Polarlichter-Reisen: Die faszinierende Welt der Nordlichter erleben
Aus WISSEN-digital.de
Polarlichter gehören zu den spektakulärsten Naturphänomenen der Erde. Grüne, violette, rote oder bläuliche Lichtschleier bewegen sich über den Nachthimmel, bilden Bögen, Spiralen und leuchtende Vorhänge. Für viele Menschen sind sie längst mehr als ein faszinierendes Naturschauspiel: Polarlichter-Reisen sind zu einem eigenen Reisetrend geworden. Immer mehr Menschen reisen gezielt in den hohen Norden, um die Aurora Borealis mit eigenen Augen zu erleben. Doch wie entstehen Polarlichter eigentlich? Wo sind die Chancen auf eine Sichtung besonders gut? Wann ist die beste Reisezeit und warum verbringen erfahrene „Aurora-Jäger“ gleich mehrere Nächte in der Arktis?
Inhaltsverzeichnis
- 1 Wie entstehen Polarlichter?
- 2 Warum sind Polarlichter meistens grün?
- 3 Warum „tanzt“ das Polarlicht?
- 4 Die besten Reiseziele für Polarlichter
- 5 Warum buchen Menschen spezielle Polarlicht-Reisen?
- 6 Wie lange sollte eine Polarlichter-Reise dauern?
- 7 Wann ist die beste Zeit für eine Reise zu den Polarlichtern?
- 8 Polarlichter-Reisen als Winterabenteuer
- 9 Schlafen unter dem Polarlicht
- 10 Polarlichter fotografieren
- 11 Was macht eine gute Polarlichter-Reise aus?
Wie entstehen Polarlichter?
Die Entstehung der Polarlichter beginnt rund 150 Millionen Kilometer entfernt – bei der Sonne. Sie gibt ständig einen Strom elektrisch geladener Teilchen in den Weltraum ab. Dieser Teilchenstrom wird als Sonnenwind bezeichnet und besteht vor allem aus Protonen und Elektronen. Bei besonders aktiven Vorgängen auf der Sonne, etwa koronalen Massenauswürfen, können große Mengen geladener Teilchen mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Erde geschleudert werden.
Die Erde besitzt ein starkes Magnetfeld, die sogenannte Magnetosphäre. Sie wirkt wie ein gigantischer Schutzschild und lenkt einen großen Teil des Sonnenwinds ab. Einige der geladenen Teilchen können jedoch in die Magnetosphäre eindringen. Sie werden entlang der magnetischen Feldlinien in Richtung der Polarregionen gelenkt. Dort treffen sie in der oberen Atmosphäre auf Sauerstoff- und Stickstoffatome.
Bei diesen Zusammenstößen übertragen die energiereichen Teilchen ihre Energie auf die Atome und Moleküle der Atmosphäre. Diese befinden sich anschließend in einem angeregten Zustand. Wenn sie wieder in ihren normalen Energiezustand zurückkehren, geben sie Energie in Form von Licht ab. Genau dieses Leuchten sehen wir als Polarlicht.
Warum sind Polarlichter meistens grün?
Das typische intensive Grün der Aurora entsteht hauptsächlich durch angeregten Sauerstoff in der oberen Atmosphäre. Sauerstoff kann außerdem rotes Licht erzeugen, das jedoch seltener sichtbar ist. Stickstoff kann wiederum für blaue und violette Farbtöne verantwortlich sein.
Welche Farben tatsächlich zu sehen sind, hängt unter anderem von der Höhe, der Art der angeregten Teilchen und der Stärke der Aurora ab. Deshalb kann sich ein Polarlicht innerhalb weniger Minuten verändern: Aus einem schwachen grünen Bogen kann ein riesiger, dynamischer Vorhang werden, der sich über den Himmel bewegt.
Warum „tanzt“ das Polarlicht?
Die spektakulären Bewegungen der Aurora entstehen durch dynamische Vorgänge im Erdmagnetfeld. Wenn besonders viel Energie aus dem Sonnenwind in die Magnetosphäre gelangt, kann sich diese Energie dort aufbauen und später wieder freigesetzt werden. Dabei werden energiereiche Teilchen entlang magnetischer Feldlinien in die Atmosphäre gelenkt.
Besonders starke Sonnenwindereignisse können sogenannte geomagnetische Stürme auslösen. Dann kann sich die Aurora deutlich weiter von den Polarregionen Richtung Süden ausbreiten. Deshalb können starke Polarlichter gelegentlich auch in Regionen beobachtet werden, in denen sie normalerweise nur sehr selten auftreten.
