Kirchentonarten

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    auch: Kirchentöne, modi, toni;

    System zur Einordnung der gregorianischen Melodien nach der Zugehörigkeit zu verschieden gebauten Tonskalen. Die Kirchentonarten, die ihren Ursprung im byzantinisch-griechischen Bereich haben (Bezeichnungen: protus, deuterus, tritus, tetrardus), waren vom Mittelalter bis um 1600 sowohl für einstimmige als auch für mehrstimmige Musik das tonale Ordnungsprinzip.

    Zunächst gehörten acht als authentisch bezeichnete Kirchentonarten zum System: Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch und deren jeweilige plagalen Varianten Hypodorisch, Hypophrygisch, Hypolydisch, Hypomixolydisch. Sie wurden später durch die aeolische und die ionische Tonart ergänzt. Sie unterscheiden sich voneinander durch die auf unterschiedlichen Tonstufen beginnenden sowie verschiedene Tonräume und Gerüsttöne aufweisenden Tonskalen. Die authentische und die plagale Variante eines Kirchentons verfügen über denselben Grundton (Finalis), unterscheiden sich aber im Tonraum, der beim plagalen Kirchenton in der Regel eine Quarte tiefer liegt, sowie im wichtigsten Gerüstton (Tenor, Rezitationston oder auch Tuba). Die Hauptchartakteristika für die Melodien in den einzelnen Kichentönen sind die Lage der Halbtöne (Hexachord), der Ambitus (Tonumfang) sowie der melodisch bevorzugt angestrebte Tenor.

    Für die folgende Auflistung gilt: unterstrichen: Finalis; Großbuchstabe: Tenor.

    • 1. Kirchenton: dorisch

    (alte Bezeichnung: protus authentus)


    d e f g A h c d

    • 2. Kirchenton: hypodorisch

    (alte Bezeichnung: protus plagalis)


    a h c d e F g a

    • 3. Kirchenton: phrygisch

    (alte Bezeichnung: deuterus authentus)


    e f g a H c d e (früherer Tenor: C)

    • 4. Kirchenton: hypophrygisch

    (alte Bezeichnung: deuterus plagalis)


    h c d e f G a h (früherer Tenor: A)

    • 5. Kirchenton: lydisch

    (alte Bezeichnung: tritus authentus)

    f g a h C d e f

    • 6. Kirchenton: hypolydisch

    (alte Bezeichnung: tritus plagalis)


    c d e f g A h c

    • 7. Kirchenton: mixolydisch

    (alte Bezeichnung: tetrardus authentus)


    g a h c D e f g

    • 8. Kirchenton: hypomixolydisch

    (alte Bezeichnung: tetrardus plagalis)


    d e f g a h C d

    • 9. Kirchenton: äolisch

    (neuere Bezeichnung: Moll)


    a h c d E f g a

    • 10. Kirchenton: hypoäolisch


    e f g a h C d e

    • 11. Kirchenton: ionisch


    c d e f G a h c

    • 12. Kirchenton: hypoionisch


    g a h c d E f g

    Seit dem 17. Jh. wurden die Kirchentonarten durch das Dur-Moll-System verdrängt, waren aber in vielen (v.a. geistlichen) Kompositionen noch wirksam und im theoretischen Handwerkszeug der Komponisten durchwegs vorhanden. Das lag vor allem daran, dass der gregorianische Choral weiterhin zum normalen Gebrauch gehörte. Erst im 20. Jh. kam es zu einer Wiederbelebung bei einigen Komponisten (z.B. bei B. Bartók).


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