Zeitung

    Aus WISSEN-digital.de

    ("Zeytung" o.Ä. = "Bericht über ein Zeitereignis, Nachricht, in dieser Bedeutung erstmals kurz vor 1300 nachgewiesen)

    regelmäßig (meist täglich oder wöchentlich) erscheinendes Druckerzeugnis, das besonders über das Tagesgeschehen in Politik, Wirtschaft, Kultur (Feuilleton) und Sport berichtet und Meinungen dazu äußert. Die Zeitung ist ein wichtiges Instrument zur Information, aber auch zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Man unterscheidet nach Periodizität (Tages- oder Wochenzeitung), Tendenz (z.B. Parteiorgan), Inhalt, grafischer Gestaltung, Verbreitung (Lokal- oder überregionale Zeitung) und Vertriebsform (Boulevard- oder Abonnementzeitung). Den eigentlichen Inhalt der Zeitung bestimmt die Redaktion (redaktioneller Teil) durch Auswahl der Nachrichten, die entweder von Mitarbeitern der Zeitung (Reporter, Korrespondenten) selbst geliefert oder von Nachrichtenagenturen bezogen wurden. Kommentare, Glossen und Leitartikel dienen der Meinungsäußerung. Der Anzeigenteil druckt gegen Bezahlung Mitteilungen privater Natur oder geschäftliche Werbung ab. Gedruckt wird in der Regel auf Rotationsmaschinen.

    Geschichte

    Dem Bedürfnis der Menschen nach Neuigkeiten und der Notwendigkeit geregelter Nachrichtenübermittlung entsprechende Vorformen sind in fast allen älteren Kulturen nachweisbar. Berühmt sind die Acta diurna Cäsars. Im Mittelalter erfüllten die "fahrenden Sänger", Scholaren usw. (Vaganten), reisende Kaufleute und Boten die Aufgabe der Zeitung.

    Neben dieser "gesprochenen Zeitung" entwickelte sich seit dem Ausgang des Mittelalters aus dem privaten, amtlichen oder geschäftlichen Brief die "geschriebene Zeitung", die etwa seit dem 16. Jh. auch gewerbsmäßig vervielfältigt und vertrieben wird (1536 geschriebene "Gazetten" in Venedig). Die Einführung des Papiers und die Erfindung des Buchdrucks führten zunächst zur (nicht regelmäßigen) Herausgabe von meist illustrierten "Einblattdrucken", in denen über kriegerische Ereignisse, Wundererscheinungen usw. berichtet wurde (erste Einblattdrucke seit 1482 nachweisbar). Seit dem "Kolumbusbrief" von 1493 gibt es "Entdeckerzeitungen"; 1503 "Newe Zeytung von Orient und auffgange" (ältestes Neuigkeitsblatt mit dem Wort Zeitung im Titel). Seit der Reformationszeit bewährten sich Flugblatt und Flugschrift als Propagandamittel (unter anderem auch von Luther und seinen Gegnern vielmals verwendet). Chronikcharakter tragen die historischen "Relationen", seit 1588 als "Meßrelationen" erstmals regelmäßig (halbjährlich) erschienen (Hauptorte Frankfurt und Köln). Die erste nachweisbar regelmäßig erscheinende "Monatszeitung" war die "Historische Relation" in Augsburg 1597. 1609 erschienen die ältesten bisher bekannten Wochenzeitungen: die "Relation ..." (Straßburg) und der "Aviso" (Braunschweig-Wolfenbüttel). In Frankreich gab der Arzt und Philantrop Renandot 1631 die erste politische Wochenzeitung ("La Gazette") heraus und rief das Anzeigenwesen ins Leben. 1660 erschien die erste Tageszeitung der Welt in Leipzig als "Neu-einlauffende Nachricht von Kriegs- und Welthändeln". 1665 begründete Denis Sallo in Paris den Typ der Gelehrtenzeitschrift ("Journal des Savants"; 1682 in Deutschland nachgeahmt von dem Leipziger Professor Mencke: "Acta eruditorum", 1688 erste wissenschaftliche Zeitschrift in deutscher Sprache von Thomasius). In der Herausgabe von Nachrichtenblättern konkurrierten (um die Erlangung des entsprechenden Privilegs) Buchdrucker und Postmeister (Name vieler Zeitungen daher heute noch "Post"). Neben die (streng zensierten) "Gazetten", "Couriere" o.Ä. traten im 18. Jh. die "Intelligenzblätter" (die wirtschaftspolitische Anordnungen des absolutistischen Merkantilismus, Marktpreise, Kaufgesuche usw. dem Publikum zur "Intelligenz", d.h. zur Kenntnis gaben, daneben belehrende Artikel brachten und deren Abonnement den Gastwirten, Juden als Handelsleuten und anderen Gruppen zwangsweise auferlegt wurde). Daneben übten die "Moralischen Wochenschriften" (nach englischem Vorbild 1713 "Der Vernünftler" in Hamburg) nachhaltigen Einfluss auf Erziehung und Bildung des aufstrebenden Bürgertums aus.

