Entwicklungshilfe

    Aus WISSEN-digital.de

    Hilfemaßnahmen der entwickelten Welt an die Dritten Welt. Es kann zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Entwicklungshilfe unterschieden werden. Staatliche Entwicklungshilfe wird entweder im Rahmen multinationaler Organisationen (UN, IWF, Weltbank u.a.) oder in bilateraler Entwicklungszusammenarbeit geleistet. Nicht-Regierungsorganisationen (Hilfsorganisationen, Kirchen u.a.) leisten ebenfalls einen zum Teil erheblichen Beitrag zur Entwicklungshilfe.

    Reichweite, Umfang, Art und Ziel von Entwicklungshilfe haben sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stark verändert. Während des Ost-West-Konflikts wurde Entwicklungshilfe zum Teil zur Gewinnung von Bündnispartnern eingesetzt. Im Zuge der Dekolonisierung verwendeten die ehemaligen Kolonialmächte teilweise ihre Zuwendungen, um sich politischen Einfluss in ihren ehemaligen Kolonien zu sichern. Für die Wirtschafts- und Friedensmacht Bundesrepublik Deutschland war Entwicklungshilfe ein geeignetes Mittel, internationalen Einfluss und auch Prestige, vor allem in der Dritten Welt, zu gewinnen. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts sanken die Zuwendungen der Geberstaaten deutlich ab. Entwicklungshilfegelder aus der Sowjetunion und den Staaten des Ostblocks entfielen völlig, die USA, die europäischen Staaten und Japan reduzierten ihre Hilfsleistungen zum Teil erheblich. Entwicklungshilfe hatte ihren Wert im Rahmen der Bündnispolitik verloren. Das von den Vereinten Nationen ausgegebene Ziel, 0,7 % des Bruttosozialprodukts als Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, erreichen nur wenige Länder. Die EU hat sich das Ziel gesteckt, bis 2006 zumindest die Marke von 0,39 % des Bruttosozialprodukts zu erreichen. Spitzenreiter bei der Entwicklungshilfe sind die nordischen Länder sowie die Niederlande; als einzige erfüllen diese vergleichsweise kleineren Staaten das 0,7 %-Ziel. Die größten Volkswirtschaften der Welt, Deutschland (ca. 0,3 %), aber vor allem die USA (ca. 0,12 %) und Japan (ca. 0,23 %), liegen weit abgeschlagen. Vor allem in den 1980er Jahren leisteten ölreiche Staaten wie Saudi-Arabien in erster Linie in islamischen Staaten umfangreiche Entwicklungshilfe. Die offiziellen Zuwendungen waren in den 1990er Jahren aber ebenfalls rückläufig.

    Ursprüngliches Ziel von Entwicklungspolitik in den 1950er und 60er Jahren war die schnelle Industrialisierung und Modernisierung der Staaten der Dritten Welt durch Nachahmung der westlichen Entwicklung. In den späteren 1960er und 70er Jahren war die entwicklungstheoretische Debatte zunehmend von so genannten Dependenztheorien beherrscht. Selbstbewusst geworden, identifizierten vor allem Länder Lateinamerikas das Erbe des Kolonialismus und den ungerechten Welthandel als Grund für Unterentwicklung und forderten stärkere Mitsprache in der multinationalen Entwicklungshilfe (Gründung der UNCTAD). Das Ziel der schnellen Industrialisierung wurde weiterhin verfolgt. In den 1980er und 90er Jahren drängten multilaterale Entwicklungsorganisationen wie der IWF und die Weltbank verstärkt auf Liberalisierung, Privatisierung und Reformen in den Entwicklungsländern; freie Marktwirtschaft wurde als entscheidend für die Überwindung von Unterentwicklung angesehen. Gleichzeitig und in den letzten Jahren zunehmend verschob sich der Fokus der Entwicklungspolitik auf die Bekämpfung von Armut in der Dritten Welt. Nicht mehr Industrialisierung und Modernisierung standen im Vordergrund, sondern die Verbesserung der konkreten Lebensverhältnisse, gerade der Landbevölkerungen, beispielsweise durch verbesserte Trinkwasserversorgung, Alphabetisierungsprogramme und bessere medizinische Betreuung. Gleichzeitig wurden die Zusammenhänge zwischen Entwicklung und Umweltschutz immer deutlicher, wie der "Rio-Gipfel über Umwelt und Entwicklung" 1992 zeigt: Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wurde zentral.

    Im Jahr 2000 wurden auf dem so genannten Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen die Eckpunkte einer globalen Entwicklungspolitik für das 3. Jahrtausend in den so genannten Millenniumszielen festgelegt (Zielsetzung für die Verwirklichung ist, wenn nicht anders angegeben, das Jahr 2015):

    • Halbierung der extremen Armut und des Hungers:

    Halbierung des Anteils der Menschen, deren Einkommen weniger als 1 US-Dollar pro Tag beträgt, und des Anteils der Menschen, die Hunger leiden (verglichen mit 1990).

    • Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung: Ermöglichen einer Primarschulbildung für alle Kinder dieser Welt.
    • Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stellung der Frau:

    Beseitigung des Geschlechtergefälles in der Primar- und Sekundarschulbildung, wenn möglich bis 2005 und auf allen Bildungsebenen bis spätestens 2015.

    • Senkung der Kindersterblichkeit:

    Senkung der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel (verglichen mit 1990).

    • Verbesserung der Gesundheit von Müttern:

    Senkung der Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel (verglichen mit 1990).

    • Bekämpfung bzw. Eindämmung von HIV/Aids, Malaria und anderen schweren Krankheiten.
    • Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit:

    Integration der Grundsätze nachhaltiger Entwicklung in einzelstaatliche Politiken und Programme sowie die Umkehrung des Verlusts von Umweltressourcen; Halbierung des Anteils der Menschen, die keinen Zugang zu hygienischem Trinkwasser haben; Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern bis 2020.

    • Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft:

    unter anderem Weiterentwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nichtdiskriminierenden Handels- und Finanzsystems; Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder; umfassende Bearbeitung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer; Erarbeitung und Umsetzung von Strategien zur Beschaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeit für junge Menschen; Verfügbarkeit von erschwinglichen und unentbehrlichen Arzneimitteln in den Entwicklungsländern durch Zusammenarbeit mit den Pharmaunternehmen; Nutzung der Vorteile neuer Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologien, in den Entwicklungsländern. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich die Milleniumsziele zueigen gemacht. Deutsche Entwicklungshilfe wird über die Gemeinschaft für technische Zusammenarbeit und das Bundesministerium für technische Zusammenarbeit und Entwicklung organisiert. Unterstützung ist an bestimmte Bedingungen wie Einhaltung der Menschenrechte, Beteiligung der Bevölkerung an der politischen Willensbildung, Rechtssicherheit und Marktwirtschaft gebunden.

    Siehe auch Nord-Süd-Konflikt, Entwicklungsländer, UNICEF, UNCTAD, UNIDO.

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