Die besten Reiseziele für Polarlichter
Wer eine Polarlichter-Reise plant, möchte natürlich die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung möglichst erhöhen. Die besten Chancen bestehen in Regionen unter beziehungsweise nahe dem sogenannten Aurora Oval.
Eine der bekanntesten Destinationen ist Tromsø in Nordnorwegen. Die Stadt liegt geografisch sehr günstig unter dem Polarlichtoval und gilt als einer der beliebtesten Ausgangspunkte für Reisen zu den Nordlichtern. Die Polarlichtsaison reicht dort ungefähr von Ende August bis Anfang April, sofern es dunkel und der Himmel ausreichend klar ist.
Auch Abisko in Schwedisch-Lappland ist unter Polarlichtreisenden besonders bekannt. Der Ort liegt häufig innerhalb des Aurora Ovals und verfügt über ein vergleichsweise trockenes Mikroklima mit vielen klaren Nächten. Die örtliche Tourismusorganisation nennt Ende August bis Mitte April als mögliche Saison und empfiehlt insbesondere die Monate Oktober bis Ende März.
Eine weitere beliebte Region ist Finnisch-Lappland. Orte wie Rovaniemi, Saariselkä, Inari oder Kilpisjärvi verbinden die Beobachtung der Polarlichter mit winterlichen Aktivitäten, komfortablen Lodges und den berühmten Glas-Iglus beziehungsweise Aurora Cabins.
Auch Island, Alaska und der Norden Kanadas sind attraktive Ziele. Island eignet sich besonders für Reisende, die Polarlichter mit einem Roadtrip und spektakulären Landschaften verbinden möchten. Fairbanks in Alaska und Yellowknife in Kanada sind dagegen besonders für intensive Aurora-Erlebnisse bekannt.
Warum buchen Menschen spezielle Polarlicht-Reisen?
Eine einzige Nacht im hohen Norden reicht nicht unbedingt aus. Denn selbst wenn die Sonnenaktivität perfekt ist, kann eine dichte Wolkendecke das Schauspiel unsichtbar machen. Deshalb verbringen viele Reisende mehrere Nächte an ihrem Zielort.
In Tromsø gibt es spezielle Northern Lights Chase Tours. Dabei fahren Guides mit ihren Gästen abends aus der Stadt hinaus und suchen gezielt nach Regionen mit besseren Wetterbedingungen. Je nach Bewölkung kann die Route flexibel angepasst werden.
Diese sogenannten Aurora Hunts sind inzwischen ein fester Bestandteil des Wintertourismus. Statt einfach vor dem Hotel zu warten, versuchen die Guides, möglichst gute Bedingungen zu finden. Eine Tour kann mehrere Stunden dauern und bei ungünstigem Wetter sogar weit aus der Stadt hinausführen.
Andere Reisen verbinden die Polarlichtbeobachtung mit einem kompletten Wintererlebnis: Lagerfeuer, traditionelle Küche, Husky-Schlittenfahrten oder Begegnungen mit Sami können Bestandteil eines solchen Abends sein.
Bei der Auswahl einer Polarlicht-Tour sollten Reisende deshalb auf Gruppengröße, Dauer, Transport, Flexibilität bei der Routenwahl und enthaltene Leistungen achten. Auch warme Kleidung, Verpflegung und fotografische Unterstützung können Bestandteil einer Tour sein.
Wie lange sollte eine Polarlichter-Reise dauern?
Für eine gezielte Reise zu den Nordlichtern sind mehrere Nächte sinnvoll. Eine Reise mit nur einer Nacht ist vergleichsweise riskant, weil Wetter und Aurora-Aktivität nicht planbar sind.
Drei bis fünf Nächte sind deshalb eine gute Orientierung. Je länger der Aufenthalt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest eine Nacht mit geeigneten Bedingungen dabei ist.
Abisko nennt auf Basis lokaler Erfahrungen beispielsweise eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent bei einem dreitägigen Aufenthalt während der Aurora-Saison. Bei vier oder mehr Nächten wird die Chance dort als noch höher angegeben. Das ist allerdings keine Garantie, sondern eine Erfahrungsangabe.
Wann ist die beste Zeit für eine Reise zu den Polarlichtern?
Grundsätzlich braucht man drei Dinge: Dunkelheit, einen möglichst klaren Himmel und ausreichende Aurora-Aktivität.
In Tromsø beginnt die Saison etwa Ende August und reicht bis Anfang April. Besonders beliebt sind die Monate von Oktober bis März.
