Schifffahrt

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    Allgemeines

    Bereich der Verkehrstechnik; umfasst den erwerbsmäßigen Transport von Personen oder Gütern mit Schiffen. Fortbewegungsmittel sind insbesondere Segelschiffe, Motorschiffe oder Luftkissenfahrzeuge.


    Neben dem Verkehr auf dem Land und in der Luft bildet die Schifffahrt einen wesentlichen Bestandteil des Verkehrswesens. Träger der Schifffahrt sind Einzelreeder mit mehreren Schiffen, Reedereien oder der Staat.

    Einteilung

    Die Schifffahrt untergliedert sich in Linienschifffahrt, Trampschifffahrt, industrielle Schifffahrt und Tankschifffahrt. Der Linienverkehr folgt einem regelmäßigen Fahrplan. Trampschiffe verkehren unregelmäßig und befördern meist nur geringwertige Fracht wie Kohle, Holz oder Getreide für einen einzelnen Absender. In der industriellen Schifffahrt eingesetzte Frachter gehören großen Unternehmen, die damit die nötigen Transporte durchführen. Tanker gehören dem Befrachter oder werden von ihm gemietet; so genannte Supertanker transportieren zumeist Rohöl. Heute ist die Schifffahrt auf Grund der ökologischen Katastrophen, die durch Tanker ausgelöst werden, problematisch geworden.

    Nach den befahrenen Gewässern unterscheidet man Binnenschifffahrt und Seeschifffahrt. Ein Großteil der weltweiten Schifffahrt geschieht über Binnenwasserstraßen. Ein weiterer Teil des Schiffsverkehrs folgt festgelegten Seerouten, so genannten Seewasserstraßen.

    Geschichte

    Vor- und Frühgeschichte

    Die Erfindung des Schiffes wird (ähnlich die des Ackerbaus) bei den verschiedenen Völkern mythologischen Gestalten zugeschrieben: Gilgamesch bei den Babyloniern, Pallas Athene bei den Griechen, Odin bei den Germanen.

    In vorgeschichtlicher Zeit verwendete man Einbäume, ausgehöhlte Baumstämme, denen später der Kiel zugefügt wurde.

    Altertum

    Im Altertum war Ägypten zunächst führend in der Schifffahrt (zwei Sonnenbarken des Cheops 1954 entdeckt; bereits im 3. Jt. v.Chr. Seeverkehr nach Palästina, Kreta und zur afrikanischen Ostküste). Die Schiffe waren zunächst noch ohne Kiel und Spanten, der Rumpf der Seeschiffe durch ein Sprengtau vom Mast über Heck und Bug gesichert. An einem Pfahlmast war ein viereckiges Rahsegel befestigt, die Steuerung geschah mit einem fest eingehängten Seitenruder.

    Ab 1500 v.Chr. wurden die Phöniker zum führenden Seefahrervolk, das sich erstmals auf die offene See wagte und dessen Flotten von den großen Landmächten (Assyrien, Persien) in Dienst genommen wurden. Ihr Schiffbau wurde begünstigt durch das Holz des Libanon; mit Langholz bauten sie Schiffe auf Kiel und Spanten.

    Das älteste erhaltene phönizische Schiff stammt aus der Zeit um 1200 v.Chr. (Wrack bei Zypern).

    Bereits zu dieser Zeit erfolgte die Ausbildung der beiden Grundtypen des Schiffs: Das Langschiff, schlank und schnittig, wurde mit Ruderkraft bewegt und diente dem Seekrieg und Postverkehr. Das breite und kurze Rundschiff war für den Frachtverkehr bestimmt. Die Entwicklungslinie des Langschiffes führte über die Ruderschiffe der Griechen und Römer, die Wikingerboote, die Galeeren der italienischen Seehandelsrepubliken des Mittelalters zu den Fregatten, Klippern und Vollschiffen der Neuzeit. Beispiele für die Rundschifftypen sind die Koggen der Hanse, die Karavellen der Entdecker, die niederländischen Ostindienfahrer u.a.

    Eine selbstständige griechische Leistung war um 700 v.Chr. die Erfindung der allen bisher bekannten Schiffstypen an Schnelligkeit und Beweglichkeit überlegenen, bis 40 m langen Triere (Dreiruderer, d.h. drei Ruderbänke nach Außenbord gestaffelt übereinander). In den Diadochenreichen (um 323 v.Chr.) konstruierte man Vier-, Fünf- und Mehrruderer, deren Bezeichnung vermutlich nicht mehr von der Zahl der Ruderreihen übereinander abgeleitet wird, sondern von der erhöhten Zahl der Rudermannschaften an einem Riemen; in den Quellen sind Vierzigruderer und Schiffe mit 1 600 Ruderern erwähnt.

    Im Entscheidungskampf um die Herrschaft im Mittelmeer (Punische Kriege) waren die Römer zunächst auf die Flotten ihrer süditalienischen Bundesgenossen angewiesen, doch seit 260 v.Chr. bauten sie Schiffe nach dem Muster einer gestrandeten karthagischen Pentere.

