Geschichte: Der Mauerbau

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    Im Frühjahr 1948 hatten die Kommunisten in der Tschechoslowakei nach Eroberung aller Schlüsselpositionen die Demokratie abgeschafft und dem Land eine Verfassung als "Volksrepublik" gegeben. Neben dem langjährigen Bürgerkrieg um die Macht in Griechenland und der Berliner Blockade wirkte besonders dieser Umsturz in Prag auf den Westen wie ein drohendes Signal.

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    So entstand die NATO, die Nordatlantische Verteidigungsallianz mit politischem Sitz in Brüssel und oberster militärischer Führung durch die Vereinigten Staaten. Zwölf Länder, später auf 15 vermehrt, schlossen sich im April 1949 mit der Absicht zusammen, Bedrohungen ihrer Territorien gemeinschaftlich zu begegnen. (Durch den Beitritt mehrerer ehemaliger Ostblockstaaten ist die Zahl der NATO-Mitglieder inzwischen auf 19 angewachsen.)

    Am nachhaltigsten wirkte der "Korea-Schock" von 1950, um die Verteidigungsgemeinschaft zu formieren. Im Juni 1950 griffen überlegene nordkoreanische Militärverbände den Süden der - ebenso wie Deutschland zweigeteilten - Halbinsel an. Die südliche Region war dem Zugriff relativ schutzlos preisgegeben, nachdem die amerikanischen Besatzungstruppen abgezogen waren. Nordkorea als kommunistisches Land war mit der angrenzenden Sowjetunion verbündet, Stalin als Initiator der Aggression hinter dem Gewaltakt klar erkennbar.

    Den Amerikanern gelang es, einen Beschluss der seit 1945 bestehenden Organisation der Vereinten Nationen (UNO) in New York zur Ächtung dieses Überfalls herbeizuführen. Nachdem US-Truppen eingegriffen hatten, folgten mit der Zeit Kontingente fünfzehn weiterer Staaten. Doch trug Amerika die Hauptlast des Krieges.

    Zuerst war die feindliche Übermacht erdrückend, dann organisierte sich die Gegenwehr: Südkorea wurde befreit, der Norden erobert. Dort griffen 200 000 chinesische "Freiwillige" in den Kampf ein und warfen die westlichen Verbände abermals zurück. Schließlich stabilisierte sich die Front, nachdem das Land völlig verwüstet war, am 38. Breitengrad - der als Grenze zwischen Nord- und Südkorea festgelegt wurde. Die Verhandlungen um einen Waffenstillstand dauerten von 1951 bis 1953. Seitdem leben beide Teile Koreas in einem nach wie vor friedlosen Status quo unter Sicherung der Demarkationslinie durch UN-Soldaten.

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    Die Politik der Entmilitarisierung Deutschlands (in Potsdam verbrieft) endete unter dem Eindruck des Koreakrieges. Die öffentliche Meinung im Westen schwenkte bereits fünf Jahre nach dem schrecklichsten aller Kriege um und forderte einen deutschen Verteidigungsbeitrag. Jetzt aber sagten ausgerechnet die Deutschen nein, die man als militaristisch verdammt hatte. Es bedurfte langjähriger innenpolitischer Auseinandersetzungen, ehe eine westdeutsche Bereitschaft, sich an der Verteidigung des Westens zu beteiligen, auf breiterer Ebene erkennbar wurde. Viele fürchteten mit Recht, die Wiedervereinigung werde dadurch noch schwieriger werden.

    Durch die "Pariser Verträge" wurde die Bundesrepublik schließlich im Mai 1955 in die NATO aufgenommen; sie erlangte gleichzeitig ihre staatliche Souveränität. Jetzt gründeten auch die Sowjets eine Parallelorganisation zur NATO, den Warschauer Pakt. Die DDR trat der Militärallianz der acht Staaten zwangsläufig bei, wodurch das geteilte Deutschland nun auch militärisch in beiden Lagern stand.

    Zu diesem Zeitpunkt, zwei Jahre nach Stalins Tod, mit dem Beginn der "Entstalinisierung" unter Chruschtschow, war der Höhepunkt dessen erreicht, was man die Spaltung der Welt nennen kann. Zwei Machtblöcke standen einander waffenklirrend gegenüber, jede der beiden Führungsmächte verfügte über eine weltweite Anhängerschaft. Besonders der Ostblock erschien auf dem Atlas als monolithisches Riesengebilde, das von Berlin bis Peking reichte, denn die beiden kommunistischen Hauptmächte lebten noch in Eintracht.

    Das geteilte Europa fand sich in West und Ost außer in militärischen Allianzen auch wirtschaftlich zusammen. Im Westen entstand 1952 die Montanunion und 1957 die Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft (EWG, später: EG); das östliche Gegenstück dazu war der "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" (COMECON).

    Die weiteren Schritte zur Teilung des Kontinents wirkten als Vervollständigung dessen, was in den späten 1940er und 1950er Jahren angelegt worden war. Als spektakulärstes Ereignis verzeichnete die Nachkriegschronik den Mauerbau in Ost-Berlin am 13. August 1961. Darin erkannten Chruschtschow und Ulbricht das einzige Mittel, den Flüchtlingsstrom aus der DDR über West-Berlin in die Bundesrepublik zu stoppen. Seit Gründung der DDR hatten drei Millionen Menschen das Land verlassen, 150 000 allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 1961. Die Mauer quer durch Berlin - unterstützt durch die Minenfelder und Metallgitterzäune an der innerdeutschen Grenze - erwies sich als wirksam im Sinne ihrer Erbauer, aber es war die zweite eklatante Niederlage des Kommunismus auf deutschem Boden nach dem Volksaufstand von 1953.



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