Schweiz (Kunst)

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    Die enge Wechselbeziehung zu angrenzenden Ländern (Italien, Frankreich, Deutschland) führte zur Verschmelzung vielfältiger Stilformen, was die Herausbildung eines eigenen nationalen Kunststils erschwerte.

    Mittelalter

    Vorkarolingische Klostergründung seit dem 5. Jh. (Augustinerabtei St. Maurice, 515 gegründet; Krypta-Teile im St.-Luciusdom von Chur, Graubünden, 6. Jh.); ebenso wurden in karolingischer (und ottonischer) Zeit bedeutende Klöster gegründet, im idealen Plan der St. Gallener Klosteranlage (820) konzeptionell vorgezeichnet (Benediktinerkloster in Münster, Graubünden, 1087 gegründet; St. Martin in Chur, Müstair, Disentis; Wandmalerei, Anfang des 9. Jh.s, St. Johann im Graubündener Münster). In St. Gallen befand sich im 9. Jh. das Zentrum karolingischer Buchmalerei.

    Auf die romanische Architektur wirkte die burgundische, lombardisch-italienische, cluniazensische (oberrheinische) Baukunst (bedeutende Bauwerke: Abteikirche in Schaffhausen, 11./Anfang 12. Jh.; Großmünster in Zürich, 1080-1250; Baseler Münster, z.T. frühes 11. Jh.; überwiegend 1185-1205, Galluspforte 1170; romanische, bemalte Holzdecke, ca. 1130/40, in St. Martin, Zillis); romanische Wandmalerei (ca. 1160-70) in der Nikolauskapelle bei St. Gallen. Aus romanischer Zeit ist weiter Glaskunst erhalten.

    Hauptzentren gotischer Kunst waren höfische Ritterburgen (im 13. Jh.: Champvent, Vufflens, Lucens, Chillon, Tourbillon). Bedeutender Ausdruck gotischer Architektur ist der Sakralbau: Kathedrale von Lausanne (1175-1232), die Kathedrale vom Genf, Notre-Dame-de Valère (Sitten), die Kollegiatskirche in Neuenburg.

    Im Zusammenhang mit der aufblühenden Kunst der Städte entwickelte sich die gotische Glasmalerei (Königsfelden, Chorfenster der Abteikirche, 1225-30). In den Städten Bern, Zürich, Luzern entstanden künstlerische Zentren mit Buchmalerei (Große Heidelberger Liederhandschrift, wahrscheinlich Zürich, um 1320) und Tafelmalerei (Maler Konrad Witz aus Rottweil, seit 1434 in Basel tätig).

    Renaissance

    Italienische und französische Einflüsse wurden verarbeitet; in der Malerei nur wenige bedeutende Künstler, darunter zu Beginn des 16. Jh.s Hans Holbein der Jüngere (aus Augsburg) in Basel und in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s T. Stimmer aus Schaffhausen (Fassadenmalerei, Haus zum Ritter, Schaffhausen, 1567-70); allerdings hatte die Glas- und Wandmalerei dieser Zeit mit Urs Graf (Basel), N. Manuel (Bern), Hans Leu (Zürich) eine spezielle schweizerische Blüte (ebenso Druckgrafik). Eine Besonderheit der schweizerischen Renaissancekunst sind die Kabinettscheiben (Solothurn, 1470 ff.).

    Die Profanarchitektur entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s (Ausnahme: Basel mit Stadttoren, Brunnen, Rathaus bereits seit 1504 ff.); durch Aufblühen städtischer Kultur entstand ein typischer Renaissancestil in der profanen Baukunst (Befestigungsanlagen mit repräsentativen Toren, Rathäusern (in Murten, Romont, Solothurn, Luzern, Schaffhausen), mit Zunfthäusern (in Basel Geltenzunfthaus, 1578, und Spißhof, um 1580), mit Patrizierhäusern (Ritterscher Palast in Luzern, 1556-61; Stockalper Palast in Brig, 1658-78). Arkadengänge und Brunnen finden sich in Luzern, Bern, Freiburg.

    Die Sakralarchitektur schuf bemerkenswerte Kirchen (Lugano, S. Lorenzo; Hofkirche in Luzern u.a.). Basel wurde führendes Zentrum der Goldschmiedekunst, und auch die Holzschnitzkunst entwickelte sich.

    17. bis 20. Jahrhundert

    In der Baukunst Aufschwung in der zweiten Hälfte des 17. Jh.s; der barocke Kirchenbau wurde durch die Vorarlberger Schule (Baumeister K. Moosbrugger, P. Thumb u.a.; prunkbetonter Spätbarock) beeinflusst (monumentale Bauten von Einsiedeln und St. Gallen); viele bedeutende italienische Baumeister des Barock kamen aus dem Tessin (F. Borromini, D. und C. Fontana, C. Maderno). Als neuer protestantischer Kirchentyp wurde ein Zentralbau geschaffen, der bis ins 19. Jh. wirkte.

    Bedeutende Maler des 18. und 19. Jh.s wirkten oft im Ausland (so A. Graff, J.E. Liotard, J.H. Füssli, A. Böcklin). Mit der Erschließung der Alpenwelt im 18./19. Jh. entstand eine typisch schweizerische, romantische Landschaftsmalerei (C. Wolff, A. Calame, D. Hess, H. Wüest; Ansätze schon bei K. Witz), die in die europäische, realistische Landschaftsmalerei des 19. Jh.s mündete. Über die Schweiz hinaus wurde F. Hodler bekannt, ein Wegbereiter des Jugendstils mit sezessionistischer Historien- und gewaltiger Wandmalerei. Die Neutralitätspolitik der Schweiz bot vielen Künstler(bewegunge)n Asyl; so ging die Dada-Bewegung 1916 von Zürich aus. Paul Klee wirkte von der Schweiz aus auf die Entwicklung moderner Kunst.

    Führende Bildhauer des 20. Jh.s kommen aus der Schweiz (A. Giacometti, M. Bill, B. Luginbühl, J. Tinguely); der Architekt Le Corbusier, der überwiegend im Ausland arbeitete, ist Schweizer (Genf, Maison Chaté, 1930).

    Die schweizerische Profanarchitektur des 20. Jh.s schuf bekannte Terassensiedlungen (bei Bern, Siedlung Halen, 1959-61, Gruppe Atelier 5; in Zug, 1957-60, Stucki und Meuli; Mühlenhalde, 1966, Scherer, Strickler, Weber) und Schulbauten (D. Schnebli).

    Die verschiedenen Richtungen moderner Kunst sind auch in der schweizerischen Kunst vertreten, so u.a. Objektkunst (D. Spoerri), Konzeptkunst (D. Roth), surrealistische Zeichnungen (A. Thomkins), konkrete Kunst (K. Gerstner), neuer Realismus (F. Eggenschwiler), Fotorealismus (F. Gertsch), Lichtkinetik (C. Megert).



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