Paul Johannes Anselm Ritter von Feuerbach

    Aus WISSEN-digital.de

    deutscher Jurist; * 14. November 1775 in Hainichen bei Jena, † 29. Mai 1833 in Frankfurt

    Feuerbach wurde am 14. November 1775 als unehelicher Sohn der Tochter eines Kaufmanns in Hainichen bei Jena geboren. Der 20-jährige Vater war Student der Rechte in Jena und legitimierte später den Sohn durch die Heirat mit seiner Geliebten. Mit 17 Jahren war Feuerbach Student der Philosophie in Jena (nachdem er von zu Hause fortgelaufen war), mit 20 Jahren folgte die Promotion und ein Zweitstudium der Jurisprudenz, mit 25 Jahren war er bereits Professor der Rechte in Jena.

    Bei gründlicher Kenntnis des allgemeinen Rechtes erkor er sich das Strafrecht als Spezialgebiet. Hier wirkte er in zahlreichen Arbeiten bahnbrechend für die Erhebung des Strafrechts zu einer eigenen Disziplin, für die Ersetzung des alten Schuldsühnebegriffes durch die Rechtsstrafe. Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern holte Feuerbach nach München und betraute ihn mit der Ausarbeitung eines modernen Strafrechtes für Bayern. Feuerbach vertrat die Überzeugung, dass das Recht im Staat auch fürstlicher Willkür Schranken setzen müsse. Meinungsverschiedenheiten mit dem König in der Frage deutsch-patriotischer Politik 1813/14 führten zur Versetzung Feuerbachs nach Bamberg als Präsident des bayerischen Appellationsgerichts. Auf Feuerbach geht die Abschaffung der Folter in Bayern und die Minderung der Strafen für Jagdfrevel zurück, außerdem das neue Bayerische Strafgesetzbuch von 1813. In höheren Jahren wandte sich Feuerbach vor allem der Kriminalpsychologie zu.

    Am 11. Juli 1828 sah Feuerbach zum ersten Mal den 16 oder 18 Jahre alten Findling Kaspar Hauser in Nürnberg. Dieser war von Unbekannten sechs Wochen zuvor ausgesetzt worden, nachdem er von gleichfalls Unbekannten seit frühester Kindheit ohne jede Erziehung in einem Verließ gehalten worden war. Feuerbach, Verfasser einer Schrift über merkwürdige "Kriminalrechtsfälle", interessierte sich brennend für diesen Fall, den er 1832 in einer Broschüre ein "Verbrechen am Seelenleben des Menschen" nannte. Er glaubte, ohne je Beweise erbringen zu können, es handele sich um einen Akt fürstlicher Willkür: Kaspar Hauser sei der angeblich nach der Geburt verstorbene Erbe der Hauptlinie des großherzoglichen Hauses Baden, den die Gräfin Hochberg zu Gunsten ihres Sohnes habe verschwinden lassen.


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