Tropenpflanze lockt Fledermäuse durch Echo an
Aus WISSEN-digital.de
Im kubanischen Regenwald hat die Kletterpflanze "Marcgravia evenia" eine ganz besondere Strategie entwickelt, um Fledermäuse als Bestäuber anzulocken: Senkrecht stehende Blätter werden kurzerhand zu Reflektor-Schüsseln umfunktioniert. Denn nachtaktive Fledermäuse orientieren sich nicht anhand ihres Seh- oder Geruchssinnes, sondern durch das Ausstoßen von Ultraschallwellen. Übliche Pflanzenlockstoffe wie Düfte und Blütenfarben sind daher völlig uninteressant für die farbenblinden Tiere.
Die Tropenpflanze "Marcgravia evenia" richtet ihre "Schüsselblätter" so aus, dass ein akustischer Leitstrahl zwischen Fledermaus und Blüte entsteht. Mithilfe ihres Echo-Ortungssystems kann die Fledermaus die Pflanze dann problemlos finden. Britische und deutsche Biologen erforschten nun die Besonderheit der "Schüsselblätter".
Die Forscher bauten die typische Blattstruktur nach und untersuchten, wie sie Fledermäuse beeinflusst. Die Blätter konnten auf die Ultraschallrufe der Tiere ein besonders lautes Echo erzeugen, das sich vom Echosignal anderer Pflanzen deutlich abhob. In weiteren Tests stellte sich heraus, dass die Fledermäuse fähig waren, die "Schüsselblätter" rund 50 Prozent schneller zu finden als andere Blatttypen. Zudem konnten die Blätter unterschiedlichste Frequenzen aus verschieden Richtungen reflektieren. Die Forscher schließen nicht aus, dass auch andere Pflanzenarten solche akustischen Tricks entwickeln werden. Nur einen Nachteil habe die konkave Form der Blätter: Sie sei bei der Fotosynthese eher hinderlich.
Marc Holderied von der University of Bristol fügte hinzu, dass die Echo-Erzeugung der Blätter sowohl für die Pflanze als auch für die Fledermaus von Vorteil seien. Durch die einfach wiederzuerkennenden Signale sei die Nahrungssuche der nektarbegeisterten Tiere wesentlich leichter.
Umgekehrt sorgt die Fledermaus als Pollenüberträger für ein weites Verbreitungsgebiet der "Marcgravia envenia". Die Tropenpflanze steht im Regenwald eher vereinzelt und ist daher auf diese Art der Bestäubung angewiesen.
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