Marxismus

    Aus WISSEN-digital.de

    auch: "Wissenschaftlicher Sozialismus";

    Der Marxismus ist ein geschlossenes System natur- und geschichtsphilosophischer, nationalökonomischer und politisch-soziologischer Theorien.


    Begründet wurde der Marxismus von Karl Marx und Friedrich Engels, die, gestützt auf die dialektische Methode Hegels, die materialistische Philosophie Feuerbachs und die ökonomischen Lehren Ricardos, eine Weltanschauung des dialektischen und historischen Materialismus entwickelten.

    Danach ist die Materie das eigentlich Wirkliche, das Primäre und Ursprüngliche (der "Unterbau"). Das Ideelle ist als "Überbau" von ihr abgeleitet und von ihr abhängig - das ökonomisch-gesellschaftliche "Sein" bestimmt das "Bewusstsein". Natur und Gesellschaft folgen in ihrer Entwicklung einheitlichen Gesetzmäßigkeiten; der geschichtliche Ablauf besteht aus Gegensätzen und Widersprüchen, die einander in Wechselwirkung steigern, bis sie durch einen heftigen (gesellschaftlich) revolutionären Umschlag einen neuen, höheren Endpunkt herbeiführen (Umschlag der Quantität in eine neue Qualität als notwendige Folge dieser "Dialektik").

    Auf dieser erkenntnistheoretischen Grundlage baut die geschichtsphilosophische Deutung und nationalökonomische Theorie des Marxismus auf. Danach bestimmt die ökonomische Produktionsweise (Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse) die historischen Bewusstseinsformen (Religion, Recht usw.).

    Die Ungleichheit, eine Folge der Besitzverhältnisse hinsichtlich der Produktionsmittel, ist seit Auflösung der kommunistischen "Urgesellschaft" die Wurzel des permanenten Klassenkampfes, des eigentlichen Inhalts der Geschichte. Der Kapitalismus gründet sich nach der marxistischen Theorie auf das Privateigentum an gesellschaftlichen Produktionsmitteln, die durch Ausbeutung von Lohnarbeitern (Proletariat) betrieben werden und den Kapitalisten einen "Mehrwert" eintragen. Die kapitalistische Konkurrenz erzwingt laufend technische Fortschritte, die aber zur ständigen Freisetzung von Arbeitskräften und zur Bildung einer "industriellen Reservearmee" führen und auf die Löhne der Beschäftigten drückt (Verelendung).

    Der Gegensatz zwischen Beschränkung der Massenkaufkraft durch Ausbeutung einerseits und konkurrenzbedingter Ausdehnung der Produktion andererseits entlädt sich in periodischen Überproduktionskrisen von steigender Wucht. Dies führt wiederum zur Bildung von Monopolen sowie zur imperialistischen Suche nach immer neuen Absatzmärkten und dadurch auch zur Entfesselung von Rüstungskonjunkturen und Kriegen. Die Macht des Staates spielt bei alledem keine neutrale Rolle, sondern ist vielmehr das Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse.

    Die wachsenden Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise und Politik drängen das internationale Proletariat auf den Weg der Revolution und zur Umwandlung der Gesellschaft in eine klassenlose. Dazu sind notwendig die Eroberung der staatlichen Macht und deren Benutzung zur Niederhaltung der gestürzten Ausbeuter (vorübergehende Diktatur des Proletariats) sowie die Inbesitznahme und Vergesellschaftung der Produktionsmittel und deren planmäßige Lenkung durch die Arbeitenden selbst, womit jedem Aufleben einer neuen Ausbeuterklasse der materielle Boden entzogen ist.

    In einer Mischung von Wissenschaftlichkeit und Chiliasmus wurde der Marxismus zur offiziellen Lehre der meisten sozialistischen Parteien des 19. Jh.s und gleichzeitig für die dem Christentum entfremdeten Arbeitermassen zu einer Art Ersatzreligion. Im Kampf um Bewahrung und werkgetreue Weiterbildung des Marxismus mussten sich in der deutschen Sozialdemokratie um die Jahrhundertwende die orthodoxen Anhänger mit den so genannten "Revisionisten" oder "Reformisten" unter Führung Bernsteins auseinandersetzen.

    Weltgeschichtlich bedeutsam wurde die Übernahme und Weiterentwicklung des Marxismus durch die russische Sozialdemokratie, deren "Mehrheit" (siehe Bolschewiki ) unter Führung Lenins 1917 an die Macht gelangte und den "Marxismus-Leninismus" zur offiziellen Weltanschauung erhob. In der praktischen Politik der westeuropäischen Arbeiterparteien setzte sich der weniger doktrinäre "Reformismus" durch. Siehe auch Sozialismus.


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