, der Kollaps aller bisherigen Ökosysteme, die Verseuchung des Meeresplanktons, von dem die Lebewesen mariner Nahrungsketten bis hin zu den Fischen leben. Während in der Stratosphäre die schützende Ozonschicht immer weiter ausdünnt, hat die Anwesenheit des einst als Bakterienkiller geschätzten, dreiatomigen Sauerstoffmoleküls in der Luft besorgniserregende Konzentrationen erreicht. In Bodennähe trägt das reaktionsfreudige Ozon zur Erzeugung des photochemischen Smogs bei sowie zum Pflanzen- und Waldsterben und bedroht zunehmend auch die Gesundheit der Menschen. Der Hauptverantwortliche dieses Ozonproblems sind die Stickoxidemissionen, die vor allem aus dem Straßenverkehr und aus den Kraftwerken stammen.

    Allein zwölf Prozent des jährlich weltweit in die Luft strömenden hochgiftigen Kohlenmonoxids (6 Milliarden Tonnen) werden durch die Brandrodungen im brasilianischen Amazonas-Gebiet hervorgerufen. Der Vernichtungsprozess der tropischen Regenwälder schreitet schneller voran als je zuvor: 17 Millionen Hektar verschwanden allein 1991, eine Fläche fast halb so groß wie das vereinte Deutschland. Appelle an die Erzeugerländer, ihr Holz "nachhaltig" zu nutzen, also etwa durch Wiederaufforstungen für den Erhalt des Regenwaldes zu sorgen, fruchten nichts: In den Tropen steckt nämlich, anders als in gemäßigten Breiten, die ganze Fruchtbarkeit in den Bäumen, während die Böden extrem nährstoffarm sind. Wenn die Bäume fallen, kann sich das System aus dem Boden heraus nicht mehr erholen. Seit den 1950er Jahren wurde bereits die Hälfte des gesamten damaligen Regenwaldbestandes der Erde zerstört. Die Menschheit atmet also gewissermaßen nur noch mit halber Lungenkraft.

    Der Umweltbericht des Club of Rome von 1991 fasste die Situation in Worte, die ihre Gültigkeit keineswegs verloren haben: "Die Zeit läuft ab. Wir leben im Anfangsstadium der ersten globalen Revolution auf einem kleinen Planeten, den zu zerstören wir offenbar wild entschlossen sind ... Der Druck der Tatsachen ist so groß, dass wir uns entweder verändern müssen oder von der Erde verschwinden werden."

    KALENDERBLATT - 31. Januar

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    1956 Der saarländische Landtag fordert die Rückkehr des Saargebietes zur Bundesrepublik Deutschland.
    1959 Die schweizerischen Männer entscheiden in einer Volksabstimmung, dass die Frauen ihres Landes auch weiterhin ohne aktives und passives Wahlrecht bleiben sollen.



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