Wolfgang Harich

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    deutscher Publizist; * 9. Dezember 1923 in Königsberg, † 15. März 1995 in Berlin

    ursprünglich Marxist; in den 1950er Jahren Wandlung zum Radikaldemokraten; bedeutender Zeit-, Gesellschafts- und Literaturkritiker.

    1945 trat der Bürgersohn Harich in Berlin der KPD bei und wurde Theater- und Literaturkritiker der russischen Besatzerzeitung "Tägliche Rundschau". Nach der Promotion über Herder dozierte Harich an der Humboldt-Universität, aber er lehrte den Sozialismus aus den Schriften seiner Erfinder, fern der existierenden Realität. Bald Lektor des Aufbau-Verlags und Chefredakteur der Deutschen Zeitschrift für Philosophie, hielt er sich an Bert Brecht, Ernst Bloch und Georg Lukács. Nach Chruschtschows Anti-Stalin-Rede 1956 rief Harich zur Reform des Sozialismus auf: Sturz Ulbrichts, Auflösung der Stasi, freie Wahlen und eine Allianz der Kommunisten mit der SPD. Dieser Aufruf führte zur Verhaftung Harichs. In der Haft zeigte er sich so kooperativ, dass der DDR-Rundfunk ein Tonband von einer Vernehmung sendete. Er wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. 1964 amnestiert, forschte Harich über Jean Paul, durfte mit einem Dauervisum in Westeuropa für eine Öko-Diktatur werben und kehrte 1981 in die DDR zurück. "Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit" hieß sein letztes Buch, mit dem er sich gegen den Vorwurf der Denunziation wehrte.

    Kalenderblatt - 3. Mai

    1951 Der Europarat nimmt die Bundesrepublik Deutschland als vollwertiges Mitglied auf. Seit dem 15. November 1950 besitzt die Bundesrepublik die assoziierte Mitgliedschaft.
    1971 Erich Honecker löst Walter Ulbricht in seinem Amt als Erster Sekretär der SED ab. Damit beginnt in Ostdeutschland die Ära Honecker, die bis kurz vor dem Mauerfall andauert.
    1993 Björn Engholm, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, tritt von seinem Amt zurück. Er zieht damit die Konsequenz seiner Falschaussage bezüglich der Barschel-Affäre. Engholm wollte in den nächsten Bundestagswahlen als Vertreter der SPD gegen Helmut Kohl um das Kanzleramt konkurrieren. Johannes Rau löst ihn in seinem Amt als SPD-Chef vorläufig ab.