Rezept über das Internet? Online Kliniken erklärt

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    Die Zahl der Online Kliniken ist in der Vergangenheit stark angestiegen. Dabei haben unterschiedliche Faktoren diesen Entwicklungsprozess beschleunigt. Doch wie wirkt sich dieser Trend auf die Gesellschaft aus und weshalb finden entsprechende Online-Dienste immer mehr Anklang?

    Was sind Online Kliniken?

    Bei Online Kliniken handelt es sich um ärztliche Beratungsstellen im Internet. Patienten können sich mit verschiedenen medizinischen Problemen an entsprechende Anbieter wenden und beraten lassen.

    So wird beispielsweise über Krankheitsbilder wie Übergewicht, Bluthochdruck, Impotenz oder Asthma aufgeklärt und Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten geklärt.

    Auf Seiten wie der OnlineKlinik24.com können sich Patienten über diese Krankheiten und bekannte Behandlungsmethoden informieren. Wird die Online Diagnose erwünscht, kann anschließend ein bekannter Anbieter hierfür besucht werden.

    Im Zweifelsfall können Patienten von Online Kliniken auch an zuständige Fachärzte verwiesen werden, um die hohe Beratungs- und Behandlungsqualität zu gewährleisten.

    So funktionieren Online Klinken

    Um eine Behandlung zu erhalten, füllen Patienten einen Fragebogen aus, welcher anschließend vom Arzt kontrolliert wird. Sind auftretende Krankheitsbilder nach Einschätzung des Mediziners medikamentös behandelbar, so können Ärzte auch über das Internet entsprechende Rezepte ausstellen.

    Da in Deutschland jedoch die Ausgabe und Kontrolle von Medikamenten durch das "Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln" (Arzneimittelgesetz - AMG) vorgeschrieben wird, müssen bei Online Kliniken bestimmte Schritte beachtet werden.

    Über England und den Niederlanden ist dieser Prozess schon seit 2004 üblich. Wurde das Rezept ausgestellt, wird es an eine Versandapotheke weitergeleitet, welche einen versicherten Versand in die Wege leiten kann. Der Kunde erhält somit das benötigte Medikament innerhalb von wenigen Tagen, ohne extra einen Arzttermin ausmachen zu müssen.

    Gesetzliche Grundlagen zur Telemedizin

    Der Bereich, in den solche Online Kliniken fallen, ist die sogenannte Telemedizin. Gemeint ist dabei jegliche Form der medizinischen Diagnostik und Therapie, bei der sich Arzt und Patient nicht persönlich gegenübersitzen, sondern räumlich voneinander getrennt sind.

    Die Absprache erfolgt dabei telekommunikativ, wobei nach § 3 des Telekommunikationsgesetzes "Telekommunikationsanlagen technische Einrichtungen oder Systeme [sind], die als Nachrichten identifizierbare elektromagnetische oder optische Signale senden, übertragen, vermitteln, empfangen, steuern oder kontrollieren können". Somit fällt bereits ein Anruf unter den Aspekt der Telemedizin. Deutlich häufiger findet jedoch der digitale Datenaustausch über das Internet statt.

    Mit dem am 19. Dezember 2019 in Kraft getretenen Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale-Versorgung-Gesetz - DVG) wurde die noch bis 2018 gültige Fassung zum Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert.

    Die aktuell gültige Version der "Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte" gibt in § 7 Abs. 4 MBO-Ä an, dass die ausschließliche Beratung und Behandlung aus der Ferne möglich ist. Trotzdem soll der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient im Vordergrund stehen.

    Faktoren der digitalen Infrastruktur

    Bei Schaffung der für die Telemedizin benötigten Infrastruktur gilt es einige Hindernisse zu überwinden.

    Zunächst einmal müssen Arztpraxen und Online Kliniken Möglichkeiten haben, um digitale Gesundheitstechnologien anbieten können. Dazu benötigen diese entsprechende Soft- und Hardware und müssen Kommunikations- und Datenschutzkonzepte erarbeiten. Hierbei spielt oftmals der finanzielle Aspekt eine große Rolle.

    Gleichermaßen müssen aber auch die Patienten über entsprechende Mittel verfügen. Neben einem Medium wie z. B. einem Smartphone, Tablet oder Computer wird zudem ein zuverlässiger Internetanschluss benötigt. Gerade in ländlicheren Regionen kann dies ein Problem darstellen.

