Meilensteine der Verpackung: Vom ersten Karton bis zu aufgedruckten Leuchtschriftzügen

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    Die Umhüllung des Packgutes zum Schutz der Ware vor schädlichen Einflüssen ist nur ein Zweck, der im folgenden Diskurs über die Entwicklung der Verpackungsindustrie berücksichtigt wird. Weitere Verpackungsfunktionen erforderten in den letzten 200 Jahren neue Verpackungsarten und innovative Verpackungsmaterialien: Holz, Glas, Metall, Papier, Pappe und - seit den 1960er Jahren - Kunststoff.

    Der Kunststoffanteil bei modernen Verpackungslösungen ist der größte gegenüber anderen Materialien. Bei vernetzten Verpackungslösungen sind Etiketten mit Barcodes/ QR-Codes oder berührungslose RFID-Technologie von Bedeutung. Der Trend geht in die Richtung, umweltfreundlichere und nachhaltigere Verpackungsmethoden zu entwickeln.

    Ziele und Methoden der heutigen Verpackungsherstellung

    Die Verpackungsindustrie konzipiert und produziert ihre Artikel CAD-gestützt nach ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Dabei ist es ihr Ziel, mit ihren Verpackungslösungen den Beanspruchungen bei Transport, Umschlag und Lagerung (TUL) zu entsprechen. Mit handelsgerechten Regalverpackungen - dem Retail Ready Packaging (RRP) - erfüllt sie die Anforderungen der verpackungsrelevanten Wertschöpfungskette des Handels - bis hin zum Endverbraucher am Point-of-Sale (POS). Dabei stehen den Verpackungsherstellern eine Vielzahl von Materialien und Technologien zur Verfügung.

    Im Gabler Wirtschaftslexikon wird ausgeführt, dass die Wahl des Verpackungssystems von den wahrzunehmenden Verpackungsfunktionen abhängt. Die optimale Verpackung erfüllt nicht ausschließlich den Zweck des Schutzes des Packgutes, der Arbeiter und der Umwelt, sondern sie dient auch der Portionierung (bei Produktion und Verwendung) sowie der Lagerung, dem Transport, dem Schutz vor physischer Manipulation (Diebstahl, Verlust) sowie der Vermarktung. Nur im Dialog mit dem Verbraucher gelingt es der Verpackungsindustrie, weitere zeitgemäße und kreative Verpackungsinnovationen zu schaffen.

    Die Industrielle Revolution und der Beginn der Verpackungsindustrie

    Mit dem Beginn der Industrialisierung in Europa gegen Ende des 18. Jahrhunderts wanderten große Menschenmassen vom Land in die Städte ab. Neue Maschinen begannen weitgehend die Handarbeit zu ersetzen. Es waren mehr Konsumgüter verfügbar und der Handel erforderte immer speziellere Verpackungen. Als 1765 in Großbritannien die sogenannte Spinning Jenny erfunden wurde, war es nicht mehr weit bis zum ersten Pappkarton (1817) und der ersten Faltschachtel (1839).

    Claus Mayer, unabhängiger Produktionsmanager, beschreibt die Funktionen der Kartonagen als Schutz vor äußeren Beschädigungen, als Werbeträger von bedruckten/ beklebten Inhalten, als platzsparende Stapelverpackung und als Transporteur der Markenbotschaft sowie der Corporate Identity des Unternehmens in seinem Artikel Die Faltschachtel - eine Zeitreise in die Entstehungsgeschichte (2020).

    Die deutsche Kartonindustrie der Gegenwart

    Die Kartonherstellung wird hauptsächlich mit der Erzeugung von Pappe und Wellpappe in Verbindung betrachtet. Um die optimale Kombination von Verpackungsmaterialien zu finden, kommen bei den Wellpappkartons aus einwelliger, zweiwelliger bis hin zu vierwelliger Pappe weitere Polster- und Füllmaterialien, wie beispielsweise Luftpolsterfolien, Verpackungschips, Schäume oder Pappe, zum Einsatz. Häufig finden mehr als zwei Materialarten Verwendung, um das Packgut vor dem Verrutschen zu schützen. Besonders im Onlinehandel florieren solche Kartonagen und Verpackungsmaterialien. Laut ProCarton scheint der Verbrauch von Papier und Pappe mit der wirtschaftlichen Entwicklung (BIP) zu korrelieren.

