Zwei Jahre Cannabis-Teillegalisierung in NRW: Bilanz 2026 zeigt Licht und Schatten

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    Cannabisgesetz in Nordrhein-Westfalen: Welche Auswirkungen hat die Teillegalisierung nach zwei Jahren?

    Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen teilweise legal. Erwachsene dürfen begrenzte Mengen Cannabis besitzen, konsumieren und für den Eigenbedarf anbauen. Zudem wurden sogenannte Cannabis-Anbauvereinigungen eingeführt, die ihren Mitgliedern legal angebautes Cannabis zur Verfügung stellen dürfen.

    Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes liegt nun ein wissenschaftlicher Zwischenbericht vor. Forschende der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Universitätsmedizin Düsseldorf sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf haben die bisherigen Auswirkungen der Reform untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Die Teillegalisierung hat sowohl positive als auch kritische Entwicklungen hervorgebracht.

    Kein deutlicher Anstieg des Cannabis-Konsums

    Eine der zentralen Erkenntnisse des Berichts lautet, dass bislang kein Anstieg des Cannabis-Konsums festgestellt werden konnte, der eindeutig auf die Reform zurückzuführen ist.

    Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Befürchtungen vieler Kritiker bisher nicht eingetreten sind. Trotz der erleichterten Verfügbarkeit von Cannabis sei kein signifikanter Konsumzuwachs unter Erwachsenen erkennbar.

    Gleichzeitig stellen die Forschenden fest, dass der private Eigenanbau moderat zugenommen hat. Dies könnte dazu beitragen, die Einnahmen krimineller Strukturen zu reduzieren und den illegalen Markt langfristig zu schwächen.

    Cannabis-Schwarzmarkt weiterhin stark präsent

    Ein wichtiges Ziel des Cannabisgesetzes war die Zurückdrängung des Schwarzmarktes. Die Bilanz fällt hier jedoch gemischt aus.

    Laut Zwischenbericht spielen die Cannabis-Anbauvereinigungen bislang nur eine untergeordnete Rolle bei der Verdrängung illegaler Händler. Zwar hat sich die Zahl der zugelassenen Vereine in Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Jahres verdoppelt, dennoch reicht das legale Angebot bislang nicht aus, um den Schwarzmarkt nachhaltig zu verdrängen.

    Zudem berichten Ermittler der Kriminalpolizei, dass die Strafverfolgung illegaler Cannabis-Händler seit der Reform schwieriger geworden sei. Die Unterscheidung zwischen legalem und illegalem Cannabis bereite in der Praxis erhebliche Probleme.

    Deutlicher Rückgang der Cannabis-Delikte in NRW

    Die Kriminalstatistik zeigt allerdings einen bemerkenswerten Effekt: Die Zahl der registrierten Cannabis-Straftaten ist in Nordrhein-Westfalen deutlich gesunken.

    Zwischen 2024 und 2025 ging die Anzahl der Delikte im Zusammenhang mit Cannabis um rund 50 Prozent zurück. Insgesamt wurden zuletzt etwa 9.700 Fälle registriert – rund 12.000 weniger als im Vorjahr.

    Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass dieser Rückgang nicht zwangsläufig eine tatsächliche Verringerung der illegalen Aktivitäten bedeuten müsse. Vielmehr könnten veränderte rechtliche Rahmenbedingungen und Kontrollmöglichkeiten eine Rolle spielen.

    Hoher Arbeitsaufwand für Justiz und Behörden

    Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes wurde auch eine Amnestie für zahlreiche frühere Cannabis-Verurteilungen beschlossen.

    Allein in Nordrhein-Westfalen mussten nach Angaben des Justizministeriums mindestens 86.000 Verfahren manuell überprüft werden. Dies führte zu einem erheblichen Mehraufwand bei Staatsanwaltschaften und Gerichten.

    Trotzdem bewertet NRW-Justizminister Benjamin Limbach die Reform insgesamt positiv. Das frühere vollständige Verbot habe den Konsum nicht verhindert, gleichzeitig jedoch viele ansonsten unbescholtene Bürger kriminalisiert.

    Nach seiner Einschätzung wird der Wegfall zahlreicher Bagatellverfahren die Justiz langfristig entlasten und mehr Ressourcen für die Bekämpfung organisierter Drogenkriminalität freisetzen.

    Cannabis-Anbauvereine in NRW: Wachstum mit Hindernissen

    Ein zentraler Bestandteil des Cannabisgesetzes sind die Anbauvereinigungen.

    Aktuell existieren in Nordrhein-Westfalen 121 genehmigte Cannabis-Clubs. Bundesweit gibt es derzeit 366 zugelassene Vereinigungen, sodass fast ein Drittel davon in NRW angesiedelt ist.

    Insgesamt wurden bei den fünf Bezirksregierungen des Landes 214 Anträge auf Zulassung eingereicht. Die meisten Anträge stammen aus den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Arnsberg.

