Sprachphilosophie

    Aus WISSEN-digital.de

    Unter Sprachphilosophie fasst man alle philosophischen Betrachtungen des Phänomens Sprache zusammen. Die Sprachphilosophie reflektiert über Ursprung, Entwicklung, Wesen und soziale Funktion von Sprache und thematisiert den Menschen als den Träger der Sprache. Sprachphilosophische Ansätze finden sich bereits seit der Antike bei verschiedenen Autoren. Eigentlich ist die Sprachphilosophie aber eine philosophische Richtung des 20. Jh.s. Sie arbeitet dabei mit der Sprachwissenschaft eng zusammen.

    Es haben sich mehrere große Richtungen der Sprachphilosphie ausgebildet. Eine der wichtigsten ist nach wie vor die analytische Philosophie, die entscheidend von Ludwig Wittgensteins "Tractatus logico-philosophicus" (1921) beeinflusst wurde. Die analytische Philosophie geht davon aus, dass die Untersuchung sprachlicher Phänomene sämtliche philosophischen Probleme lösen kann. Dabei ist eine konsequente Ablehnung von theologischen und metaphysischen Erklärungsmodellen in der analytischen Philosophie durchgängig festzustellen. In seinem Spätwerk hat Wittgenstein ganz neue sprachphilosophische Ansätze entwickelt, die sich wesentlich von denen des "Tractatus" unterscheiden. Im Mittelpunkt seines neuen Denkens, das vor allem in den "Philosophischen Untersuchungen" von 1953 (in Englisch) formuliert wird, steht nun die Auffassung, dass Sprache aus vielen Sprachspielen besteht. Die verschiedenen Sprachspiele einer Sprache funktionieren nach unterschiedlichen Regeln, die erlernt werden müssen und ansonsten Außenstehenden eine sinnvolle Teilnahme an einem Sprachspiel verwehren. Die analytische Sprachphilosophie wird heute vor allem von Philosophen im angelsächsischen Raum fortgeführt.

    Der Wiener Kreis, der dem Neopositivismus zugerechnet wird und dessen Hauptvertreter R. Carnap, O. Neurath und M. Schlick waren, entwickelte ausgehend von den sprachanalytischen Ansätze Wittgensteins eine sehr formalistische Form der Sprachphilosophie. Im Wiener Kreis herrschte dementsprechend ein ausgesprochenr metaphysikfeindlicher Empirismus.

    Der wichtigste Vertreter der so genannten pragmatischen Sprachphilosophie ist Jürgen Habermas. Er hat die Diskurstheorie entwickelt, die sowohl auf ethische Probleme als auch auf die Wahrheitsfindung anwendbar sein soll. Die Antwort auf die Frage nach der richtigen Handlung in einer Situation oder die Antwort auf die Frage, ob eine Aussage wahr oder falsch ist, sind nicht mehr allgemein- und immergültig vorgegeben, sondern werden von den Teilnehmern eines sprachlichen Diskurses festgelegt. Damit richten sich die gesuchten Antworten nach den kulturellen und sprachlichen Voraussetzungen einer Gesellschaft und können bei Änderung dieser Voraussetzungen anders ausfallen. Eine solche dikursive Bestimmung ethischer Werte oder der Wahrheit kann nach Habermas nur in einem idealen, dem so genannten herrschaftsfreien Diskurs erfolgen.

    Eine andere sprachphilosophische Richtung ist der Strukturalismus, der stärker sprachwissenschaftlich orientiert ist. Der sprachphilosophische Strukturalismus wurde durch die Arbeiten Ferdinand de Saussures begründet. Zu den wichtigsten Wegbereitern des Strukturalismus gehören Roman Jakobson und die anderen Vertreter der Prager Schule. Sie konnten auf die sprachwissenschaftlichen Ansätze de Saussures zurückgreifen. Der moderne Poststrukturalismus, vertreten etwa durch Jacques Derrida, geht ebenfalls von sprachphilosophischen Ansätzen aus, steht aber wissenschaftstheoretisch auf einer völlig anderen Grundlage als der Strukturalismus.



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