    Über 1.100 Drucker produzieren jährlich 5,4 Millionen Tonnen Karton. Kartons machen ein Drittel der Papier- und Kartonverpackungen und 15 Prozent aller Verpackungen aus. Etwas mehr als die Hälfte des europäischen Kartons wird aus recycelten Fasern oder Altpapier hergestellt. Veröffentlicht vom Statista Research Department (2022), wird die Anzahl der Beschäftigten in der deutschen Wellpappenindustrie im Jahr 2020 mit insgesamt rund 20.600 Personen angegeben. Diese Statistik zeigt die große Bedeutung der Kartonherstellung innerhalb der Verpackungsbranche in Deutschland.

    Ökologie und Nachhaltigkeit in der Kartonindustrie

    Da die Kartonindustrie mit ihren Maschinen sehr energie- und finanzintensiv ist und die Ressourcen knapper werden, ist die Wiederverwertung eine kreative Lösung: Altpapier wird gesammelt, sortiert und mit Frischfasern gemischt, damit festes neues Verpackungsmaterial entsteht. Das recycelte Altpapier für die Kartonherstellung kann Tintenspuren oder Klebstoffe enthalten, wenn keine Deinking-Phase erfolgt, und sieht dann grau aus. Die Kartonagen aus recycelter Zellulose haben geminderte funktionelle Eigenschaften, was ihre Stabilität betrifft, gegenüber Kartons aus Frischfasern.

    Schweizer Studien haben gezeigt, dass recyceltes Material Mineralöl enthalten kann, was ein Gesundheitsrisiko bei Primärverpackungen mit direktem Lebensmittelkontakt darstellt. Beispielsweise wurde ein Mineralölgehalt von bis zu 19,4 Milligramm pro Kilogramm Reis in recyceltem Karton gefunden. Als Alternative zu Altpappe bieten sich die Fasern von holzfreier Bagasse aus Zuckerrohr, Stroh, Hanf, Baumwolle, Flachs, Ramie (Chinesische Nessel), Kenaf (Java-Jute), Abaca (Bananenhanf) und anderen nachwachsenden Faserpflanzen an.

    Zukunftsfähige Verpackungsmaterialien, beispielsweise aus nachhaltiger Graswellpappe für Obst und Gemüse, bietet THIMM, einer der großen Marktführer der Branche. Er setzt damit Maßstäbe für den sparsamen Einsatz von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen in der Verpackungsindustrie zur Schonung der Umwelt.

    Kunststoff - ein vielseitig einsetzbares Verpackungsmaterial

    Einen Meilenstein in der Entwicklung der Verpackungsbranche setzte die Erfindung des sogenannten Kunststoffs im 19. Jahrhunderts. Laut WWF-Jugend (2015), beginnt die Geschichte des künstlich erzeugten Stoffes im Jahr 1839, als der Amerikaner Charles Goodyear feststellte, dass Kautschuk formbar ist, wenn man ihm Hitze zuführt und Schwefel beimischt. Daraus entstand ein halbsynthetischer Gummi beziehungsweise Zelluloid, der erste Kunststoff, der durch Wärme plastisch verformbar ist. Dieses günstig herzustellende Material hat sich als leicht, flexibel, aber dennoch stabil erwiesen.

    Mit diesen Eigenschaften gelang es dem Kunststoff nach und nach, Holz, Glas und Papier/ Pappe als Verpackung zu verdrängen. Unter dem Namen Bakelit firmierte der erste vollsynthetische und industriell hergestellte Vorgänger der heutigen Plastikverpackungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts. In den 1970er Jahren begannen die Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) ihren ungebremsten Siegeszug, der erst Jahrzehnte später vom Verbraucher infrage gestellt wurde. Aufgrund seiner Langlebigkeit ist es schwierig, Plastik wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Um die Nachhaltigkeit von Plastikverpackungen zu sichern, indem weniger Plastikabfall anfällt, werden in absehbarer Zeit innovative Recyclinglösungen für dieses Verpackungsmaterial gefunden werden müssen.

