Portals: Die Echtzeit-Fenster, die Menschen rund um die Welt miteinander verbinden
Aus WISSEN-digital.de
Portals verbinden Menschen in verschiedenen Städten live miteinander und schaffen eine völlig neue Form der Begegnung im öffentlichen Raum. Was 2021 mit einer Verbindung zwischen Vilnius und Lublin begann, ist heute ein internationales Netzwerk aus Kunst, Technologie und digitaler Kommunikation.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen mitten in einer Stadt vor einer großen, leuchtenden Skulptur. Auf der anderen Seite sehen Sie keine Werbung, keinen Film und keinen klassischen Livestream, sondern Menschen, die tatsächlich mehrere tausend Kilometer entfernt stehen. Sie sehen sich gegenseitig, reagieren aufeinander und können miteinander interagieren – und das alles in Echtzeit. Genau dieses Erlebnis ermöglichen die sogenannten Portals.
Das internationale Projekt wurde vom litauischen Künstler und Unternehmer Benediktas Gylys entwickelt. Die Portals sind großformatige, kreisförmige Installationen, die an öffentlichen Orten aufgestellt werden und Menschen an unterschiedlichen Standorten über eine digitale Echtzeitverbindung zusammenbringen. Aus einer zunächst auf zwei europäische Städte begrenzten Idee ist inzwischen ein globales Netzwerk geworden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Eine Idee, die Grenzen überwinden soll
- 2 Kommunikation ohne Worte
- 3 Vom Zwei-Städte-Projekt zum globalen Netzwerk
- 4 Sieben Standorte und ein gemeinsames Netzwerk
- 5 Eine technische Verbindung mit einem menschlichen Ziel
- 6 Ein öffentlicher Ort für spontane Begegnungen
- 7 Portals als Plattform für gemeinsame Aktivitäten
- 8 Berlin spielt eine wichtige Rolle
- 9 Die Zukunft der Portals
- 10 Ein Blick durch das digitale Fenster
Eine Idee, die Grenzen überwinden soll
Die Geschichte der Portals begann bereits vor der ersten Installation. Die Idee entstand 2016 und wurde anschließend gemeinsam mit einem Team der VilniusTech-Universität technisch weiterentwickelt. Im Mai 2021 wurden die ersten beiden Portals in Vilnius, Litauen, und Lublin, Polen, eröffnet.
Damit entstand eine ungewöhnliche Verbindung zwischen zwei Städten, die nicht über eine klassische Videokonferenz funktionierte. Die Menschen sollten sich nicht an Schreibtische setzen, einen Computer einschalten und einen Videoanruf starten. Stattdessen sollte die Begegnung dort stattfinden, wo Menschen ohnehin zusammenkommen: auf einem öffentlichen Platz mitten in der Stadt.
Die Portal-Skulptur fungiert dabei wie ein digitales Fenster. Auf einem großen Bildschirm erscheint das Livebild eines anderen Standorts, während eine Kamera gleichzeitig die Menschen vor Ort aufnimmt. So entsteht der Eindruck, dass zwei geografisch weit voneinander entfernte Orte unmittelbar miteinander verbunden sind.
Kommunikation ohne Worte
Eine der auffälligsten Eigenschaften der Portals ist der bewusste Verzicht auf Ton. Die Installationen übertragen das Geschehen visuell, sodass keine gemeinsame Sprache erforderlich ist.
Das macht die Kommunikation besonders unmittelbar. Menschen winken sich zu, lachen, tanzen, machen Gesten oder versuchen, gemeinsam kleine Aktionen durchzuführen. Ein Kind in Europa kann beispielsweise einem Menschen in Asien zuwinken, ohne dessen Sprache zu sprechen. Ein Passant kann mit einer Gruppe auf einem anderen Kontinent interagieren, obwohl beide Seiten sich vorher nie begegnet sind.
Gerade diese sprachlose Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Körpersprache, Gesichtsausdruck und Gesten werden zu einer universellen Kommunikationsform. Die Portals sollen dadurch kulturelle und geografische Grenzen überwinden und Menschen auf eine möglichst einfache Weise miteinander in Kontakt bringen.
