Thor Heyerdahl

    Aus WISSEN-digital.de

    norwegischer Ethnologe und Forscher; * 16. Oktober 1914 in Larvik, † 18. April 2002 in Alassio (Italien)

    Thor Heyerdahl unternahm 1947 auf seinem Floß "Kon-Tiki" eine Expedition von Peru nach Tahiti und 1970 auf dem Papyrusboot "Ra" eine Fahrt über den Atlantik.

    Mit der Fahrt der "Kon-Tiki" konnte Heyerdahl nachweisen, dass ein Kulturaustausch zwischen Südamerika und Polynesien und ebenso eine Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich waren. Die gängige Lehrmeinung war, dass Polynesien ausschließlich aus dem ostasiatisch-malaiischen Raum heraus besiedelt worden sein konnte. Heyerdahls Theorie wurde durch bestimmte Indizien unterstützt. Zumindest die Südamerika am nächsten liegenden Inseln der Südsee wie die Osterinsel oder die Tuamotu-Gruppe wiesen überzeugende Merkmale einer Kulturverwandtschaft mit der Vor-Inka-Zeit Perus auf.

    Übereinstimmende Legenden der Inkas und der Polynesier erzählten von einem Sonnenkönig Kon-Tiki, der mit seinem hellhäutigen, bärtigen Volk um 500 n.Chr. aus Peru verschwunden und einige Zeit später auf den polynesischen Inseln - 8 000 Kilometer im Westen - erschienen war. Dass die Polynesier sonst nur in Südamerika vorkommende Kulturpflanzen wie Cola, Süßkartoffel und Flaschenkürbis kannten, bestärkte den Glauben Heyerdahls an einen wahren Kern dieser Legenden. Durch die Fahrt der "Kon-Tiki", die nach Berichten über die alten Indianerflöße gebaut wurde, bewies Heyerdahl, dass es für die alten Indianerkulturen Südamerikas, die keine Schiffe kannten, auch mit Flößen möglich gewesen war, Polynesien zu erreichen.

    Nach Expeditionen in die Südsee, von denen vor allem die zur Osterinsel und nach Papaiti Heyerdahls Thesen weiter untermauerten, entschloss er sich, von ihm vermutete Zusammenhänge zwischen der altägyptischen Kultur und den indianischen Kulturen Mittelamerikas auf ähnliche Weise zu beweisen. Er baute ein ägyptisches Papyrusboot originalgetreu nach und versuchte damit die Atlantiküberquerung. Mit dem ersten Boot, der "Ra I", gelang die Überquerung nicht, weil es falsch beladen war. Mit der zweiten Fahrt - auf einem neuen Papyrusboot, der "Ra II" - gelang Heyerdahl der Nachweis, dass die Ägypter Südamerika hätten erreichen können: Die "Ra II" gelangte 1970 nach Barbados.

    Mit der Feststellung einer Möglichkeit ist sicherlich noch nichts ausgesagt über die Wahrscheinlichkeit eines frühgeschichtlichen Kulturaustausches zwischen den Kontinenten oder gar der Beweis dafür erbracht. Aber eines haben die geglückten Expeditionen Thor Heyerdahls bewiesen: dass sehr wohl möglich gewesen sein kann, was die Wissenschaft bislang für unmöglich hielt.

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