Ägypten (Religion)

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    Im altägyptischen Kulturbereich waren, wie kaum jemals woanders, das gesamte gesellschaftliche Leben und zwischenmenschliche Geschehen religiös geprägt. Für die Ägypter der Antike war die gesamte Welt mit Gottheiten erfüllt. So kommt es, dass nicht nur lebende Wesen als Gottheiten verehrt wurden, sondern es war z.B. auch der dem Gott Amun-Re in Theben gehörige Tempel als solcher eine Göttin.

    Insbesondere waren viele Tiere göttlich oder doch Inkarnationen ("Fleischgewordenheit", d.h. Verkörperungen) von Gottheiten, weshalb sie geschont und gefüttert sowie nach ihrem Tod einbalsamiert und beigesetzt wurden, z.B. der Apis-Stier in Memphis. Göttliche Tiere waren auch der Widder, der Falke, das Krokodil, das Nilpferd und viele andere. Überdies wurden Gottheiten als Tiere dargestellt, z.B. eine Himmelsgöttin als Kuh, ein Sonnengott als Käfer (Skarabäus). Es gab Gottheiten mit menschlichem Körper, aber mit dem Kopf eines Tieres. So hatte die Gottheit Thot, der Gott des Mondes und der Gelehrsamkeit, einen Ibiskopf, der Sonnengott Re einen Sperberkopf, der Totengott Anubis einen Schakalkopf, die Göttin Bastet einen Katzenkopf usw.

    Die Machtverhältnisse zwischen den Gottheiten waren nicht völlig gefestigt. Es scheint gelegentlich eine Art von Wettbewerb oder Ausweitung der Geltungsbereiche gegeben zu haben. Viele Gottheiten waren rein lokaler Natur, auf bestimmte Landschaften oder Städte beschränkt. Wenn es einer Gottheit irgendeiner Stadt gelang, ihren Geltungsbereich auszuweiten, sich die Gottheiten einer anderen Stadt unterzuordnen, so ergab sich in der Folge zumeist auch ein gleichsinniges Abhängigkeitsverhältnis der Einwohner der betreffenden Städte.

    Neben den lokalen Gottheiten gab es solche, die im gesamten Reichsgebiet - wenigstens zeitweilig - verehrt wurden.

    Eine solche Gottheit war z.B. Re, der Sonnengott von Heliopolis, lange Zeit hindurch als Hauptgottheit des Reiches angesehen und an erster Stelle stehend. Dieser Gott fuhr in einer goldenen Barke über den Himmel und kämpfte mit der Wolkenschlange Apophis. Im Mittleren Reich verband man ihn mit dem Wind- und Luftgott Amun, beide wurden "in eins gesehen". Sonnengötter waren unter anderem auch Atum in Heliopolis und der falkenköpfige Month in Hermonthis, der zugleich als Gott des Krieges galt.

    Ein sehr einflussreicher Gott war Ptah, der seinen Hauptsitz in Memphis hatte. Besonders die Künstler feierten ihn. Ihm war der Apis-Stier heilig, der selbst eine Gottheit darstellte. In späteren Jahrhunderten wurde er mit Sokar, dem Gott der Gräber, "in eins gesehen". Die Gattin von Ptah war die Göttin Sechmet. Sie hatte einen Löwenkopf, war stets bereit, Kriege zu führen, und sandte manchmal Seuchen.

    Eine bedeutende Gottheit war Ma'at, die Göttin der Gerechtigkeit und Wahrheit. Für die moralisch-ethische Seite des ägyptischen Kulturbereiches war die Erscheinung dieser Gottheit von grundlegender Bedeutung. Gegenbegriffe zu Ma'at sind: Unordnung, Sünde, Lüge und Habgier.

    Die berühmtesten ägyptischen Gottheiten waren Osiris, Isis und deren Sohn Horus, die sich mit Osiris' Bruder Seth, der Verkörperung des Bösen, in ständigem Kriegszustand befanden. Schließlich wurde Ägypten in einem "Kompromissfrieden" zwischen Horus und Seth geteilt. Es wurde verschiedentlich versucht, diesen Mythos zu deuten: als Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Nil und Wüste, auch als Wechselspiel der sterbenden und wiederauferstehenden Vegetation.