Februar und März sind für viele Reisende besonders attraktiv. Dann liegt meist noch eine tief verschneite Winterlandschaft, gleichzeitig gibt es bereits etwas mehr Tageslicht als im Dezember oder Januar.
Auch der Herbst kann interessant sein. Wer weniger extreme Kälte möchte, kann beispielsweise im September oder Oktober reisen.
Wichtig ist: Eine starke Sonnenaktivität allein garantiert kein Polarlicht. Für Reisende in Regionen direkt unter dem Aurora Oval sind lokale Wetterbedingungen und ein klarer Himmel besonders wichtig.
Polarlichter-Reisen als Winterabenteuer
Eine Reise in den hohen Norden muss sich nicht ausschließlich um die Aurora drehen. Tagsüber bieten sich zahlreiche Aktivitäten an:
- Hundeschlittenfahrten
- Rentierschlitten
- Schneeschuhwanderungen
- Schneemobil-Touren
- Fjordausflüge
- Skifahren
- Eisfischen
- Sauna und Wellness
- Besuche bei Sami
- Fototouren
Besonders in Tromsø lässt sich daraus eine komplette Winterreise machen: tagsüber arktische Aktivitäten, abends die Jagd nach der Aurora.
In Abisko kommen die Landschaft des Nationalparks und zahlreiche Winteraktivitäten hinzu. Finnisch-Lappland punktet dagegen mit gemütlichen Lodges, Saunen und außergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten.
Schlafen unter dem Polarlicht
Eine besonders außergewöhnliche Variante von Polarlichter-Reisen sind Aurora Cabins und Glas-Iglus. Durch große Glasdächer lässt sich der Himmel bequem aus dem warmen Bett beobachten.
Das klingt traumhaft – und kann es auch sein. Allerdings ersetzt eine spektakuläre Unterkunft keine gute Wetterlage. Wer seine Chancen maximieren möchte, sollte mehrere Nächte buchen und zusätzlich eine flexible Aurora-Tour einplanen.
Polarlichter fotografieren
Für viele Reisende gehört die Polarlichtfotografie inzwischen fest zur Reise dazu. Moderne Smartphones können bereits erstaunlich gute Aufnahmen machen. Mit einer Kamera, einem lichtstarken Objektiv und einem Stativ lassen sich jedoch besonders eindrucksvolle Bilder erzeugen.
Dabei sollte man einen wichtigen Unterschied kennen: Fotos können intensiver wirken als das menschliche Auge. Bei schwächeren Polarlichtern kann man am Himmel beispielsweise nur einen zarten grünlichen Schleier erkennen, während eine Kamera mit längerer Belichtung kräftigere Farben aufnimmt.
Was macht eine gute Polarlichter-Reise aus?
Wer eine Reise zu den Nordlichtern plant, sollte vor allem eines mitbringen: Geduld. Es gibt keine Garantie. Selbst an den besten Reisezielen kann der Himmel bewölkt sein, während gleichzeitig über den Wolken eine beeindruckende Aurora stattfindet.
Die besten Voraussetzungen schafft deshalb eine Kombination aus dem richtigen Standort, mehreren Nächten, möglichst wenig Lichtverschmutzung, flexiblen Aurora-Touren und einer guten Wetterbeobachtung.
Tromsø bietet eine hervorragende Mischung aus Erreichbarkeit, touristischer Infrastruktur und zahlreichen Polarlicht-Erlebnissen. Abisko ist besonders interessant für Reisende, die die Aurora in den Mittelpunkt stellen und von den dort häufig klaren Bedingungen profitieren möchten. Finnisch-Lappland verbindet die Polarlichter dagegen mit Komfort, verschneiten Landschaften und außergewöhnlichen Unterkünften.
Letztlich ist ein Polarlicht eine direkte Verbindung zwischen Sonne und Erde: Millionen Kilometer entfernt schleudert die Sonne geladene Teilchen ins All. Das Erdmagnetfeld lenkt einen Teil davon in Richtung der Polarregionen. Hoch oben in der Atmosphäre bringen diese Teilchen Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten.
Was am Himmel wie Magie aussieht, ist deshalb ein spektakuläres Zusammenspiel aus Sonnenwind, Magnetismus und Physik.
Und genau das macht eine Polarlichter-Reise so außergewöhnlich: Wer nachts in Nordnorwegen, Schwedisch-Lappland oder Finnland unter einem grünen Himmel steht, sieht nicht einfach nur ein schönes Naturschauspiel. Man erlebt mit eigenen Augen die sichtbare Folge eines kosmischen Prozesses, dessen Ursprung auf der Sonne liegt.
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