Côte d'Ivoire Geschichte

    Aus WISSEN-digital.de

    Anfänge bis 19. Jahrhundert

    Im Süden des Landes gab es vor der Kolonialisierung keine größeren Staatsgebilde, einzelne Stämme bewohnten das Regenwald- und Lagunengebiet. Ganz anders war dies in den weiter nördlich gelegenen Savannengebieten. Diese gehörten zum Einflussbereich des Reiches Mali. Als dieses zerfiel, entstanden im 17. Jahrhundert im Nordosten das Dagomba-Reich, im Westen das Handelsreich Kong. Der Osten stand im 18. Jahrhundert unter dem Einfluss der Aschantikon-Föderation. In dieser Zeit wanderten vom Nordosten die Stämme der Agni und Baule, vom Westen die der Kru ein.

    Bereits im 15. Jahrhundert hatten Portugiesen die Küste erreicht, die Sklaven- und Elfenbeinhandel betrieben. Französische Seefahrer errichteten 1688 eine erste Niederlassung in Grand-Bassam, die aber wieder aufgegeben wurde. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kehrten die Franzosen zurück und errichteten Handelsniederlassungen und Militärstützpunkte an der Küste. Es folgten zahlreiche Protektoratsverträge mit den einzelnen Häuptlingen, 1893 rief Frankreich die Kolonie Elfenbeinküste aus.

    Unabhängigkeit

    Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die einstigen Kolonien von Frankreich in die so genannte "Union Française" aufgenommen und afrikanische Abgeordnete der ehemaligen Kolonien konnten im Parlament in Paris politischen Einfluss gewinnen. Der spätere Staatspräsident und Staatsgründer der Elfenbeinküste, Houphouët-Boigny, gründete daraufhin die RDA (Rassemblement Démocratique Africain) und arbeitete als Minister in Paris. 1958 wurde die ehemalige Kolonie unter seiner Leitung selbstständig, 1960 unabhängig. Wirtschaftlich, militärisch und kulturell jedoch blieb es bei einer engen Anbindung an Frankreich. In den 60er und 70er Jahren erwies sich der unabhängige Einparteienstaat unter Houphouët-Boigny als afrikanischer Sonderfall: Politische Stabilität und ein hohes Wirtschaftswachstum machten die Elfenbeinküste zu einem vergleichsweise wohlhabenden Land.

    Neueste Entwicklungen

    Ende der 80er Jahre kam es zu einer Zäsur: Die Wirtschaftseinnahmen sanken, politische Unruhen und internationaler Druck ließen den alternden Präsidenten ein Mehrparteiensystem einführen. Erste allgemeine Wahlen wurden abgehalten und die PDCI (Parti démocratique de la Côte d'Ivoire) unter Führung von Houphouët-Boigny erhielt die Mehrheit der Stimmen. Nach dem Tod von Houphouët-Boigny im Jahr 1993 wurde Konan Bédié Präsident und die PDCI wurde - von einem Oppositionsboykott unfreiwillig unterstützt - 1995 nochmals als Regierungspartei bestätigt. Doch das Regime des unpopulären Bédié erwies sich als unfähig. Der Hass auf Zuwanderer wurde geschürt, Tausende wurden vor allem aus der Wirtschaftsmetropole Abidjan vertrieben, Oppositionelle wurden verhaftet. So war es nur eine Frage der Zeit, bis am 24. Dezember 1999 ein Staatsstreich Bédié stürzte. Unter dem großen Jubel des Volkes übernahm ein Nationaler Ausschuss, bestehend aus Angehörigen des Militärs unter Führung des ehemaligen Generalstabschefs Robert Guei, die Macht. Der unter den Soldaten sehr beliebte General forderte die politischen Parteien auf, Kandidaten für eine Übergangsregierung vorzuschlagen und stellte demokratische Präsidentschaftswahlen im Oktober 2000 in Aussicht. Diese Wahlen wurden jedoch vom Boykott einer Oppositionspartei überschattet, deren Chef Alassane Ouattara wegen eines ausländischen Vaters per Gerichtsbeschluss von den Wahlen ausgeschlossen worden war. Vor allem im islamischen Norden des Landes folgten die Bewohner dem Boykottaufruf, in den Großstädten Abidjan und Bouaké lag die Wahlbeteiligung bei 35 Prozent. Die Vereinten Nationen, die Organisation für Afrikanische Einheit und die EU lehnten es ab, Wahlbeobachter zu schicken. Menschenrechtsorganisationen sprachen von mehr als tausend Oppositionellen, die vor der Wahl verhaftet und gefoltert worden seien.

    Die Wahl vom Oktober gewann Laurent Gbagbo deutlich vor General Guei. Der Militärmachthaber weigerte sich aber, die Wahl anzuerkennen. Es kam zum Volksaufstand, durch den Guei entmachtet wurde. Erneute Unruhen brachen aus, als Gbagbo die Forderung von Oppositionsführer Quattara nach Neuwahlen ablehnte und sich als Präsident vereidigen ließ. Von den Parlamentswahlen im Dezember 2000 wurde Quattara ebenfalls ausgeschlossen, so dass es wieder zu Unruhen kam und Präsident Gbagbo den Ausnahmezustand ausrief. Auf Grund des Wahlboykotts von Quattaras Anhängern gewann Gbagbos Ivorische Volksfront die Parlamentswahlen. Die politische Stabilität des Landes ist weiterhin gering: Im Januar 2001 scheiterte ein Putschversuch des Militärs, ebenso im September 2002. Doch konnte ein Teil der Armee den Norden des Landes unter seine Kontrolle bringen.

    Derzeit ist das Land gespalten: der Norden wird von den Rebellen der Forces Nouvelles kontrolliert und der Süden von einer Übergangsregierung, die von Präsident Gbagbos geführt wird. Dazwischen liegt eine Pufferzone unter der Kontrolle der Vereinten Nationen, die knapp 10 000 Soldaten stationiert haben. 2004 eskalierte die Lage und es kam zu schweren Luftangriffen von Seiten der Regierung, woraufhin Frankreich die gesamte Luftwaffe des Landes vernichtete. Ein Entwaffnungsabkommen wurde 2005 unterzeichnet, aber noch nicht durchgesetzt. 2006 hätten Neuwahlen stattfinden sollen, doch der Präsident weigerte sich bisher, die Wählerregister zu aktualisieren.

    Im März 2007 gelang nach zähen Verhandlungen die Unterzeichnung eines Friedensvertrages durch Präsident Gbagbo und den Rebellenchef Guillaume Kigbafori Soro. Dieser wurde gleichzeitig zum neuen Premierminister ernannt. Das Abkommen sieht den schrittweisen Abbau der Pufferzone vor. Damit einhergehend ist der Abzug sämtlicher ausländischer Truppen, die Etablierung einer gemeinsamen Kommandostruktur für die Streitkräfte und die Integration der Rebellen in die ivorische Armee vorgesehen. Zudem sollen Personen mit muslimischem Namen oder burkinischer Abstammung ins Melderegister aufgenommen werden, damit sie an Wahlen teilnehmen können. Die bereits zweimal verschobenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sollen nun bis Ende Oktober 2007 stattfinden.



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