    Die ägyptischen Priester hatten die Gepflogenheit, die sehr zahlreichen Göttinnen und Götter überschaubar zu ordnen und sie dabei zu größeren Einheiten zusammenzufassen, gewissermaßen mehr-einige, z.B. acht-einige, neun-einige Gottheiten aus ihnen zu bilden. Diese Systeme waren freilich von Priesterschule zu Priesterschule, von Kultzentrum zu Kultzentrum verschieden. Berühmt waren die neun-einige Gottheit von Heliopolis, Atum-Shu-Tefnut-Geb-Nut-Osiris-Seth-Isis-Nephthys, und die acht-einige Gottheit von Hermepolis, Nun-Naunet-Huh-Hauhet-Kuk-Kauket-Amaunet-Amun.

    Unter den zahlreichen Gottheiten des ägyptischen Kulturbereiches gab es eine, die ein Bindeglied zwischen der Welt der Gottheiten und der Welt der Menschen darstellte: der ägyptische König, der Pharao, der als Gottheit eine unvorstellbar große Macht über die Menschen ausübte. Er wurde als eine Inkarnation des Falkengottes Horus gesehen, der den König mit seinen Flügeln beschützt, die von den Grenzen der Erde bis zum Himmel reichen.

    Die Gottesauffassung im alten Ägypten war ein Polytheismus ("Vielgötterei") von hohem Mannigfaltigkeitsgrad. Es gab jedoch mehrere Entwicklungsansätze in monotheistischer Richtung. Einmal wurde das polytheistische Konzept sogar in staatlichen Ausmaßen durchbrochen und in Frage gestellt. König Amenophis IV. (im 14. Jh. v.Chr.) unternahm den Versuch, einem von ihm verehrten Gott Aton (d.h. Sonnenscheibe) Alleingeltung zu verschaffen, d.h. einen Monotheismus einzuführen. Er gründete eine neue Residenz, änderte seinen Namen in Echnaton (d.h. "Es gefällt dem Aton") und ließ das Andenken an die "alten" Götter "ausmeißeln". Berühmt ist ein Hymnus, den er seinem Gott dichtete. Aber die Religionserneuerung misslang. Nach dem Tod des Königs wurden die alten polytheistischen Auffassungen von der Priesterschaft wieder restauriert.

    Für das religiöse Verhalten und Empfinden der Ägypter war eine Reihe von Vorstellungen über die menschliche Existenz nach dem physischen Tod und einige damit zusammenhängende Ansichten über den Aufbau der menschlichen Persönlichkeit von großer Bedeutung: Jeder Mensch hat einen Körper, einen Namen, einen Schatten, einen "ach", einen "ba" und einen "ka". Alle drei Aufbauteile können dem Bereich des Psychischen zugeordnet werden. "Ach" ist die dem Menschen unter günstigen Bedingungen zuteil werdende göttliche Kraft. "Ba" ist etwas, das sich die Ägypter in der Art eines Vogels vorstellten - es kann zum Himmel emporsteigen, aber auch die Mumien im Grab besuchen und verschiedenste Formen annehmen. "Ka" ist eine Personifikation der Lebenskraft, als Genius verstanden, der zwar mit dem Menschen geboren wird, aber nach dem physischen Tod weiterexistiert. Er lebt von den Spenden, die dem Toten dargebracht werden. Auf jeden Fall ist es zur Weiterexistenz nach dem physischen Tod notwendig, den Körper des Verstorbenen so lange wie nur möglich zu erhalten.

    Daraus ergab sich die Gepflogenheit der Mumifizierung, die in abgestuften Gründlichkeits- und Preiskategorien durchgeführt wurde, sowie die Vorstellung, dass der Tote im Grab weiterlebt und zugleich in einer anderen Welt weilt. Es gab verschiedene Vorstellungen von dieser anderen, jenseitigen Welt: ein entfernter Aufenthaltsort auf der Erde, ein überirdischer Himmel, in den eine Leiter führt - der Verstorbene fährt dort in der Barke des Sonnengottes mit. Eine dritte Vorstellung war der Abstieg in die Unterwelt, wo sich der Verstorbene vor dem Totengericht zu verantworten hat und im günstigen Fall zur Seligkeit zugelassen wird.



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