Karthago

    Aus WISSEN-digital.de

    Hauptstadt des karthagischen (punischen) Land- und Seereiches, bei der heutigen Stadt Tunis.

    Ausgrabungen in den Ruinen der punischen Stadt seit 1853; zwei Hafenbecken für Handels- und Kriegsflotte mit Arsenal; Wälle mit Kasematten und eingebauten Pferde- und Elefantenställen, Hauptbefestigung die hochragende Byrsa; zahlreiche Tempel und Kapellen, verstreute Begräbnisplätze mit Mausoleen und Grabkammern;

    Profanbauten: Agora, Senatssaal, Säulengänge, planmäßig angelegte Wohnviertel mit Hochhäusern, Abflusskanälen, Treppenstraßen;

    in der Umgebung ertragreiche Landwirtschaft, Getreide in den Küstenebenen und in den Bergtälern; ÖI-, Feigen-, Granatapfel-, Mandelbaum- und Dattelpalmenplantagen (über die Landwirtschaft unterrichtet das in lateinischer Übersetzung vorliegende Werk des Karthagers Mago) mit Sklavenarbeitern unter Großgrundbesitzern; Schaf- und Rinderherden, Pferdezucht, Elefantenhaltung, Bienenzucht;

    Industrie: Marine- und Armeewerkstätten, Werften, Waffenschmieden, Eisen- und Kupferschmelzen, Bronzewerkstätten, Woll- und Leinenwebereien, Terrakottatöpfereien und -kunstwerkstätten (Hausgefäße, Vorratsvasen, Grabbeigaben in Massenherstellung, tönerne Kultstatuen und Masken), Glaswarenproduktion (Flaschen, Vasen, Schminkphiolen), Münzwerkstätten; aus dem Phönikischen abgewandelte Schrift und Sprache (doch vom Schrifttum nichts erhalten), phönikischer Kalender, phönikische Maße, Gewichte;

    großer Einfluss der Priesterschaft, die in Notzeiten Menschenopfer darbrachte; die karthagische Religion stark mit nordafrikanischen, griechischen und ägyptischen Vorstellungen durchsetzt.

    Geschichte

    Karthago um 814 v.Chr. vom phönikischen Tyros (Libanon) aus gegründet, dessen Bewohner vor den Assyrern flohen; der bedeutendste der zahlreichen phönikischen Handelsplätze an den Mittelmeerküsten; die ersten Jahrhunderte im Dunkeln; Karthago unterwarf sich das numidische Hinterland, gründete schon früh eigene Stützpunkte an der tunesischen, algerischen und der Syrte-Küste, in Andalusien (Spanien), auf Malta, Sizilien, Sardinien, z.T. unter Aneignung altphönikischer Kolonialplätze; mit sehr stark gewordener Flotte beanspruchte Karthago seit etwa 600 v.Chr. das Monopol auf den Seehandel im West-Mittelmeer, dadurch zunehmende Rivalität zu den Handelsstädten Großgriechenlands auf Sizilien; Karthago, schon in dieser Zeit reiche Stadt, wurde von Königen, zuletzt aus der Dynastie der Magoniden, beherrscht, die im 6. Jh. jahrzehntelang in Übersee um die Außenbesitzungen, z.T. im Bund mit den Etruskern, Krieg führten: Karthago setzte sich 525 auf Korsika fest, 510 in Tripolitanien, 510 Expedition des Hanno zur Umschiffung Afrikas (Kamerun wurde erreicht), um 500 Zerstörung des phönikisch-griechischen Handelsplatzes Tartessos in Westspanien (Silber- und Zinnmarkt). Um die gleiche Zeit Verbindung mit den Persern, um gemeinsam die Macht des griechischen Mutterlandes im Ost-Mittelmeer zu zerschlagen (Griechenland, Perserkriege); Karthago wurde jedoch 480, im Jahr der Schlacht von Salamis, vor Himera (Sizilien) durch die athenische Flotte geschlagen und vom Ost-Mittelmeer abgeschnitten.

