Voltaire

    Aus WISSEN-digital.de

    französischer Schriftsteller und Philosoph; * 21. November 1694 in Paris, † 30. Mai 1778 in Paris

    eigentlich: François-Marie Arouet;

    Hauptsprecher der französischen Aufklärung.

    François Marie Arout Voltaire

    Leben

    Den Namen Voltaire legte sich François-Marie Arouet als Pseudonym zu, als seine ersten Publikationen erschienen. Er führte ein wechselvolles Leben. Geboren wurde er in Paris als Sohn eines wohlhabenden Notars. Von seinem elften Lebensjahr an besuchte er das Jesuiten-Kolleg Louis-le-Grand. Nach Abschluss der Studien fand er Anschluss an so genannte freidenkerische Kreise.

    Eine Satire, die ihm als Autor zugeschrieben wurde, brachte ihn für ein Jahr ins Gefängnis, da in ihr der Regent Philipp von Orléans verspottet worden war. Ein weiterer kurzer Gefängnisaufenthalt war die Folge einer Forderung zu einem Duell im Jahr 1726. Danach hielt sich Voltaire drei Jahre lang in England (dem Mutterland der Aufklärung) auf und schrieb dort seine "Lettres philosophiques", die nach seiner Rückkehr nach Frankreich öffentlich in Paris verbrannt wurden.

    Schließlich erging ein Haftbefehl gegen Voltaire. Er floh und verbarg sich auf dem Schloss Cirey seiner Freundin, der Marquise von Chatelet. Sie war die einzige Frau, zu der er eine feste Beziehung pflegte. 1750, ein Jahr nach ihrem Tod, folgte Voltaire einer Einladung Friedrichs des Großen an den preußischen Hof. Mit dem Kronprinzen Friedrich hatte Voltaire schon seit 1736 in brieflicher Verbindung gestanden. Nun lernten sich die beiden persönlich kennen. Nach Meinungsverschiedenheiten (Friedrich bewunderte den Literaten Voltaire, verachtete jedoch dessen Charakter) forderte Friedrich II. Voltaire jedoch auf, sein Staatsgebiet zu verlassen. Dennoch schrieben sich der König und Voltaire noch bis zum Tod Voltaires Briefe.

    Dieser Bruch zwischen Voltaire und Friedrich erfolgte im Jahr 1753. Voltaire ließ sich darauf nach einem kurzen Aufenthalt im Elsass in Genf nieder, wo er sich vor politischer Verfolgung sicher glaubte. Sehr bald geriet er jedoch in Konflikt mit der calvinistischen Stadtregierung, die vor allem Anstoß an den Theaterstücken nahm, die auf Voltaires Landsitz Les Delices aufgeführt wurden.

    So wählte Voltaire das Schloss Ferney bei Genf als Alterssitz, wo er von 1760 an literarisch - und auch als erfolgreicher Unternehmer - tätig war. Er betrieb eine Seidenmanufaktur und eine Uhrenfabrik. Seit 1754 gehörte er als Mitarbeiter an der "Encyclopédie" zum Kreis der französischen Enzyklopädisten.

    Seit dem Regierungsantritt von Ludwig XVI. hatten sich Freunde bemüht, Voltaire zu einer Rückkehr nach Paris zu bewegen. 1778 reiste der 83-jährige Schriftsteller nach Paris, um bei der Aufführung seiner letzten Tragödie "Irène" dabei zu sein. Er wurde triumphal empfangen und nahezu pausenlos geehrt. Voltaire starb am 30. Mai 1778 im 84. Lebensjahr im Haus des Marquis de Vilette in Paris. In Paris verweigerte man ihm ein kirchliches Begräbnis, so wurde er in Selliers bei Troyes beigesetzt. Erst während der Französischen Revolution wurden seine Gebeine ins Pariser Panthéon übergeführt (1791). Sein Herz wurde in der Bibliothèque Nationale beigesetzt.

    Werk

    Frontispiz einer Abhandlung von Voltaire

    Voltaire wurde - obwohl er als Roman- und Bühnenschriftsteller nur zweitrangig war - dank seines scharfen Verstandes und blendenden, klaren Stils der "repräsentativste Franzose" (Goethe) und der meistbewunderte, einflussreichste Verkünder der Aufklärungsphilosophie, die er von England (besonders Locke) übernahm, radikal zu Ende dachte (Deismus) und in dieser Form dem empfänglichen französischen Publikum vermittelte; dabei verband er sarkastisch-polemische Agitation gegen Glaube und Kirche mit dem Aufruf zu Humanität und Toleranz; politisch nahm er eine bürgerlich-gemäßigte Haltung ein, lehnte die revolutionären Konsequenzen aus dem (naturrechtlichen) Vernunftrecht (Volkssouveränität) ab und forderte nur Reformen und Beseitigung der Auswüchse der absolutistischen Despotie. Voltaire galt als Religionsfeind und hielt vor allem das Christentum für Aberglauben. Gott war für ihn ein für die Gesetzmäßigkeit der Natur verantwortlicher vernünftiger Urheber.

    Der Schriftsteller und Philosoph schrieb Epen, Tragödien, Erzählungen, Märchen und Kurzromane. Außerdem verfasste er belehrende Briefe in Versen, philosophische Traktate und Gedichte ("Poem über das Erdbeben von Lissabon"), Wörterbücher, Geschichtsbücher, Satiren und Texte für Flugblätter und Broschüren. Sein erstes Erzählwerk schrieb Voltaire, als er bereits 53 Jahre alt war. Fast alle Erzählungen sind "Wanderromane". Sein Roman "Candide oder Die beste Welt" steht in der Tradition der Schelmenromane und stellt die Idee der Theodizee in Frage. Zu ihm wurde Voltaire durch das verheerende Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 veranlasst, das im Europa der Aufklärung eine philosophische Debatte auslöste.

    Als Dramatiker schrieb Voltaire etwa fünfzig Stücke, meist Tragödien. Seine Theaterleidenschaft war so groß, dass er sich ein eigenes Theater baute, selbst Regie führte und als Schauspieler auftrat.

    Als Historiker eröffnete er mit dem "Versuch über die Sitten und den Geist der Nationen" einen neuen Abschnitt der Geschichtsschreibung durch Einbeziehen der Kultur- und Geistesgeschichte; der Begriff der Geschichtsphilosophie wurde von ihm geprägt.

    Er hinterließ eine sehr umfangreiche Briefsammlung.

    Zitat
    Datei:Z123 voltaire.mp3



    Film und Fernsehen

    Zehn aus fast 300 Fragen zu Film und Fernsehen warten auf Sie. Also: Füße hoch, Popcorn und los!
    Jetzt quizzen!


    KALENDERBLATT - 21. August

    1818 Jean-Baptiste Bernadotte, der ehemalige Marschall Napoleons, wird als Karl XIV. Johann König von Schweden.
    1891 Die Telegrafenverbindung zwischen Berlin und München wird fertiggestellt.
    1945 Die UdSSR ratifiziert das UNO-Statut.