Vom Zwei-Städte-Projekt zum globalen Netzwerk
Die Entwicklung des Projekts verlief schnell. Nach Vilnius und Lublin kamen 2024 weitere Standorte hinzu. Besonders große internationale Aufmerksamkeit erhielt die Verbindung zwischen Dublin und New York.
Das Portal in Dublin wurde im Mai 2024 eröffnet und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer bekannten Attraktion. Menschen versammelten sich vor der Installation, um Personen auf der anderen Seite des Atlantiks zu sehen und mit ihnen zu interagieren.
Das damalige New Yorker Portal wurde später nach Philadelphia verlegt. Dort wurde die Installation im Oktober 2024 erneut eröffnet und in das internationale Netzwerk integriert.
2025 folgte mit Ipswich das erste Portal im Vereinigten Königreich. Die Installation wurde am historischen Cornhill eröffnet und machte die englische Stadt zu einem weiteren Teil des globalen Netzwerks.
2026 expandierte das Projekt weiter. Mit Manila kam der erste Standort in Asien hinzu. Das Portal befindet sich in Bonifacio Global City in Taguig und erweitert das Netzwerk um eine der bedeutendsten Metropolregionen Südostasiens.
Im März 2026 wurde schließlich das erste Portal Südamerikas in Barra Grande im brasilianischen Bundesstaat Piauí eröffnet. Damit war das Netzwerk auf mehrere Kontinente angewachsen.
Sieben Standorte und ein gemeinsames Netzwerk
Aktuell umfasst das offizielle Portal-Netzwerk sieben Standorte:
Vilnius, Lublin, Dublin, Philadelphia, Ipswich, Manila und Piauí.
Das Besondere dabei: Die Portals sind nicht zwingend dauerhaft als feste Verbindung zwischen zwei Städten konzipiert. Stattdessen können die verschiedenen Standorte Teil eines gemeinsamen Netzwerks sein. Die Übertragungen wechseln beziehungsweise rotieren zwischen den einzelnen Portals.
Dadurch kann eine Person beispielsweise zunächst Menschen in Europa sehen und kurze Zeit später eine Verbindung zu einem Standort auf einem anderen Kontinent erhalten. Die Organisation beschreibt das Netzwerk als ein gemeinsames globales Kunstwerk, das kontinuierlich erweitert wird.
Eine technische Verbindung mit einem menschlichen Ziel
Technisch basiert das Konzept auf einer permanenten digitalen Übertragung. Kamera, Bildschirm, Netzwerkverbindung und entsprechende Software sorgen dafür, dass das Bild des jeweils verbundenen Standorts nahezu unmittelbar übertragen werden kann.
Die Portals sind als 24/7-Echtzeitverbindungen konzipiert. Sie unterscheiden sich dadurch deutlich von gewöhnlichen digitalen Kommunikationsplattformen. Der Nutzer muss sich nicht anmelden, kein Smartphone verwenden und keine App öffnen. Die Technologie tritt im Idealfall in den Hintergrund.
Das Ergebnis ist eine physische Begegnung, die durch digitale Infrastruktur ermöglicht wird.
Genau darin liegt die Besonderheit des Projekts: Die Technik ist komplex, das Erlebnis dagegen bewusst einfach gehalten.
Ein öffentlicher Ort für spontane Begegnungen
Die Portals funktionieren nicht wie ein privater Videochat. Sie stehen mitten im öffentlichen Raum und ziehen dadurch automatisch Menschen an, die eigentlich gar nicht nach einer digitalen Begegnung gesucht haben.
Touristen, Passanten, Familien, Kinder und lokale Besucher können Teil des Erlebnisses werden. Dadurch entstehen spontane Situationen, die sich kaum planen lassen.
Menschen bleiben stehen, schauen auf den Bildschirm und erkennen plötzlich, dass die Personen auf der anderen Seite ebenfalls zurückblicken. Aus einem anonymen öffentlichen Platz entsteht für einen Moment ein internationaler Treffpunkt.
