André Paul Guillaume Gide

    Aus WISSEN-digital.de

    französischer Schriftsteller; * 22. November 1869 in Paris, † 19. Februar 1951 in Paris

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    André Gide

    Gide besuchte die École Alsacienne und das Lycée Henri IV in Paris. Er wurde von seiner katholischen Mutter puritanisch streng erzogen. 1891 lernte er Barrès, Mallarmé und Wilde kennen und veröffentlichte seine ersten literarischen Versuche: "Les cahiers d' André Walter" und "Le traité du Narcisse", lyrisch gehaltene Konfessionen.

    Während einer Tunesienreise vollzog sich 1893/94 eine entscheidende Wende in seinem Leben: In der Liebe zu einem Araberjungen sagte er sich von der anerzogenen Moral los und bekannte sich in "Corydon" (1. Ausgabe 1911 anonym, 2. Ausgabe 1924) und "Si le grain ne meurt" (1920/21) offen zur Knabenliebe. In "Les nourritures terrestres" verkündete er die Befreiung des Individuums, die das Leben in allen seinen Formen genießen lasse.

    1908 gründete er (mit Copeau, Ghéon, Schlumberger und Rivière) die "Nouvelle Revue Française" und wuchs allmählich in die Rolle eines Repräsentanten der französischen Literatur hinein. Mit seiner Technik der Selbstanalyse eroberte er dem Roman eine neue Dimension jenseits aller banalen Realität ("Les caves du Vatican", 1914; "La symphonie pastorale", 1919; "Les faux-monnayeurs", 1926).

    Einen neuen Akzent erhielt sein literarisches Schaffen durch die Einbeziehung sozialer und politischer Fragen: Auf einer Reise in den Kongo und den Tschad sah er mit eigenen Augen die ausbeuterische Praxis des Kolonialismus und bezog öffentlich dagegen Stellung ("Voyage au Congo", 1927; "Le retour du Tschad", 1928). Er begann nun, sich für den Kommunismus zu engagieren; nach einem Aufenthalt in der UdSSR wandte er sich jedoch enttäuscht von ihm ab ("Retouches à mon retour de l' U.R.S.S.", 1937).

    Gides Werk, das 1947 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, spiegelt das geistige Leben der ersten Hälfte des 20. Jh. wider; seine Tagebücher und die umfangreichen Briefwechsel sind die unerschöpfliche, von keinem anderen Autor so leidenschaftlich geführte Diskussion der Existenz in dieser Zeit.

    Zitat
    A. Gide: Es ist ein Gesetz im Leben: Wenn sich eine Tür vor uns schließt, so öffnet sich dafür eine andere. Die Tragik jedoch ist, dass man meist nach der geschlossenen Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet.

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