Verhütung im Lauf der Geschichte: Wo stehen wir heute?

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    Kondom, Pille, Spirale und Co. die Vielfalt der Verhütungsmethoden, wie wir sie heute kennen, war lange keine Selbstverständlichkeit. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Geschichte der Verhütungsmittel bis in die Antike zurückreicht und lange von Unkenntnis begleitet war. Moderne Entwicklungen im Gesundheitswesen wie die Telemedizin sind Grund genug, sich einmal näher mit der Geschichte der Verhütung und ihrem aktuellen Stand auseinanderzusetzen.

    Von der Antike bis in die Gegenwart

    Bis zur Entwicklung zuverlässig wirksamer Verhütungsmittel war es zwar ein langer Weg. Doch schon seit der Antike zeigten sich die Menschen in diesem Bereich durchaus erfinderisch. Zu Beginn setzte man auf verschiedene Barrieremethoden, um das Eindringen der Spermien beziehungsweise eine Befruchtung zu verhindern. Von ersten Kondomen aus Tierdärmen oder Schwimmblasen von Fischen bis hin zu vaginal eingeführten Hilfsmitteln wie in Essig getränkten Schwämmen war je nach Kulturkreis vieles vertreten.

    Dabei spielten auch die jeweiligen Glaubensrichtungen eine große Rolle. Natürlich herrschte viel Irrglauben vor, wie beispielsweise, dass bestimmte Positionen beim Geschlechtsverkehr eine mögliche Schwangerschaft unterbinden oder fördern könnten.

    Hier ein Überblick über die Meilensteine der Verhütungsmittel im Lauf der Jahrhunderte:

    • Antike und Mittelalter: Kondome aus Schwimmblasen oder Tierdärmen, in Sud getränkte Schwämmchen (beispielsweise Pflanzensud, Honig oder Olivenöl)
    • Neuzeit ab 19. Jahrhundert: Scheidenspülung mit Zusätzen zum Abtöten der Spermien, neue Kondome aus Leinen oder Baumwolle
    • um 1850: erste Sterilisationen an Frauen
    • 1855: erstes Kondom aus Gummi
    • 1880: erstes Latex-Kondom
    • 1885: erstes Diaphragma
    • um 1890: erste Sterilisation an Männern
    • 1895: erste chemische Verhütungsmittel
    • 1920: erste Spirale aus Seidenfaden und Silberdraht; erfunden von Dr. Ernst Gräfenberg, dem Entdecker des weiblichen G-Punkts
    • ebenfalls ab 1920: auf der Berechnung der fruchtbaren Tage während des weiblichen Zyklus basierende Verhütung; bekannt aus dieser Zeit ist die Knaus-Ogino-Methode
    • 1934: erstmalige Beschreibung des Pearl-Index, die Klassifizierung von Verhütungsmitteln anhand der Anzahl der trotz Verhütung auftretenden Schwangerschaften. Basis dafür ist die Zahl 100 für die Anzahl an Frauen, gerechnet auf ein Jahr. Werden also von 100 Frauen zwei innerhalb eines Jahres schwanger, liegt der Pearl-Index bei 2.
    • 1938: erste gelungene künstliche Herstellung des Hormons Östrogen durch die deutsche Pharmafirma Schering
    • 1960: Zulassung der ersten Pille in den USA
    • 1985: erste "Pille danach"

    Diese Verhütungsmethoden gibt es mittlerweile:

    • hormonelle Verhütungsmittel: künstlich hergestellte Hormone in Form von Pille oder Mikropille, Hormonspirale, Vaginalring, Verhütungsstäbchen, Verhütungspflaster, Drei-Monats-Spritze; Sonderfall: "die Pille danach" als Notfallverhütung
    • mechanische Verhütungsmittel: auch Barrieremethoden genannt, Kondom, Femidom (Frauenkondom), Diaphragma, Kupferspirale, Kupferkette, Kupferperlenball
    • chemische Verhütungsmittel: Spermien-abtötende Substanzen in Form von Gelen, Cremes, Schaum, Vaginalfilm oder Scheidenzäpfchen
    • Sterilisation: endgültige Verhütung durch Durchtrennen der Samenleiter beim Mann oder Eileiter bei der Frau

    Achtung: Trotz der Vielfalt in der modernen Verhütung gibt es bislang außer dem Kondom kein einziges Verhütungsmittel, das vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützt. Gleichzeitig handelt es sich neben der Sterilisation um das einzige vom Mann angewandte Verhütungsmittel. Bei allen Alternativen ist Verhütung bislang "Frauensache" und damit immer ein Eingriff in die weibliche Sexualität.

    Moderne Verhütung im Zusammenhang mit Telemedizin

    In jüngster Vergangenheit haben die digitalen ärztlichen Angebote in Form von Online-Sprechstunden zugenommen. Auch der Bereich der Gynäkologie bildet dabei keine Ausnahme. Im Zusammenhang mit Verhütung lässt sich zudem eine verstärkte Online-Nachfrage nach der Verschreibung von Antibabypillen feststellen. Mehrere Faktoren liefern eine Erklärung hierfür. So erleichtern Online-Sprechstunden beispielsweise die Verfügbarkeit der medizinischen Beratung. Auch die Zeitersparnis spielt bei der Nachfrage eine wichtige Rolle. Das Einsparpotenzial bei Termine ohne physische Untersuchungen liegt im Leben einer Frau bei ca. 60 Stunden (Berechnung einer Fernarzt-Studie). Gleichzeitig ist die Nachfrage nach der Pille aber insgesamt zurückgegangen, obwohl sie laut Statistik immer noch das meistgenutzte Verhütungsmittel in Deutschland darstellt.

    Verhütung von damals bis heute: Was hat sich verändert?

    Vielfalt, Beschaffenheit und Sicherheit zählen zu den wichtigsten Faktoren, die moderne Verhütungsmethoden von damaligen Verhütungsmitteln abgrenzen. Die Weiterentwicklung scheint zu stagnieren, da es bislang zwar Forschungen bei bekannten Verhütungsmethoden, aber noch keine wirklichen Neuheiten gibt. Zu beobachten ist allerdings eine Entwicklung beim digitalen Angebot der Gesundheitsversorgung. So lässt sich absehen, dass die Telemedizin mit einem größerer werdenden Angebot an Online-Sprechstunden weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das gilt auch in Bezug auf das Thema Verhütung.

    KALENDERBLATT - 27. Oktober

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