    Schließlich müssen aber vor allem Arzt und Patient über das notwendige Know-how zum Umgang mit digitalen Kommunikationsmedien verfügen.

    Zuletzt wurden jedoch viele solcher Digitalisierungsprozesse durch den globalen Ausbruch des Virus SARS-Cov-2 beschleunigt. Im Rahmen des Social Distancing werden persönliche Kontakte weitgehend vermieden, sodass alltägliche Verfahren zunehmend digital realisiert werden.

    Vor- und Nachteile von Online Kliniken

    Der Nutzen von Online Kliniken und anderen Aspekte der Telemedizin wird noch lange nicht ausgeschöpft. Trotz des großen Interesses ist die Umsetzung der Gesundheitsbranche eher mangelhaft. Dabei bieten Online Kliniken sowohl für den Patienten als auch den Arzt viele Vorteile.

    So werden durch Online Kliniken Arztpraxen entlastet. Patienten, die nur wegen eines Rezepts zum Arzt müssen, können sich auf diese Weise lange Wartezeiten ersparen. Auch Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, können so den Anfahrtsweg zur Arztpraxis vermeiden. Gleichzeitig hat der Arzt durch diese Entlastung mehr Zeit, um sich intensiver um seine physisch anwesenden Patienten zu kümmern. Somit wird die Behandlungsqualität des Arztes gesteigert.

    Diese Vorteile begründen die zunehmende Beliebtheit von Online Kliniken. Aber auch ein weiterer Aspekt hat großen Einfluss. Denn Online Kliniken setzen die Hemmschwelle für eine ärztliche Behandlung niedriger. Online Kliniken sind über das Internet von überall abrufbar. Auch die verhältnismäßig schnelle und einfache Durchführung und Bedienung erleichtert eine Behandlung.

    Dadurch, dass bei Online Kliniken der Kontakt digital stattfindet, wird aber besonders das Schamgefühl herabgesetzt. Gerade bei Beschwerden wie erektiler Dysfunktion schämen sich die Betroffenen oft und greifen daher auf illegale Online Apotheken zurück. Denn der Erwerb von Potenzmitteln bedarf einem ärztlichen Rezept, da entsprechende Arzneien in Deutschland aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen verschreibungspflichtig sind.

    Online Kliniken können genau solche Situationen abdecken und verschreibungspflichtige Medikamente ausstellen, ohne, dass Patienten ihre eigenen vier Wände verlassen müssen. Ihnen wird somit ein Gefühl von Sicherheit und Anonymität gegeben.

    Einsatzbereiche von Online Kliniken

    Mit Online Kliniken kann ein großes Spektrum an Erkrankungen behandelt werden. Behandlungen von Erkrankungen, die sich nicht medikamentös behandeln lassen oder weiterer Therapie bedürfen, müssen jedoch im persönlichen Kontakt mit einem Arzt stattfinden.

    Online Kliniken ersetzen somit nicht die konventionelle persönliche Behandlungsmethode, sondern erweitert diese lediglich. Der Kontakt zwischen Arzt und Patient spielt nämlich trotz allem eine wichtige Rolle. Nicht nur unterscheidet sich eine Online-Beratung von einem persönlichen Gespräch durch die räumliche, sondern auch durch die emotionale Distanz.

    So bietet ein persönliches Gespräch eine gewisse menschliche Nähe, durch welche vertrauliche Gespräche geführt werden können. Dies ist durch digitale Lösungen kaum zu realisieren.

    Die wachsende Beliebtheit von Online Kliniken

    Zusammengefasst basiert das große Interesse an Online Kliniken auf Aspekten wie ihrer orts- und zeitunabhängigen Verfügbarkeit sowie ihrer einfachen Bedienung. Die fehlende persönliche Bindung kann dabei sowohl positiv als auch negativ gewertet werden.

    Dabei ist abzusehen, dass mit zunehmendem Ausbau der digitalen Infrastruktur auch immer mehr Aspekte der Telemedizin im Alltag Anwendung finden werden.

    KALENDERBLATT - 28. Oktober

    1893 Uraufführung der "Pathétique" von Peter Tschaikowski in St. Petersburg.
    1928 Der deutsche Kaiser Wilhelm II. brüskiert die britische Öffentlichkeit durch seine taktlosen Äußerungen in einem im "Daily Telegraph" erschienenen Interview.
    1958 Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli, Patriarch von Venedig, wird als Nachfolger von Pius XII. zum neuen Papst gewählt. Er nimmt den Namen Johannes XXIII. an.



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