Wenn die Wege weiter werden: Familienleben im demografischen Wandel

    Aus WISSEN-digital.de

    Früher war es oft so, dass man im gleichen Ort oder zumindest in der Nähe der Eltern gewohnt hat. Man machte seine Ausbildung in der Umgebung und blieb in der vertrauten Heimatregion. Dort fand man dann auch einen Job und baute sich sein eigenes Leben auf. Heute sieht der Alltag oft anders aus. Man studiert oder bildet sich in einem anderen Bundesland fort, geht für ein Jahr ins Ausland oder wechselt für den Job in eine andere Stadt. Dadurch wachsen die räumlichen Entfernungen innerhalb der Familie, und zurück bleiben meist die Eltern, die immer älter werden. Das erschwert den Kontakt und die Möglichkeiten da zu sein, wenn Hilfe benötigt wird.

    Die Herausforderung: Hilfe auf Distanz organisieren

    Wenn die Eltern alltägliche Dinge im Alter nicht mehr so einfach bewältigen können und man selbst weit entfernt vom Elternhaus wohnt, kann man nicht mal eben zum Einkaufen, Rezepte-Abholen oder Putzen vorbeifahren. Dann versucht man das Nächstliegende, nämlich die Wochenenden für Besuche oder Erledigungen zu nutzen. Auf Dauer raubt das aber viel Energie und lässt sich schwer mit dem eigenen Beruf und Familienleben vereinbaren.

    Am besten ist es in diesen Fällen, dass man sich rechtzeitig nach Helfern vor Ort umsieht. Das fängt bei einfachen Dingen wie einem Mahlzeitendienst oder einer Haushaltshilfe an. Wenn der Unterstützungsbedarf größer wird und man das gewohnte Zuhause erhalten möchte, lässt sich beispielsweise auch eine 24 Stunden Betreuung zu Hause organisieren. So ist verlässlich jemand vor Ort, und der Alltag läuft geregelt weiter. Wichtig ist es, dass man solche Themen nicht erst dann angeht, wenn es schon zu spät ist und vielleicht ein akuter Notfall eingetreten ist. Eine frühzeitige Planung nimmt auf jeden Fall den Druck aus der ganzen Situation.

    Digitale Brücken für mehr Nähe

    Wenn die räumliche Trennung groß ist, muss man neue Wege finden, um weiterhin am Leben der Eltern oder Familienangehörigen teilzuhaben. Da reicht das klassische Telefonat am Sonntag nicht mehr aus. Smartphones und Tablets mit den entsprechenden Apps bieten heute viele Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren gar nicht denkbar waren.

    Man teilt Fotos oder verabredet sich zum Videoanruf. Gerade für die ältere Generation sind solche Technologien mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Hilfreich ist es, wenn man die Geräte gemeinsam einrichtet und die Bedienung übt. Auf diese Weise schafft man eine digitale Brücke, die solche Distanzen im Alltag schrumpfen lässt.

    Eine schöne Art, aus der Ferne aktuelle Fotos zu schicken, sind digitale Bilderrahmen. So sieht man jeden Tag, was beispielsweise die Enkelkinder gerade erleben.

    Rituale schaffen und pflegen

    Wenn man sich trotz Distanz nicht aus den Augen verlieren möchte, helfen auch feste Gewohnheiten. So kommt man erst gar nicht in die Routine, sich darauf zu verlassen, dass der andere sich schon melden wird. Die Wochen vergehen, ohne dass man wirklich miteinander gesprochen hat. Genau hier setzen die festen Rituale an, weil sie Sicherheit und Struktur geben. Man weiß genau, wann man sich austauscht und nimmt sich dafür bewusst Zeit. So bleibt man Teil der Familie, auch wenn man hunderte Kilometer entfernt wohnt. Erprobte Tipps helfen dabei, den Zusammenhalt über Entfernungen hinweg aufrechtzuhalten:

    • Feste Telefonzeiten vereinbaren: Jeder Donnerstag um eine bestimmte Zeit ist reserviert, um eine halbe Stunde zu Quatschen.
    • Gemeinsame digitale Spiele nutzen: Viele Smartphone-Apps ermöglichen, dass man wunderbar zeitversetzt miteinander spielen kann.
    • Traditionen beibehalten: Man kann vielleicht nicht alle Feiertage miteinander verbringen, aber zum Beispiel zeitgleich das gleiche Rezept kochen oder Bilder austauschen.
    • Der Familien-Newsletter: Einmal im Monat werden die wichtigsten Ereignisse aller Familienmitglieder zusammengefasst und per Mail oder Chat versendet.
    • Gemeinsame Urlaube: Man mietet sich einmal im Jahr zusammen ein großes Ferienhaus in der Mitte oder an einem schönen Ort, wo alle Familienmitglieder zusammenkommen.