Sozialistischer Realismus

    Aus WISSEN-digital.de

    Unter sozialistischem Realismus versteht man eine kunstpolitische Konzeption und ideologisch begründete künstlerische Methode sozialistischer Kunst. Diese wurde 1932 als Richtlinie für Kunst, die in der UdSSR geschaffen wurde, beschlossen.

    Entstehung und Entwicklung

    Der Begriff wurde durch Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU (23. April 1932) für die offizielle sowjetische Literatur, bildende Kunst, Musik und Filmkunst zur verbindlichen Theorie und Methode erklärt und auf dem 1. Kongress der sowjetischen Schriftsteller (1934) definiert. Laut dieser Erklärung war er dem Realismus verpflichtet und stand in der Tradition französischer und deutscher Kunst aus der Zeit bürgerlicher Revolutionen (2. Hälfte des 19. Jahrhunderts) sowie belgischer und englischer Kunst des 19. Jahrhunderts und sozialistischer Kunst seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Die Sujets, die Bedingungen der Kunstproduktion und die angestrebte Wirkung des sozialistischen Realismus waren der Überwindung der dargestellten Realität im Sinne einer sozialistischen Konzeption verpflichtet. Vom Künstler wurde Parteilichkeit verlangt, die sich auch auf Politik und Programmatik der kommunistischen Partei erstreckte. Vor diesem Hintergrund wurde der sozialistische Realismus insbesondere unter Stalin und Schdanow (1934-38 verantwortlich für Bildungsreform und ab 1944 für die politisch-ideologische Ausrichtung der sowjetischen Kunst) zu einem dogmatischen, doktrinären Instrument, dessen Produkte den Personenkult förderten und auf einen kritischen Standpunkt zum realen Sozialismus völlig verzichteten.

    Der sozialistische Realismus, nach 1945 als Kunstdoktrin von den anderen sozialistischen Staaten übernommen, konnte sich jedoch nicht von staatlichem Druck zur Dogmatisierung und von (unterschiedlich rigider) staatlicher Bevormundung emanzipieren, obwohl viele Künstler ihn als angemessenen Ausdruck ihres sozialistischen Engagements sahen, das von ihrer künstlerischen Arbeit nicht getrennt werden konnte. Nach Stalins Tod (1953) durften die politisch-ideologischen und methodischen Kriterien des sozialistischen Realismus mehr und mehr kritisiert werden.

    Durch zunehmend kritische Aufarbeitung des Dogmatismus des sozialistischen Realismus wurde die starre Bindung an die realistische Form überwunden, so dass neben bildhaft-figürlicher Allegorie auch abstrakte Bildzeichen Eingang fanden. Mit Auflösung des sozialistischen Staaten- und Gesellschaftssystems in Europa endete die staatliche und doktrinäre Bevormundung der Kunst.

    Bekannte Künstler

    Prominente Maler des sozialistischen Realismus waren in der Sowjetunion: I.I. Brodski, A.M. Gerassimow, A.A. Deineka; als Bildhauer schuf sich I. Muchina mit pathetischen Werken einen Namen. In der DDR entwickelte sich seit Ende der 1960er Jahre ein spezieller Ausdruck des sozialistischen Realismus in den Werken von W. Sitte, B. Heisig, W. Mattheuer, W. Tübke u.a., die Einflüsse des Spätimpressionismus und der Neuen Sachlichkeit verarbeiteten oder gar (wie Tübke) Stilelemente der Renaissance und des Barock mit einbezogen.

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