Chor (Musik)

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    (griechisch "Tanzplatz", "Reigen", "Tanzlied", "Schar der Tänzer")

    Chorgesang der Münchner Hofkapelle; Buchillustration um 1565

    in der griechischen Antike der kultische Tanz, zu dem auch gesungen wurde. Im Allgemeinen deutet der Terminus Chor an, dass eine musikalische Stimme im Gegensatz zum Solo durch mehrere Sänger oder Instrumentalisten ausgeführt wird. Ebenfalls als Chor bezeichnet wird das Zusammenwirken von Instrumenten der gleichen Familie und unterschiedlichen Stimmlagen (z.B. Posaunenchor, Streicherchor). Kompositionen (oder Einzelteile einer größeren Komposition wie einer Oper oder einer Passion) für eine Gruppe von Sängern werden als Chor bezeichnet.

    Innerhalb dieser Chöre kann es zu einer weiteren Unterteilung in Chorhälften oder je nach Stimmlagen in Hoch- und Tiefchöre kommen. Blütezeit für Mehrchörigkeit war das 16. Jh., in dem die Kompositionen bis zu acht fünfstimmige Chöre erforderten (T. Tallis , "Spem in alium";). Seit dem Barock werden Chöre höchstens in zwei Hälften (Doppelchörigkeit) aufgespaltet.

    Neben dem gemischten Chor, der Stimmen verschiedener Lagen zusammenfasst (üblicherweise Sopran, Alt, Tenor, Bass) unterscheidet man je nach Besetzung Männer-, Knaben-, Frauen- und Kinderchor.

    Geschichte der Sängerchöre

    Seit dem Mittelalter waren Chöre in Kirchen und Klöstern sowie seit dem Ende des 15. Jh.s an Fürsten- und Königshöfen die wichtigsten musikalischen Klangkörper. Motetten, Messen, Madrigale usw. wurde von vier-, fünf- oder mehrstimmigen Chören gesungen. Dabei war es je nach Personalbestand üblich, eine Stimme mit nur einem Choristen zu besetzen. Als im Lauf der Musikgeschichte die Instrumentalmusik an Bedeutung gewann und zum Chor immer mehr Instrumente traten, wurden auch die Chöre größer.

    Im 19. Jh. erlebten sie im Zuge der Laienchorbewegung eine wahre Renaissance. Sie trat erstmals in organisierter Form mit der Gründung der Liedertafel (1809 durch C.F. Zelter) in Berlin auf, die für Hunderte anderer (zunächst Männer-)Chöre Pate stand. Gesungen wurden vor allem ein- und mehrstimmige Vaterlands- und Liebeslieder, heitere und mundartliche Gesänge, Volkslieder und Lieder im Volkston, Standeslieder und Lieder zu geistlichen und gesellschaftlichen Festen. Das Gründungsdatum zahlreicher Philharmonischer Chöre und weiterer Liedertafeln fällt in diese Zeit. In der kulturellen Laienarbeit spielten die Kirchenchöre eine wichtige Rolle. Erst hier wurde das Chorsingen als Massenereignis entdeckt, die Chorstärke schwoll auf bis über 100 Sänger an. G. Mahlers Achte Symphonie ("Symphonie der Tausend") deutet im Titel schon an, dass der hier formulierte Anspruch nach noch mehr Sängern verlangt; andere Werke mit immer größerem Aufwand schlossen sich an.

    Professionelle Sängerensembles bestanden bis zum Ersten Weltkrieg an den Hofkapellen der europäischen Fürsten- und Königshäuser, die v.a. für Opernaufführungen, Hofgottesdienste und seit dem 19. Jh. auch für große Chorsymphonik zuständig waren.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten die Rundfunkanstalten der Länder leistungsfähige Rundfunkchöre, die ausschließlich aus professionellen Sängern bestehen.

    Erst in den 1970er Jahre formierten sich wieder verstärkt kleine Chorensembles, vor allem bemüht um die stilgerechte Aufführung alter Musik. Ebenfalls wieder aufgelegt wurden entsprechende Werkausgaben, die die Chormusik vor allem vor 1600 so originalgetreu wie möglich wiedergaben, also ohne Taktstriche, Legato- und Phrasierungsbögen, dynamische Angaben und Vortragsbezeichnungen. Massenchorbewegungen sind dagegen noch im Bereich der volkstümlichen Unterhaltungsmusik auszumachen oder formieren sich zu besonderen Ereignissen (Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele etc.).



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