Volkszählung

    Aus WISSEN-digital.de

    auch: Zensus;

    Per Gesetz angeordnete, periodische Ermittlung der Bevölkerung eines Landes und ihrer Gliederung nach bestimmten Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Konfession, Heimat und Beruf. Die Daten der Volkszählung bilden die Grundlage der Bevölkerungsstatistik. In der Bundesrepublik Deutschland wurden bisher 1950, 1961, 1970, 1987 und 2011, in der DDR 1950, 1964 und 1971 Volkszählungen durchgeführt.

    Verfahren der Volkszählung

    Es gibt verschiedene Verfahren der Volkszählung. Bei der klassischen Volkszählung geben alle Bürger per Fragebogen Auskunft. Bei einer rollierenden Volkszählung werden in kürzeren Abständen, meist jährlich, kleinere Teile der Bevölkerung befragt. Ohne direkte Befragung läuft der Registerzensus ab, bei dem auf die Daten der Melderegister zugegriffen wird. Beim Mikrozensus wiederum wird nur eine sehr kleine Anzahl der Bürger befragt, nur etwa ein Prozent der Bevölkerung, und das Ergebnis wie bei der rollierenden Volkszählung auf die Gesamtheit hochgerechnet.

    Bei der registergestützten Befragung werden Daten aus einer Befragung eines Teils der Bevölkerung mit den Informationen der Meldebehörden abgeglichen und die Fehlerquote auf die Gesamtheit hochgerechnet. Es handelt sich also weder um einen reinen Registerzensus, bei dem nur die Meldedaten herangezogen werden, noch um eine klassische Volkszählung, bei der Daten aller Einwohner erhoben werden.


    Geschichte der Volkszählung

    Altertum bis Neuzeit

    Überlieferungen über erste Volkszählungen gehen bis weit vor Christi Geburt, die Älteste lässt sich für etwa 2.700 v.Chr. in Ägypten belegen. Erste regelmäßige Volkszählungen fanden ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. im Römischen Reich statt.

    Die berühmteste Volkszählung des Altertums wird in der Bibel geschildert. Auf Anordnung des römischen Kaisers Augustus muss sich jeder in die Steuerlisten seiner Heimatstadt eintragen. Aus diesem Grund begeben sich Maria und Josef nach Bethlehem. Der Wahrheitsgehalt dieser Erzählung ist allerdings umstritten.

    Im Mittelalter gab es nur vereinzelte Volkszählungen. Bis dahin wurden Volkszählungen auch lediglich zur Erfassung wehrfähiger Männer oder der Schätzung des Steueraufkommens durchgeführt. Detailliertere Informationen werden erst seit der Neuzeit und vor allem der Moderne erhoben, begünstigt durch die technischen Möglichkeiten moderner Datenverarbeitung.

    Moderne

    Seit etwa 1800 werden in allen entwickelten Ländern regelmäßige und detaillierte Volkszählungen durchgeführt. Da sich langsam Melderegister durchsetzen, kommt es vermehrt zu registergestützten Volkszählungen, bei denen nicht mehr die gesamte Bevölkerung befragt werden muss.

    Im Deutschen Kaiserreich ab 1871 wurden bereits regelmäßig alle fünf Jahre Volkszählungen durchgeführt, während des 1. Weltkrieges in unregelmäßiger Abfolge. Während der Herrschaft Adolf Hitlers wurde die Volkszählung dazu missbraucht, Informationen über die ethnische Herkunft der Bevölkerung zu sammeln. Nach dem 2. Weltkrieg wurden von den Siegermächten Volksbefragungen abgehalten, um die Kriegsfolgen abschätzen zu können.

    Im Nachkriegsdeutschland gab es 1950, 1961, 1970, 1987 und 2011 Volkszählungen, in denen zugleich Informationen zu Arbeits- und Wohnungssituation abgefragt wurden.

    Besondere Bedeutung erlangte dabei die Volkszählung 1987. Bereits für 1981 geplant, musste die Volkszählung zunächst aufgrund finanzieller Unklarheiten auf 1983 verschoben werden. Gleichzeitig erfuhr die Befragung erheblichen außerparlamentarischen Widerstand in Form von Protesten und Demonstrationen, der in einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht endete. Das Bundesverfassungsgericht gab der Klage mit Verweis auf die informelle Selbstbestimmung statt. Daraufhin mussten die Fragebögen geändert werden und die Volkszählung konnt erst 1987 durchgeführt werden. Dies war die letzte Volkszählung in Deutschland bis 2011, auch nach der Wiedervereinigung wurde keine bundeseinheitliche Volkszählung durchgeführt.

    Bei der Volkszählung 2011 wurde nicht mehr jeder Einwohner Deutschlands befragt wie 1987, sondern nach dem Verfahren einer registergestützten Volksbefragung nur noch rund zehn Prozent. Der Zensus 2011 ging nicht allein auf nationale Gesetzgebung zurück, sondern auch auf eine EU-Verordnung. Erstmals wurden europaweit Daten ermittelt, die sich auf einen gemeinsamen Stichtag beziehen.

    KALENDERBLATT - 5. Oktober

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