Jean Genet

    Aus WISSEN-digital.de

    französischer Schriftsteller; * 19. Dezember 1910 in Paris, † 15. April 1986 in Paris

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    Genet, Jean

    Kurzbiografie

    Der Sohn einer Prostituierten wuchs bei Pflegeeltern auf. Mit zehn Jahren kam er in eine Erziehungsanstalt. 1926 brach er aus und floh zur Fremdenlegion, wo er nach wenigen Tagen desertierte. In den nächsten Jahren zog er durch Europa. Seinen Lebensunterhalt bestritt er durch Diebstähle, Schmugglerei und Zuhälterei, wofür er immer wieder ins Gefängnis kam. 1942 wurde er in Paris Buchhändler. Er las besonders Céline, Faulkner, Proust, deren Einfluss sich später zeigen sollte. Wieder im Gefängnis, wurde er auf Grund einer von Sartre und Cocteau verfassten Petition entlassen. Er lebte danach in Frankreich, Italien und den USA. Bei der "Belagerung von Chicago" (Parteikongress 1968) wirkte er mit und er solidarisierte sich mit den Black Panthers.

    Künstlerische Bedeutung

    Der Einfluss Sartres und des Existenzialismus auf Genets Werk und seine "Ästhetik des Bösen" ist unverkennbar. In Deutschland wurde er vor allem durch seine Theaterstücke bekannt, insbesondere durch die Einakter "Les bonnes" und "Le balcon". In beiden Stücken geht es um das Experiment eines Rollenspiels. In "Les bonnes" proben zwei Dienerinnen den Mord an ihrer Herrin. Wechselseitig verkleiden sie sich als Herrin und leben so den Hass und die Abhängigkeit, die sie aneinander ketten, in der Fantasie aus. "Le balcon" spielt im Bordell ("Der große Balkon") einer Stadt, in der das Volk zur Revolution drängt; hier können die Besucher sein, was sie sich erträumen: Richter, Bischof, Christus. "Les negres" hat Genet ausdrücklich für schwarze Schauspieler und weiße Zuschauer geschrieben. Vor einem weißen Hofstaat vollzieht eine Gruppe von Schwarzen ein Opferritual, das die Darstellung eines Mordes zum Thema hat. In "Les paravents", Genets umfangreichstem (Spieldauer sechs bis acht Stunden) und vielschichtigstem Stück (Simultanhandlungen wie in den Romanen), in dem er die Geschichte eines arabischen Jungen schildert, steigert Genet die so oft von ihm beschworene Geschichte des Besitzlosen, Diebs, Geächteten und Verräters zum Mythos.

    Weitere Werke: "Das Totenfest" (Roman), "Tagebuch eines Diebes" (Autobiografie), "Der zum Tode Verurteilte" (Lyrik) u.a.

    Zitat
    J. Genet: Wenn Gott alles segnen würde, worum man ihn bittet, würde er sich, juristisch gesehen, der Beihilfe schuldig machen.

    KALENDERBLATT - 20. Juli

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