    Eine wichtige Neuerung war die Enterbrücke zur Übertragung des Landkampfes an Bord der feindlichen Schiffe (Möglichkeit zum Einsatz der überlegenen römischen Infanterie). Noch während der Punischen Kriege entwickelten die Römer einen neuen Schiffstyp, die flinke, zweirudrige Liburne, mit der Augustus 31 v.Chr. bei Aktium siegte.

    Mittelalter

    Unabhängig vom Schiffbau der Mittelmeervölker war die Schiffbaukunst der Germanen, ihr hoher Stand Voraussetzung für die Seeherrschaft der Germanen (Goten, Vandalen) während der Völkerwanderung und für die kühnen Unternehmungen der Wikinger (Normannen). Sie benutzten einreihige Ruderboote (z.B. Nydamboot aus dem 3. Jh. n.Chr., Osebergschiff aus dem 9. Jh.) von höchstens 25 m Länge, so genannte "Klinker" mit überlappender Beplankung (statt "kraweel" wie bei den Mittelmeervölkern) gebaut und künstlerisch geschmückt. Sie waren selbst den Stürmen des Atlantiks gewachsen; trotz einfacher Besegelung (Rahsegel) war den Wikingern schon die Kunst des Kreuzens (gegen den Wind) bekannt.

    Größer als die Wikingerboote waren die Normannenschiffe des hohen Mittelalters, die auch von den Kreuzfahrern benutzt wurden, sie waren durch kastenartige Aufbauten erhöht.

    Gleichzeitig wurde im Norden das Langschiff (endgültig im 13. Jh.) von der hanseatischen Kogge als dem zu Handelszwecken besonders geeigneten Typ verdrängt. Sie wurde entwickelt aus der von Westeuropa (über die Friesen) übernommenen Nef, breit und hoch, kurz und rund gebaut. Seetüchtigkeit war bei ihr verbunden mit (vergleichsweise) großer Ladefähigkeit (bis 200 Tonnen), der erste reine Segelschiffstyp. Durch den wachsenden Welthandel wurden immer größere Schiffe benötigt. Ruderschiffe wurden nur noch im Mittelmeer weiter entwickelt, vor allem die Galeere (Galeote) mit zunächst nur einem Rahsegel. Ein entscheidender Fortschritt war das Heckruder (statt Seitenruder). Koggentypen von größeren Ausmaßen entstanden: die Hulk (bis 400 Tonnen) und im Mittelmeer die plumpe Karacke; der Anstoß zur Weiterentwicklung ging wieder von Westfrankreich aus.

    Neuzeit

    In den folgenden Jahrhunderten: Durchformung des Rumpfes und Durchbildung der Takelage (Untergliederung); 1566 Stapellauf des größten Schiffes der Hanse: "Adler von Lübeck". Kriegsschiff mit über 1 000 Mann Besatzung und über 120 Kartaunen und Mörsern, größte Länge 64 m, 1 500 t.

    In Spanien und Portugal Bau von Karavellen und von Galeonen mit Riesenaufbauten (Kern der "Großen Armada" Philipps II.).

    Im 17. Jahrhundert waren die Holländer die tüchtigsten und erfahrensten Schiffbauer; Entwicklung von zwar kleineren, doch weniger plumpen und besser besegelten, daher schnelleren und wendigeren Typen, darunter die auch anderwärts nachgebaute Fleute, aus der große bewaffnete Ostindienfahrer hervorgingen. Es kam zu einer Eigenentwicklung der Konstruktion von Kriegsschiffen, die ihre Vorläufer in den Konvoischiffen der Kauffahrtflotte hatten.

    Geniale Kriegsschiffkonstrukteure waren auch die Franzosen, die in der schnittigen Fregatte ("Schöpfung eines klassizistischen Geistes") den Vorläufer des modernen Kreuzers bauten; Rückgrat der Kriegsflotten war das hochbordige Linienschiff mit zwei bis drei Geschützdecks übereinander (entsprechend der Breitseitentaktik, erstmals von den Engländern gegen die Armada angewandt).

    Vollendung des Segelschiffbaus im 19. Jh. durch die amerikanischen Schnellsegler von bis dahin unbekannter Leistungsfähigkeit; aus dem 1812 im Krieg gegen England bewährten Baltimore-Schoner ging der bis zur letzten Möglichkeit der Schnelligkeitssteigerung durchdachte, hochmastige und raffiniert besegelte Klipper hervor, von den Engländern um die Mitte des 19. Jh.s kopiert, zum Teil schon aus Eisen konstruiert ("Kompositklipper"); besonders im Teefrachtverkehr nach China eingesetzt ("Klipperrennen" in etwa 100 Tagen von Ostasien nach London).

    Höhepunkt dieser Entwicklung in den deutschen Vollschiffen (Fünfmaster, 5 000 Tonnen) der Hamburger Reederei Laeisz vor dem Ersten Weltkrieg. Doch sind um diese Zeit die Weltmeere bereits vom Dampfschiff beherrscht. Seit Beginn des 19. Jh.s lösten sie immer mehr die Segelschiffe ab, obwohl sie anfänglich auch noch von Segeln unterstützt werden mussten. Nach Erfindung der Schiffschraube wurden die Segelschiffe immer mehr zurückgedrängt. Großsegler werden heutzutage nur noch zu Ausbildungszwecken eingesetzt.


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