Prägung (Biologie)

    Aus WISSEN-digital.de

    Der österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-89) entdeckte und beschrieb als erster das Phänomen der ethologischen Prägung (Prägung durch Verhalten) und führte unter anderem auch den Begriff Prägung in die Verhaltensforschung ein.

    Prägung ist ein Lernvorgang bei höheren Tieren und auch beim Menschen, der auf eine bestimmte zeitliche Phase festgelegt ist, die z.B. wie bei den Graugänsen, die Lorenz untersuchte, nur einen Tag nach dem Schlüpfen andauern kann. Dieser Lernvorgang ist durch die Unwiderruflichkeit des Lernergebnisses gekennzeichnet. Kommt es nicht zu dieser Prägung, dann kann es zu mehr oder weniger auffälligen Verhaltensstörungen kommen. Der Ausdruck Prägung besagt, dass das Jungtier in einer sehr frühen Periode seiner Entwicklung einem anderen Tier (oder Objekt wie im Experiment) folgt - was auch als Nachfolgereaktion durch Prägung bezeichnet wird ?, und dass es zu einem späteren Zeitpunkt ein Tier derselben Art zum Sexualpartner wählt. Gewöhnlich ist die Mutter das Prägungsobjekt des Tieres. Die umgekehrte Wirkung der Prägung auf die Mutter beruht auf so genannten angeborenen auslösenden Mechanismen (AAM).

    Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Prägung:

    1. Bei der Objektprägung wird ein auslösendes Reizmuster erlernt. Beispiele sind die Ortsprägung und die Biotopprägung. Erstere erfolgt bei den Zugvögeln, die sich an Landmarken orientieren, um ihre Sommer- und Winterplätze wiederzufinden. Bei der Biotopprägung glaubt man, dass durch Prägung die Merkmale eines günstigen Lebensraumes erlernt werden. Auch die Nahrungsprägung verläuft in diese Richtung.

    2. Bei der motorischen Prägung wird ein Aktionsmuster erlernt, z.B. die Gesangsprägung bei Vögeln.

    Bei höheren Tieren, z.B. bei Primaten, aber auch bei Hühnervögeln, ist der Übergang zwischen Prägung und Lernen fließend. Man vermutet deshalb, dass Prägungen eine neuronale Grundlage haben. Die Prägung beim Menschen beschränkt sich auf die frühkindlichen Entwicklungsstadien. Hier ist jedoch die prägende Wirkung der Mutter nicht unbedingt signifikant. In späteren Lebensabschnitten wird dann von Prägung durch die Umwelt gesprochen, die allerdings größtenteils auf (sozialen) Lernprozessen beruht.



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