    Folge der Niederlage: Sturz des Königtums (Ende der Magonidendynastie); die Macht ging auf den Geburts- und Geldadel (Reeder, Großkaufleute und Plantagenbesitzer) über, der die 2 Sufeten (Konsuln) stellte, durch einen Senat und den "Rat der 104 Richter" eine harte Herrschaft ausübte, spartanische Lebensführung forderte, die Wareneinfuhr untersagte und religiöse Reformen durchsetzte (neben den unbarmherzigen Baal trat als Staatsgöttin Tanit); Förderung einer expansiveren und intensiveren Landwirtschaft. Die Schwächung der athenischen Seemacht und seines Seebundes nach dem Fehlschlag einer athenischen Invasion auf Sizilien durch Alkibiades und nach der athenischen Niederlage im Peloponnesischen Krieg (404) nützte Kathago aus, um die griechischen Stadtstaaten in Südsizilien zu besetzen. Syrakus rettete die Insel (Agathokles von Syrakus versuchte ein Jahrhundert später vergebens, Karthago auf afrikanischem Boden niederzuwerfen); trotz machtpolitischer Gegensätze, besonders in der Nach-Alexander-Zeit, weitgehende Übernahme griechischen und hellenistisch-ägyptischen Kulturgutes. Der erneute kraftvolle Aufstieg und die Vorrangstellung im Mittelmeer nach dem Verfall der etruskischen Macht in Italien und der großgriechischen Stadtstaaten auf Sizilien führten zum Generalangriff auf den großgriechischen Teil Siziliens und zum Zusammenprall mit Rom, das als macht- und handelspolitischer Erbe der Großgriechenstädte auf Sizilien antrat.

    Im 1. Punischen Krieg Verlust ganz Siziliens (241 1. römische Provinz, nur Syrakus als Verbündeter Roms noch autonom), Zerrüttung im Innern; Karthago trotz anfänglicher großer Siege Hannibals nach dem 2. Punischen Krieg der Gnade der Römer ausgeliefert, nach dem 3. Punischen Krieg wurde das karthagische Afrika die 2. römische Provinz; Karthago 146 völlig zerstört; die punische Kultur lebte weiter, Religion und Sprache erhielten sich noch bis ins 4./5. Jh. n.Chr., bis in die Völkerwanderung (Vandalen).

    44 v.Chr. Gründung von Neu-Karthago durch Cäsar, die römische Stadt mit monumentalen Bauten überflügelte alle anderen afrikanischen Städte, schon früh Bischofssitz (einflussreich Bischof Cyprian 248-258), Wirkungsstätte des heiligen Augustinus; seit 439 Mittelpunkt des Vandalenreiches; Neu-Karthago 679 von Arabern endgültig zerstört; Alt- und Neu-Karthago heute Vorort von Tunis, auf der Byrsa Schulkloster der Weißen Väter.

    KALENDERBLATT - 22. August

    1864 Die erste 1. Genfer "Konvention zur Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde" entsteht. Sie geht auf die Initiative Henri Dunants zurück, der in seiner Schrift "Eine Erinnerung an Solferino", in der er seine Erlebnisse als Zeuge der Schlacht bei Solferino wiedergibt, zur Gründung einer Hilfsorganisation aufrief – das spätere Rote Kreuz.
    1910 Japan annektiert das Königreich Korea, dessen König zur Abdankung gezwungen wird.
    1948 In Amsterdam beginnt die erste Vollversammlung des Weltrats der Kirchen, um eine Verfassung für den Ökumenischen Rat auszuarbeiten.



    Wer hat's gesagt?

    Worte von historischen Ausmaßen sind uns zwar meist zumindest vom Hören-Sagen bekannt - aber kennen Sie den Kontext?
    Jetzt quizzen!