Theaterbau

    Aus WISSEN-digital.de

    Fanden die ersten Aufführungen des griechischen antiken Theaters noch auf der Agora, dem Versammlungsort der Polis in Athen statt, so wurden sie bereits seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. in das Athener Dionysos-Theater verlegt.

    Südlich der Akropolis gelegen, bestand das Theater aus drei Teilen: dem halbrunden Zuschauerraum mit ansteigenden Sitzreihen, der Orchestra, einem kreisrunden Tanzplatz, und der Skene, dem Bühnenbau, auf dem der gemalte Hintergrund (Skenografie) platziert wurde. Mitte des 2. Jahrhunderts wurde die Bühne erhöht, und mit der Loslösung vom Dionysos-Kult verlor der Chor an Bedeutung.

    Die römischen Theater sind den griechischen ähnlich, doch ist bei ihnen die Orchestra zum Halbkreis reduziert, wenngleich sie Mittelpunkt des Bauwerks ist. Griechische wie römische Theater waren aus Holz gebaut, erst 55 v.Chr. errichtete Pompeius in Rom das erste Theater aus Stein. Als rein römische Form gilt das Amphitheater (Pompeji, Kolosseum in Rom; beide um 80 v.Chr.).

    Im Theater des Mittelalters dominierte das geistliche Spiel (Osterspiel, später Passionsspiel). Der Architektur jener Zeit war der Theaterraum mit fester baulicher Gestaltung fremd. Öffentliche Plätze dienten den Aufführungen als Bühne.

    Erst in der italienischen Renaissance wurde der feste Theaterraum wieder aufgenommen, wobei Theatersäle in erster Linie in Palästen eingerichtet wurden. Schlossbau und beginnende Barockoper des 17. Jahrhunderts läuteten dann die große Zeit des Theaters ein, die allerdings noch wesentlich Sache der Fürsten war. 1673 wurden erste Logen im Zuschauerraum eingebaut, der erheblich vertieft wurde und sich aus Rechteck und Halbkreis zusammensetzte.

    Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein war der italienische Theaterbau prägend für ganz Europa. Die Epoche des Klassizismus brachte entscheidende Veränderungen im Zuschauerraum. Das Bürgertum, das sich im fürstlichen Barocktheater mit bescheidenen Plätzen begnügen musste, hielt jetzt Einzug im Theater. Um möglichst vielen Menschen optisch und akustisch gleichwertige Plätze zu schaffen, bediente sich die Architektur wieder des Runds des antiken Theaters. Zudem wurden Zuschauerraum und Bühne deutlicher voneinander getrennt.

    In Deutschland griffen zuerst Friedrich Gilly und dann Friedrich Schinkel im klassizistisch geprägten Berliner Schauspielhaus (1818 bis 1821) die französischen Ideen auf. Dem Hoftheater widmete sich Gottfried Semper in Dresden (1838 bis 1841, verändert 1871 bis 1878 von H. Semper), in derselben Tradition stand der Entwurf für das Hofburgtheater in Wien (1875/76). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten die Bürgertheater als Stadttheater, besonders das Deutsche Theater Berlin, das Neue Theater (Opernhaus) Leipzig, die Grand Opéra von Paris und in besonderem Maße die Frankfurter Oper.

    Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Theaterbau dann entscheidende neue Impulse, besonders in Köln, Mannheim und Leipzig. Ein heutiges Theatergebäude weist traditionell drei Bereiche auf: den Bühnenraum, das Zuschauerhaus und den Werkstätten-, Magazin- und Verwaltungsbereich.

    Seitdem viele Bühnen eine ausgereifte Obermaschinerie aufweisen (Ende des 19. Jahrhunderts), sind die meisten Theater am emporragenden Bühnenturm zu erkennen. Viele der modernen Theaterbauten sind von Sichtbeton und Schalenbauweise dominiert (z.B. die Oper in Sydney).



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