Merkantilismus
Aus WISSEN-digital.de
(lateinisch: mercari, "Handel treiben")
Dieser Begriff wurde von Adam Smith geprägt zur Kennzeichnung des von ihm bekämpften Wirtschaftssystems des 16. bis 18. Jh.s, in dessen Mittelpunkt der Handel als alleinige Quelle von Reichtum und Wohlfahrt stand. In Deutschland wurde der Merkantilismus von den Kameralisten vertreten und von Friedrich List als "Industriesystem" bezeichnet.
Der Merkantilismus war die Reglementswirtschaft des sich seit dem 16. Jh. konsolidierenden modernen Territorialstaates mit zentralisierter Verwaltung, Berufsbeamtentum und stehendem Heer. Die damit verbundene Steigerung des Geldbedarfs (Ausgaben für Sold, Bewaffnung, Uniformierung, Festungsbau usw.) verstärkte sich durch die Luxusansprüche an den Höfen der absolutistischen Fürsten (im 17. Jh. entstanden fast überall in Europa "Klein-Versailles-Bauten"). Daneben traten die Ideale des "Wohlfahrtsstaates" auf, also die Sicherung der "Nahrung" für alle Untertanen von Staats wegen. Der Merkantilismus knüpfte daher zwar an die Wirtschaftsreglementierung der städtischen Obrigkeiten im Mittelalter an, erweiterte sie aber nicht nur räumlich, sondern wandte sich auch der bisher sich selbst überlassenen Landwirtschaft zu.
Zu den auf Geldbeschaffung zielenden Maßnahmen gehörten der Ausbau des Steuer- und Zollsystems, die Steigerung der Edelmetallförderung, die Notenbankgründung von John Lawd sowie zweifelhafte Experimente mit abenteuerlichen "Goldmachern" (Alchemisten). Im gleichen Sinne bemühte man sich um eine aktiveHandelsbilanz durch Drosselung der Importe (besonders von Luxuswaren) und Erhöhung der Exporte (besonders von veredelten Fertigwaren).
Steueraufkommen wie der Exporthandel konnten nur bei gleichzeitiger Stärkung der produktiven Kräfte in der Gesamtwirtschaft wachsen; auf dieser Linie lagen die Gründung von Manufakturen, die Beschaffung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte, die Erziehung zur Arbeitsamkeit und besonders eine aktive "Peuplierungs-", d.h. Bevölkerungspolitik (Kinderprämien, Aufnahme von Emigranten wie etwa der Hugenotten in Brandenburg und die Berufung von Siedlern, die eine "zweite Ostkolonisation" zur Folge hatte).
Die Ausprägung des Merkantilismus war in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich. Als berümtester Vertreter des Merkantilismus gilt Colbert (Colbertismus), praktisch waren jedoch alle bedeutenden Herrscher des 17. und 18. Jh.s Merkantilisten (Cromwell, Peter der Große, Friedrich der Große, Maria Theresia).
In der zweiten Hälfte des 18. Jh.s wurde der Merkantilismus vom physiokratischen System und radikal vom Wirtschaftsliberalismus verdrängt, der seinerseits in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s dem so genannten "Neo-Merkantilismus" (Etatismus) weichen musste (Hochschutzzollgesetzgebung, Subventionierung der Exportindustrie).
Magazin - Neue Artikel
Themen
Ludwig XIV.
Ein typischer Vetreter des höfischen Absolutimus ist der französische König Ludwig XIV. .
Schädel
Beim Aufbau des Schädels unterscheidet man zwischen Gesichts- und Gehirnschädel.
Igel
Im Oktober ist es wieder soweit: Der Igel hält seinen Winterschlaf bis zum Frühlingsmonat April.
Libyen
Der nordafrikanische Staat Libyen gilt als höchstentwickelter Staat Afrikas.
Kalenderblatt vom 26. Mai
| 1521 | Kaiser Karl V. erlässt gegen Martin Luther das Wormser Edikt. |
| 1938 | Hitler legt den Grundstein zum Bau des ersten Volkswagenwerks. |
| 1952 | Die Außenminister Dean Acheson (USA), Antony Eden (Großbritannien), Robert Schumann (Frankreich) und Konrad Adenauer (Bundesrepublik Deutschland) unterzeichnen den "Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den drei Westmächten", den Generalvertrag. Durch diesen wird das Besatzungsstatut aufgehoben. Die Bundesrepublik soll "gleichberechtigt in die europäische Gemeinschaft eingegliedert" werden. |
Neue und aktualisierte Artikel
Südsudan - Arabischer Frühling - Fabel - Eulen - Winston Churchill - Johannes Paul II. - Blaumeise - Beutelmeise - Volkszählung - Triathlon - Fidel Castro