    Die Entwicklung der Verpackungsgestaltung im TUL- und POS-Prozess

    Die Zeiten der handschriftlich verfassten Warnungen auf dem Versandkarton "Vorsicht Glas" oder "Zerbrechlich" sind im 21. Jahrhundert vorbei, seit die Digitalisierung in die Verpackungsindustrie Einzug gehalten hat. Vielfältig gestaltete innovative Lager- und Transportetiketten weisen alle Teilnehmer an den TUL- und POS-Prozess auf die besondere Handhabung einer Verpackung hin. Die eindeutige Kennzeichnung auf Papieretiketten sorgt für eine sortenreine Verpackung. Auf Verpackungen direkt aufgebrachte Warnetiketten geben Hinweise für den TUL-Prozess, um Transport-, Umladungs- oder Lagerschäden zu vermeiden.

    Diese Klebeetiketten warnen schon allein durch ihre rote und orange Färbung sehr offensiv davor, empfindliche Waren auf ihrem Versandweg unsachgemäß zu behandeln. Die Etiketten sind so gestaltet, dass wichtige Versandinformationen auf den ersten Blick erkennbar sind. Durch das aufwendige Herstellungsverfahren wird der hochwertige Druck auf Papieretiketten garantiert. Die Beschriftung enthält einen Barcode/ Quick Response Code (QR-Code) zur Optimierung des POS-Prozesses.

    Leuchtaufkleber - eine fluoreszierende Lösung für die Dunkelheit

    Eine alltagstaugliche Erfindung ist mit aufgedruckten Leuchtschriftzügen auf nachleuchtenden Folien gelungen: Diese Aufkleber enthalten selbstleuchte Ziffern und Buchstaben, die mit ihrer hohen Leuchtkraft im Dunkeln als Hausnummer, als Beschriftung an Tür- und Briefkasten oder als Markierung von Mülltonnen, Fahrzeugen oder Möbeln fungieren. Die Leuchtaufkleber laden sich am Tag selbst sekundenschnell auf, um nachts für mehrere Stunden zu leuchten. Die Leuchtaufkleber lassen sich ohne Schwierigkeiten auf allen glatten Untergründen, wie beispielsweise Metall, Glas, Holz, aber auch auf Raufaser, Tapeten und Wänden, aufbringen. Sie haben exakt geschnittene Konturen, sind abwaschbar und sehr langlebig, insofern eine willkommene Weiterentwicklung innerhalb der Etikettenherstellung.

    Der Einfluss der Digitalisierung in der Verpackungsindustrie

    SIG, ein führender System- und Lösungsanbieter für aseptische Verpackungen, weist in seiner Artikelserie auf die aktuellen sogenannten vernetzten Verpackungslösungen hin, bei denen die Hersteller den Verbrauchern mithilfe von Barcodes/ QR-Codes, NFC-Tags und RFID-Labels zusätzliche Informationsquellen anbieten.

    Der erfolgreiche Einsatz digitaler Lösungen zeigt, wie groß das Potenzial von Verpackungen als Kommunikationskanal ist. Dadurch haben die Hersteller die Möglichkeit, mit ihren Verpackungen zum Konsumenten in Kontakt zu treten. Beispielsweise in Form von Gutscheinen auf der Rückseite einer Müslipackung, QR-Codes für Spiele oder Preisausschreiben und vieles mehr. An diesen wenigen Möglichkeiten lässt sich bereits das enorme Potential der Digitalisierung erahnen, dass die zukünftige Entwicklung der Verpackungsindustrie vorantreiben wird.

    KALENDERBLATT - 26. Juni

    1945 Die Charta der Vereinten Nationen (UNO) und das Statut für einen Internationalen Gerichtshof wird verkündet.
    1948 Die Luftbrücke nach Westberlin wird eröffnet, um die von den Sowjets eingeschlossene Stadt aus der Luft mit Nahrungsmittel zu versorgen. Sie dauert bis zum 16. April 1949.
    1963 Der amerikanische Präsident John F. Kennedy besucht Berlin und hält seine berühmt gewordene Rede, die er mit dem Satz: "Ich bin ein Berliner!" beendet.



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