Geschichte: Das Viermächte-Abkommen

    Aus WISSEN-digital.de


    Die 1960er Jahre begannen mit einem sowjetischen Triumph, dem ersten bemannten Raumflug (Juri Gagarin, April 1961), und endeten mit einer Weltsensation made in USA, der Landung auf dem Mond (Neil Armstrong, Juli 1969). Mit ihrem Wettlauf im All hatte die Rivalität der beiden Supermächte ihren sinnfälligsten Ausdruck gefunden, doch reifte in jenem Jahrzehnt die Einsicht in Moskau und Washington, dass man sich auf Erden arrangieren müsse, weil es wegen der wechselseitigen Fähigkeit zur totalen Vernichtung keine Alternative zur Koexistenz gab.

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    Ungeachtet der Empörung über den Mauerbau (dem der Westen bei allem Protest hilflos zusah) und trotz der weltbedrohlichen Kubakrise von 1962 (als Präsident John F. Kennedy wegen der sowjetischen Raketen im unmittelbaren Vorfeld der USA den Konflikt mit der Sowjetunion in Kauf nahm und Chruschtschow zum Nachgeben zwang) zeigten sich schon seit den letzten Amtsjahren des Präsidenten Eisenhower (1953-1961), dann verstärkt unter Kennedy seit 1961 Bestrebungen der Supermächte, zu einer globalen Entspannung zu gelangen und das Wettrüsten einzuschränken. Vor allem ging es um die Einstellung der Atombombenversuche, nachdem die Sowjets schon 1953 mit ihrer ersten Wasserstoffbombe das "atomare Patt" erreicht hatten.

    Das Moskauer Versuchsstop-Abkommen von 1963 war der Wendepunkt. Von hier an kam eine langsame Annäherung in Gang, die auch durch den Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Moskau-Schützling Nordvietnam nicht ernsthaft gestört wurde.

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    Die Politik der Sowjetunion, seit dem Sturz Chruschtschows 1964 von Leonid Breschnew geleitet, hatte eine oberste Priorität: den Erhalt des Imperiums bei rüstungstechnischem Schritthalten mit den USA. Hoffnungen auf eine Weltrevolution hegte vielleicht noch ein Revolutionsromantiker wie Kubas Fidel Castro (der sich nach dem Zusammenbruch der östlichen Supermacht noch in den 1990er Jahren als letzter aufrechter Streiter für den Kommunismus präsentieren sollte), im Obersten Sowjet jedenfalls regierte Realismus: An eine Aggression gegen die westliche Hemisphäre dachte man nicht, die Herrschaft über die halbe Welt sollte genügen. Absatzbewegungen im eigenen Lager wurden allerdings wie schon zuvor mit der Zerschlagung des ungarischen Aufstands 1956 energisch unterbunden: Im August 1968 walzten sowjetische Panzer die ersten Setzlinge nieder, die der "Prager Frühling" mit dem Experiment eines "demokratischen Sozialismus" zur kurzen Blüte gebracht hatte.

    Auch in den 1970er Jahren verfolgte die Sowjetunion ein weitreichendes Entspannungskonzept mit den USA und Westeuropa, in dem Glauben, dadurch ihre Macht langfristig stabilisieren zu können. Es folgte eine Phase außenpolitischer Vertragsabschlüsse; darunter waren die bilateralen Abrüstungsverhandlungen zwischen der UdSSR und den USA über die Begrenzung der strategischen Rüstung in Genf (SALT), die in Helsinki anberaumten KSZE-Konferenzen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und die 1972 aufgenommenen Vorgespräche über eine ausgewogene Truppenreduzierung in Europa (MBFR) besonders zukunftweisend.

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    Im Windschatten der Entspannungspolitik zwischen den Supermächten vollzog sich die Annäherung zwischen der Bundesrepublik und den Ostblockstaaten, insbesondere mit denen, die unter Hitlers Herrschaft am schwersten gelitten hatten. Der Moskauer Vertrag und der Warschauer Vertrag von 1970 sowie der Grundvertrag mit der DDR von 1972, schließlich ein Vertrag mit der Tschechoslowakei 1973 beinhalteten Gewaltverzicht und territoriale Integrität, also de facto die Anerkennung der durch den Zweiten Weltkrieg geschaffenen Grenzen. Die Verständigungspolitik gegenüber dem Osten unter der Regierung Brandt/ Scheel (SPD/ FDP, 1969-1974) "holte nach", was im Westen vor allem mit der von Adenauer und De Gaulle ins Werk gesetzten Versöhnung Deutschlands und Frankreichs nach jahrhundertelanger Erbfeindschaft vorausgegangen war (wozu auch das Wiedergutmachungs-Abkommen mit Israel von 1952 gehört). Zusätzlich stellte das Viermächte-Abkommen über die Sicherung der Verbindungen nach West-Berlin (1972) die Lebensfähigkeit der Stadt auf festere Grundlagen. 1973 wurden die beiden deutschen Staaten als 133. und 134. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.



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