    Viele Initiatoren kritisieren jedoch die langwierigen Genehmigungsverfahren. Teilweise dauere die Zulassung mehrere Monate und sei mit hohen bürokratischen Hürden verbunden.

    Die Forschenden empfehlen daher eine Vereinfachung der gesetzlichen Vorgaben, um den legalen Markt zu stärken und den Schwarzmarkt effektiver zurückzudrängen. Das NRW-Gesundheitsministerium sieht derzeit allerdings keinen Anlass für entsprechende Erleichterungen.

    Medizinalcannabis: Wissenschaftler warnen vor Online-Boom

    Besonders kritisch betrachten die Autoren des Berichts die Entwicklung im Bereich Medizinalcannabis.

    Seit der Reform ist der Import von medizinischem Cannabis stark gestiegen. Zwischen 2024 und 2025 nahm die Einfuhr um 198 Prozent zu. Die größten Lieferländer sind Kanada, Portugal und Nordmazedonien.

    Problematisch sei vor allem die zunehmende Verbreitung von hochpotenten Cannabisblüten über Online-Plattformen, Internetärzte und Versandapotheken. Viele dieser Produkte weisen einen THC-Gehalt von durchschnittlich rund 25 Prozent auf.

    Die Forschenden warnen davor, dass hochdosierte Cannabisprodukte mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen verbunden sein können. Deshalb sollten solche Präparate nicht routinemäßig verschrieben werden.

    Darüber hinaus kritisieren die Experten aggressive Werbemaßnahmen einiger Anbieter, die teilweise gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen könnten. Als Gegenmaßnahme schlagen sie eine gesetzliche Begrenzung des THC-Gehalts in verschreibbaren Cannabisprodukten vor.

    Kinder- und Jugendschutz bleibt Baustelle

    Auch beim Schutz von Kindern und Jugendlichen sehen die Wissenschaftler erheblichen Handlungsbedarf.

    Obwohl der Jugendschutz ausdrücklich zu den Zielen der Cannabis-Reform gehörte, nehmen junge Konsumenten heute deutlich seltener Beratungsangebote wahr als vor der Gesetzesänderung.

    Als Ursache nennen die Forschenden den Rückgang von Frühinterventionskursen und Präventionsangeboten. Gleichzeitig sei die ambulante Suchthilfe vielerorts finanziell unzureichend ausgestattet.

    Die Experten empfehlen daher eine stärkere finanzielle Förderung von Präventions- und Beratungsstrukturen, um Jugendliche besser vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.

    Gesundheitsminister Laumann fordert Nachbesserungen

    NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bleibt einer der schärfsten Kritiker des Cannabisgesetzes.

    Nach seiner Einschätzung weist die aktuelle Gesetzesfassung erhebliche Mängel auf. Insbesondere beim Jugend- und Gesundheitsschutz sowie bei der Bekämpfung des Schwarzmarktes seien die angestrebten Ziele bislang nur schwer erreichbar.

    Besondere Sorge bereitet dem Ministerium die Möglichkeit, Cannabis-Produkte unkompliziert über das Internet zu bestellen. Gleichzeitig verweist das Ministerium darauf, dass bereits vor der Teillegalisierung ein problematischer Anstieg des Cannabis-Konsums in Nordrhein-Westfalen zu beobachten gewesen sei.

    Polizei sieht neue Herausforderungen durch die Legalisierung

    Auch Vertreter der Polizei äußern weiterhin Kritik.

    Oliver Huth, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), warnt vor einem Anstieg illegaler Cannabis-Plantagen, die zunehmend von professionell organisierten Banden betrieben würden.

    Darüber hinaus berichten Ermittler von steigenden illegalen Importen, insbesondere aus Kanada. Nach Angaben des BDK treten mittlerweile neue kriminelle Akteure auf dem Markt auf, die teilweise mit erheblicher Gewalt agieren.

    Ein weiteres Problem sei die fehlende Möglichkeit, legales und illegales Cannabis im Straßenalltag eindeutig voneinander zu unterscheiden.

    Fazit: Cannabis-Teillegalisierung zeigt gemischte Bilanz

    Zwei Jahre nach der Einführung des Cannabisgesetzes fällt die Bilanz in Nordrhein-Westfalen differenziert aus. Positiv hervorzuheben sind der Rückgang der Cannabis-Delikte, die Entlastung der Justiz sowie das Ausbleiben eines deutlichen Konsumanstiegs.

    Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen beim Kampf gegen den Schwarzmarkt, bei der Regulierung von Medizinalcannabis und beim Schutz von Kindern und Jugendlichen.

    Die wissenschaftliche Evaluation zeigt, dass die Teillegalisierung weder die von Befürwortern erhofften noch die von Kritikern befürchteten Auswirkungen vollständig bestätigt. Vielmehr deutet sich an, dass das Cannabisgesetz in den kommenden Jahren gezielt nachgebessert werden muss, um seine ursprünglichen Ziele besser zu erreichen.