Bürger

    Aus WISSEN-digital.de

    Ursprünglich Burgverteidiger, später der Bewohner einer befestigten Anlage (Burg).

    Geschichte

    Seit dem 10./11. Jh. entwickelte sich das Bürgertum als neuer Stand zwischen Adel und Geistlichkeit mit dem Ziel der kommunalen Selbstverwaltung. Die Entwicklung dieses seit dem späten Mittelalter wirtschaftlich wie kulturell eindeutig führenden Standes war eng mit der des Städtewesens verknüpft und ist ein besonderes Zeichen der abendländischen Sozialentwicklung (im Gegensatz zur orientalischen).

    Inhaber des vollen städtischen Bürgerrechts und Träger der städtischen Selbstverwaltung waren zunächst die Patriziergeschlechter; im späten Mittelalter erkämpften sich auch die zünftigen Handwerker und Kleinkaufleute die Ratsfähigkeit; nichtzünftige Handwerker, Gesellen und Dienstleute, Juden und Geistlichkeit besaßen kein Bürgerrecht.

    Für die örtlich verschiedene Abstufung der Bürgerrechte war in der Regel Grundbesitz oder die Führung eines eigenen Haushalts maßgebend. Als ausschlaggebend erwies sich die überlegene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Bürgertums insgesamt gegenüber den privilegierten Ständen. Seit Beginn des 18. Jh. kämpfte das Bürgertum um die politische Gleichberechtigung, in der Französischen Revolution von 1789 erlangte es als so genannter "Dritter Stand" dann einen vollständigen Sieg, während es in der Revolution von 1848 in Deutschland nur zu Teilerfolgen kam; dort blieb das Bürgertum weiterhin Träger des politischen Liberalismus.

    Staatspolitisch erweiterte sich der Begriff des Bürgers zum Staatsbürger (einschließlich der ländlichen Bevölkerung) mit verfassungsmäßig garantierten gleichen Rechten, ihm entsprach in Frankreich der citoyen.

    Im 19. Jh. wurde das in einem spezifischen Sinne jetzt als Bourgeoisie bezeichnete Bürgertum innerhalb der Klassengesellschaft, die es an Stelle der alten Ständeordnung geschaffen hatte, aus seiner Angriffsstellung allmählich in die Verteidigung gedrängt.



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