Diese Verbindung von öffentlichem Raum und digitaler Kommunikation macht die Portals auch für Städte interessant. Eine Installation kann zu einer touristischen Attraktion werden, gleichzeitig internationale Aufmerksamkeit erzeugen und die Stadt als innovativen und kulturell offenen Standort positionieren.
Portals als Plattform für gemeinsame Aktivitäten
Dass die Technologie nicht nur für gegenseitiges Beobachten gedacht ist, zeigen verschiedene Veranstaltungen und Kooperationen.
2025 wurde beispielsweise gemeinsam mit Chess.com ein internationales Live-Schachturnier über das Portal-Netzwerk organisiert. Menschen an unterschiedlichen Standorten konnten dabei über große Entfernungen hinweg miteinander Schach spielen.
Damit wird deutlich, welches Potenzial in dem Konzept steckt. Die Portals können nicht nur Menschen miteinander verbinden, sondern auch als Plattform für kulturelle Veranstaltungen, Performances, Spiele und andere gemeinsame Aktivitäten dienen.
Berlin spielt eine wichtige Rolle
Hinter dem internationalen Netzwerk steht die Portals Organization, die ihren Sitz in Vilnius und Berlin hat. Die Organisation entwickelt, produziert und wartet die Portal-Installationen und arbeitet mit Städten, öffentlichen Einrichtungen und Partnerorganisationen zusammen.
Dabei übernimmt Berlin eine wichtige technische Rolle. Entwicklung, Fertigung und Wartung der Portal-Skulpturen werden unter anderem durch das Berliner Team unterstützt.
Für die beteiligten Städte kann eine solche Installation daher weit mehr sein als ein Kunstobjekt. Sie kann Bestandteil einer langfristigen Strategie für internationale Sichtbarkeit, Tourismus, Innovation und kulturellen Austausch werden.
Die Zukunft der Portals
Das Netzwerk ist noch nicht abgeschlossen. Portals.org beschreibt das Projekt als ein wachsendes globales Kunstwerk. Weitere Städte und Regionen können grundsätzlich Teil dieses Netzwerks werden.
Besonders interessant ist dabei die geografische Entwicklung. Während die ersten Portals zwei europäische Städte miteinander verbanden, reicht das Netzwerk inzwischen von Europa über Nordamerika und Asien bis nach Südamerika.
Damit entsteht eine neue Form internationaler Kommunikation: Menschen müssen nicht mehr zwingend reisen, um einen kurzen persönlichen Eindruck von einer anderen Stadt und ihren Bewohnern zu bekommen.
Ein Blick durch das digitale Fenster
Die Portals zeigen eindrucksvoll, wie digitale Technologie und Kunst miteinander verbunden werden können. Sie sind weder klassische Videokonferenzen noch gewöhnliche Bildschirme. Sie schaffen einen physischen Ort, an dem digitale Kommunikation zu einer unmittelbaren sozialen Erfahrung wird.
Aus der ursprünglichen Verbindung zwischen Vilnius und Lublin ist innerhalb weniger Jahre ein internationales Netzwerk entstanden. Heute stehen Portals unter anderem in Dublin, Philadelphia, Ipswich, Manila und Piauí und ermöglichen Menschen weltweit spontane Begegnungen in Echtzeit.
Die vielleicht wichtigste Idee hinter dem Projekt ist dabei erstaunlich einfach: Menschen sollen einander sehen können.
Nicht als Profilbild, nicht als aufgezeichnetes Video und nicht als anonyme Zahl auf einem Bildschirm, sondern als realen Menschen, der gerade im selben Moment auf der anderen Seite des Portals steht.
Damit stehen die Portals exemplarisch für eine mögliche Zukunft digitaler Kommunikation: Technologie soll nicht nur Informationen schneller übertragen, sondern echte menschliche Begegnungen ermöglichen – über Städte, Länder und Kontinente hinweg.
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