    Für die Entstehung der modernen Massenpresse im 19. Jh. mussten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: Beseitigung der Zensur, d.h. Einführung der Pressefreiheit, die Anteilnahme breiter Schichten am politischen Geschehen (seit der Französischen Revolution im Rahmen der liberalen und demokratischen Bewegung), technische Fortschritte im Druckwesen (Schnellpresse, Maternstereotypie, Rotationsmaschine, Setzmaschine, Bildvervielfältigungsverfahren), der Ausbau des Verkehrs- und Nachrichtenwesens (Eisenbahn; Telegrafie als Grundlage der großen Nachrichtenbüros wie Reuter, Havas, Wolff), Verbilligung der Papierfabrikation (Holzschliff) u.a. Bahnbrechend für die Massenpresse wirkten in Frankreich Girardin ("La Presse" 1836), in den USA Gordon Bennett ("New York Herald" 1835), in England mit besonderem Erfolg Harmsworth (Lord Northcliffe), der Schöpfer der Popularpresse mit Riesenauflage (1896 "Daily Mail"). In Deutschland herrschte seit 1848 die politische Meinungspresse vor (liberale "Nationalzeitung", "Vossische Zeitung", konservative "Kreuzzeitung" usw.). 1883 schuf August Scherl den Generalanzeigertyp mit bis dahin unbekannter Auflagenhöhe ("Berliner Lokalanzeiger"), doch blieben auch die größten deutschen Zeitungen hinter den Millionenauflagen der angloamerikanischen Presse weit zurück, da sich in Deutschland eine Unzahl von Provinzzeitungen als lebensfähig erwies, auch wurde das deutsche Zeitungswesen im 20. Jh. nicht im gleichen Maß "vertrustet" wie das englische und amerikanische (Beaverbrook, Rothermere; Hearst u.a.), obwohl besonders Hugenberg in den 1920er Jahren über einen gewaltigen Zeitungskonzern verfügte.

    1933 "Gleichschaltung" der deutschen Zeitungen im Sinne des Dritten Reichs; die Zeitungen wurden aus Nachrichtenblättern und kritischen Organen der öffentlichen Meinung zu dirigierten Propagandaorganen der Nationalsozialisten; Zeitungs-Zusammenlegungen und Zeitungsverbote (Rückgang von 4 647 Zeitungen im Jahr 1933 auf 1 246 Zeitungen im Jahr 1942).

    Nach Ende des Zweiten Weltkrieges Lizenzzeitungen der alliierten Besatzungsmächte, aus denen seit 1949 in der Bundesrepublik Deutschland die lizenzfreie, meist nicht unmittelbar parteigebundene Massenpresse der Gegenwart entstand.

    KALENDERBLATT - 5. Oktober

    1582 Einführung des Gregorianischen Kalenders.
    1762 Uraufführung der deutschen Oper "Orpheus und Euridice" von Christoph Willibald Gluck in Wien.
    1789 Der Zug der Marktfrauen nach Versailles zwingt den französischen König zum Umzug in die Hauptstadt.



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